Türkei Armee stoppt Suche nach verschlepptem Parlamentarier

Das Risiko schien zu groß: Das türkische Militär hat seinen Großeinsatz zur Rettung des entführten Abgeordneten Hüseyin Aygün nach Informationen von AFP eingestellt. Er war zuvor von Kämpfern der PKK verschleppt worden - der Kurden-Konflikt hat damit eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Panzer der türkischen Armee (Archivbild): Verstärkt Kämpfe zwischen PKK und Militär

Panzer der türkischen Armee (Archivbild): Verstärkt Kämpfe zwischen PKK und Militär

Foto: STR/ AFP

Ankara - Die türkische Armee hat ihren Einsatz zur Befreiung des entführten Parlamentariers Hüseyin Aygün abgebrochen - aus Sorge um Aygüns Leben, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Sie berief sich auf Sicherheitskreise. Regierungssprecher Bülent Arinc hatte zuvor davor gewarnt, den Abgeordneten der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) einer "Gefahr auszusetzen".

Der kurdischstämmige Aygün war von Kämpfern der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Osten des Landes verschleppt worden. Der Kurden-Konflikt in der Türkei hat damit eine neue Eskalationsstufe erreicht: Es war das erste Mal, dass PKK-Kämpfer einen türkischen Abgeordneten verschleppten. Nach Augenzeugenberichten sollen die Entführer mit ihrer Geisel in den nahe gelegenen Wäldern verschwunden sein.

Die Armee begann daraufhin mit einem Großaufgebot nach dem Entführten zu suchen. Die PKK warnte jedoch, mit einem Eingreifen des Militärs Aygüns Leben zu gefährden.

Die PKK kämpft seit 1984 für Autonomie im mehrheitlich von Kurden bewohnten Südosten des Landes. Schätzungen zufolge wurden in dem Konflikt mehr als 45.000 Menschen getötet. Die Kämpfer der PKK verfügen über Stützpunkte im Norden des Irak, von wo aus sie Aktionen in der Türkei organisieren. Die Türkei befürchtet, dass die Aufständischen den Bürgerkrieg im benachbarten Syrien nutzen könnten, um auch dort Stützpunkte einzurichten. Die EU und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. Rund 20 Prozent der etwa 75 Millionen Einwohner der Türkei sind Kurden.

In den vergangenen Wochen gab es verstärkt Kämpfe zwischen PKK-Kämpfer und der türkischen Armee. Nach mehreren Angriffen startete das Militär Ende Juli eine Boden- und Luftoffensive gegen Stützpunkte der Aufständischen.

Der Abgeordnete Aygün vertritt im Parlament in Ankara für die CHP die ostanatolische Stadt Tunceli. Laut Angaben auf seiner Internetseite befasst er sich in seiner Arbeit mit Menschenrechtsverletzungen wie Folter sowie im Zusammenhang mit Zwangsräumungen kurdischer Dörfer.

heb/AFP
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