Flüchtlingsdrama Türkei fordert Schutzzone in Syrien

Fast 70.000 Flüchtlinge aus Syrien hat die Türkei bereits aufgenommen, das Land sieht sich am Ende seiner Kräfte. Jetzt regt Ankara an, Schutzzonen innerhalb der syrischen Grenzen einzurichten - unter Aufsicht der Uno. Das wäre der Beginn einer ausländischen Intervention.
Syrische Flüchtlinge an türkischer Grenze: Ankara ruft um Hilfe

Syrische Flüchtlinge an türkischer Grenze: Ankara ruft um Hilfe

Foto: DPA / Anadolu Agency

Ankara - Ankara drängt darauf, dass neue Lösungen für die Flüchtlinge aus Syrien gefunden werden. Sein Land, das bereits beinahe 70.000 Syrer aufgenommen habe, sei bald nicht mehr in der Lage, weiteren Flüchtlingen Schutz zu bieten, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu nach einem Bericht der Zeitung "Hurriyet". "Wenn die Zahl der Flüchtlinge 100.000 übersteigt, werden wir keinen Platz mehr haben." Es sollte die Möglichkeit geben, die Menschen in Syrien unterzubringen, so der Politiker weiter. Die Uno könnte Flüchtlingslager innerhalb einer "sicheren Zone" auf syrischem Gebiet errichten, schlug Davutoglu vor.

Medienberichten zufolge hat die Türkei bereits auch auf der syrischen Seite der Grenze bei dem Ort Reyhanli Hunderte wartende Flüchtlinge mit Hilfsgütern und Medikamenten versorgt. Das Krisenzentrum der türkischen Regierung teilte mit, an der Grenze sollten von nun an unter Beachtung internationalen Rechts Hilfsgüter für die Menschen in Syrien übergeben werden.

Der Vorstoß Davutoglus allerdings geht weiter: Flüchtlingslager unter dem Schutz der Uno - das wäre der Beginn eines internationalen Eingreifens in Syrien, wenn auch nur auf niedriger Stufe. Syrische Rebellen hatten in den vergangenen Wochen mehr Gebiete an der Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle gebracht - Teile der syrischen Opposition fordern Flugverbotszonen und sichere Zufluchtszonen, die von ausländischen Soldaten geschützt werden.

Zwar hat sich von den ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats noch keines offiziell für ein solches Vorgehen ausgesprochen. Allerdings hatte US-Außenministerin Hillary Clinton erklärt, Washington und Ankara würden alle Möglichkeiten prüfen, die Aufständischen zu unterstützen, inklusive einer Flugverbotszone.

Eine Flugverbotszone und das Eingreifen der Nato hatten im vergangenen Jahr den Rebellen in Libyen zum Sturz des dortigen Machthabers Gaddafi verholfen. Der Westen hat bislang wenig Interesse an einem solchen Schritt auch in Syrien erkennen lassen - Russland und China sind zudem strikt gegen jede Form der Intervention.

Syrische Raketen verletzen Menschen in Jordanien

Frankreich sieht offenbar trotzdem noch Möglichkeiten, Russland zu einem härteren Vorgehen gegen das Regime von Syriens Präsident Assad zu bewegen, und setzt darauf, die syrische Führung finanziell auszutrocknen. Dazu sollten Gespräche mit Russland geführt werden, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius dem Sender RTL in Paris. Der Krieg koste die Regierung in Damaskus "ungefähr eine Milliarde Euro pro Monat". Ohne Unterstützung durch Russland oder Iran könne Assad das nur noch wenige Monate durchstehen. Fabius, der erneut die "unmenschliche" Führung in Damaskus kritisierte und Assad einen "Schlächter" nannte, schloss ein militärisches Eingreifen Frankreichs in den Konflikt aus. Auch eine Lieferung von Waffen an die Rebellen lehnte er erneut ab.

Die Uno-Beobachtermission ist inzwischen aus Syrien abgezogen, der Einsatz wurde nicht verlängert. Das Blutvergießen geht unvermindert weiter. Bei heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der südsyrischen Stadt Daraa sind nach Angaben von Aktivisten am Montag sechs Menschen getötet worden. Unter den Opfern der Kämpfe seien zwei Kinder und zwei Frauen gewesen, berichteten die Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees. Gefechte tobten demnach auch in vielen anderen Landesteilen, darunter in Vororten der Hauptstadt Damaskus und in der nordsyrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo. Zahlreiche Menschen seien getötet oder verwundet worden, hieß es.

Der Bürgerkrieg gefährdet auch Menschenleben in den Nachbarländern: In Jordanien sind vier syrische Raketen eingeschlagen. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter ein kleines Kind. Jordanien reagierte scharf auf den Vorfall und bestellte den Botschafter Syriens ein. Der jordanische Informationsminister Samih al-Maaita erklärte, dem Botschafter sei mitgeteilt worden, Damaskus müsse sicherstellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen wird.

anr/Reuters/dapd/dpa/AFP
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