Asyl-Anträge türkischer Nato-Soldaten Türkei bedrängt deutsche Behörden

Rund 40 türkische Militärs hoffen in Deutschland auf Asyl. Die türkische Regierung greift deshalb nun deutsche Behörden an. Verteidigungsminister Fikri Isik erwartet, dass die Anträge abgelehnt werden.

Türkische Nato-Offiziere
DER SPIEGEL

Türkische Nato-Offiziere


Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik hat Deutschland zur Ablehnung aller Asylanträge von türkischen Soldaten aufgefordert. Die deutschen Behörden "dürfen diese Asylanträge absolut nicht annehmen", sagte Isik in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu verbreiteten Video.

Rund 40 türkische Nato-Soldaten hatten zuvor in Deutschland Asyl beantragt. Mit "Report Mainz" und dem SPIEGEL sprachen sie darüber, warum sie nicht in ihre Heimat zurück wollen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL). Der Fall ist für die Bundesregierung heikel - und nun erhöht Ankara auch noch den öffentlichen Druck.

"Für ein Land wie Deutschland, das sehr enge kulturelle, soziale und politische Beziehungen zur Türkei hat, wäre es zutiefst inakzeptabel, Schutz zu gewähren", sagte Verteidigungsminister Isik. Er fügte hinzu, es sei seine Erwartung, dass Deutschland die Anträge der Soldaten zurückweise. Die Antragssteller würden verdächtigt, am Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im Juli beteiligt gewesen zu sein.

Die deutschen Behörden müssten in der Frage der Asylanträge "sehr vorsichtig" vorgehen, sagte Isik. Der Minister äußerte sich kurz vor dem Türkei-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag. Merkel bangt darum, dass der Flüchtlingsdeal hält. Streit über geschasste Soldaten kann sie nicht gebrauchen.

SPIEGEL-Redakteur Peter Müller und SWR-Kollegin Monika Anthes im Gespräch mit zwei türkischen Nato-Offizieren, die in Deutschland Asyl suchen
SWR

SPIEGEL-Redakteur Peter Müller und SWR-Kollegin Monika Anthes im Gespräch mit zwei türkischen Nato-Offizieren, die in Deutschland Asyl suchen

Im Gespräch mit dem SPIEGEL und dem ARD-Politmagazin "Report Mainz" waren zwei Offiziere erstmals an die Öffentlichkeit getreten. "Wenn ich in die Türkei zurückgehe, riskiere ich, verhaftet und womöglich gefoltert zu werden", sagte ein hochrangiger Offizier. Mit dem Putschversuch in der Türkei hätten sie nichts zu tun, betonten die Soldaten.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sowie das Bundesinnenministerium betonten, der Fall der Offiziere werde behandelt wie andere Asylfälle auch. Der Bericht von "Report Mainz" wird am 31. Januar um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

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apr/AFP

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