Wegen türkischer Offensive Syrien schickt Truppen nach Norden

Die Lage in Syrien wird nach Beginn der türkischen Offensive unübersichtlicher. Die syrische Regierung entsendet nun Truppen in den Norden des Landes - und will offenbar mit den Kurden verhandeln.

Emrah Gurel/DPA

Als Reaktion auf die türkische Offensive im Norden des Landes entsendet die syrische Armee Staatsmedien zufolge Truppen in das Gebiet. Die Armee werde sich der türkischen "Aggression" entgegenstellen, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Nähere Details zu der Mobilmachung wurden zunächst nicht genannt. Schon bisher waren syrische Regierungstruppen in bestimmten kurdischen Gebieten stationiert, um eine türkische Offensive zu verhindern.

Die Türkei hatte am Mittwoch ihre Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die Teil der "Syrian Democratic Forces" (SDF) ist. Die verhandelt nun der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mit Vertretern der syrischen Regierung. Ahmed Suleiman, ein führendes Mitglied der Kurdisch-Demokratischen Fortschrittspartei, sagte Reuters, dass Gespräche zwischen beiden Seiten auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim bei Latakia stattfänden.

Merkel und Macron fordern Ende der Offensive

Suleimans Partei ist eine der ältesten kurdischen Vereinigungen Syriens, jedoch kein Teil der SDF-Verwaltung im Norden Syriens. Die SDF wollte zu Suleimans Aussagen nicht Stellung beziehen, SDF-Sprecher Mustafa Bali erklärte jedoch, dass man alle Optionen prüfe, um ethnische Säuberungen zu verhindern.

Gleichzeitig verstärkten auch die Nato-Partner den Druck auf die Türkei, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verlangten ein sofortiges Ende der türkischen Militäroffensive. Macron kündigte "weitere Initiativen in den kommenden Stunden und Tagen" an. Nach dem Treffen mit Merkel will er am Sonntagabend mit dem Verteidigungsrat in Paris zusammenkommen. Daran nehmen unter anderem Premierminister Edouard Philippe, Verteidigungsministerin Florence Parly und Außenminister Jean-Yves Le Drian teil.

Zuvor hatten Deutschland und Frankreich, aber auch die Niederlande, Norwegen und Finnland angekündigt, Waffenlieferungen an die Türkei einzuschränken.

ene/Reuters/AFP

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