Zwischenfall an der Grenze Türkei bestätigt Abschuss von Militärjet durch Syrien

Seit Freitagmorgen wird vor der syrischen Küste ein türkischer Militärjet vermisst. Sowohl die türkische als auch die syrische Regierung bestätigen, dass Syrien das Flugzeug abgeschossen hat. Noch immer ist unklar, ob die beiden Besatzungsmitglieder überlebt haben.


Damaskus - Die Regierung in Ankara hat Agenturmeldungen zufolge bestätigt, dass ein türkisches Militärflugzeug von Syrien abgeschossen wurde. Das wurde am späten Freitagabend nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mitgeteilt. Allerdings ist weiterhin unklar, weshalb der Jet so nah an der Küste Syriens flog und was mit der Besatzung geschehen ist.

Das syrische Militär hat der Nachrichtenagentur Reuters zufolge den Abschuss bestätigt. Der Vorfall habe sich über syrischem Hoheitsgewässer ereignet.

Die Suche nach den beiden Piloten und dem Wrack werde gemeinsam mit Syrien fortgesetzt, hieß es in der Mitteilung der türkischen Regierung. Am Nachmittag hatte Erdogan laut Nachrichtenagentur dpa Online-Berichte der türkischen Zeitung "Hürriyet" zurückgewiesen, wonach sich Damaskus wegen des Flugzeugs bei ihm entschuldigt habe. "Ich habe keine solche Information erhalten", habe er gesagt. Fragen, warum der türkische Jet so nahe an der syrischen Küste unterwegs war, habe er nicht beantwortet.

Nach Angaben der türkischen Armee war das Flugzeug um 7.30 Uhr Ortszeit im osttürkischen Malatya gestartet und danach im Südwesten der Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien vom Radar verschwunden. Es handele sich um ein Kampfflugzeug vom Typ F-4 mit zwei Besatzungsmitgliedern. Syrische und türkische Küstenwache arbeiteten gemeinsam daran, das Wrack aufzusuchen, berichtete der türkische Sender NTV.

Über die genauen Hintergründe des Verschwindens der Maschine von den Radarschirmen, kursierten am Freitag zunächst unterschiedliche Angaben. Einigen Berichten türkischer Medien zufolge stürzte der Jet in syrischen Hoheitsgewässern ab, man habe einen Sitz und einen Fallschirm in der Nähe der Maschine gefunden. Dagegen meldete die Zeitung "Hürriyet", das Flugzeug sei in internationalen Gewässern abgestürzt.

Unklarheit auch über das Überleben der Besatzung

Auch über die beiden Besatzungsmitglieder herrscht weiterhin Rätselraten: Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf die türkische Zeitung "Habertürk", dass Erdogan bestätigt habe, dass die beiden Piloten des Kampfjets am Leben seien. In der aktuellen Stellungnahme Erdogans und anderen Quellen, war diese Aussage nicht zu finden.

Das Verhältnis zwischen der Führung in Damaskus und der türkischen Regierung, die mit den Gegnern von Präsident Baschar al-Assad sympathisiert, ist seit dem vergangenen Jahr sehr angespannt. Die syrischen Deserteure unterhalten ein Lager in der Türkei.

lei/dpa/dapd



insgesamt 51 Beiträge
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pikeaway 22.06.2012
1. Auf die Prioritäten kommt es an!
Zitat von sysopAFPSeit Freitagmorgen wird vor der syrischen Küste ein türkischer Militärjet vermisst. Und noch immer ist unklar, was mit der Maschine geschehen ist. Wurde das Flugzeug abgeschossen? Haben die Piloten überlebt? Auch der türkische Premier Erdogan gibt keinen Aufschluss http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840504,00.html
Erdogan sucht nach einem Flugzeug. Und Kofi Annan sucht nach einer Friedenslösung. Warum interessiert sich SPON nicht für das Letztere. Schiffe, Flugzeuge, aber kein Bericht vom UN- Sicherheitsrat. Teamwork and "not opt for war".
Stawrogin aus Berlin 22.06.2012
2. Ganz einfach
Zitat von sysopAFPSeit Freitagmorgen wird vor der syrischen Küste ein türkischer Militärjet vermisst. Und noch immer ist unklar, was mit der Maschine geschehen ist. Wurde das Flugzeug abgeschossen? Haben die Piloten überlebt? Auch der türkische Premier Erdogan gibt keinen Aufschluss http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840504,00.html
Die Piloten haben überlebt und politisches Asyl in Syrien beantragt. Ob der Tausch MiG-21 gegen F-4 so gut ist, mögen die älteren Flugzeugexperten bewerten. Aber Spaß beiseite: Dass die türkische Marine gemeinsam mit der syrischen Marine nach den Piloten sucht, ist doch ein Zeichen dafür, dass in der Region noch nicht Hopfen und Malz verloren ist.
johnny01 22.06.2012
3. Bündnisfall ist eingetreten
Darauf haben wir seit vielen Monaten gewartet. Der Abschuss des türkischen Kampfjets ist ein klarer Bündnisfall - Angriff auf einen NATO-Partner. Nun hat die NATO die juristische Legitimation in Syrien einzugreifen, um den Völkermord zu beenden. Assad ist nicht nur ein skupelloser Mörger, sondern auch noch politisch naiv. Er glaubt, es mit der ganzen Welt aufnehmen zu können. Da hat er sich getäucht. Wenn nicht heute der Bündnisfall definiert wird, dann wird es in naher Zukunft eine andere Gelegenheit geben in Syrien zu intervenieren und den wehrlosen Menschen Hilfe zu leisten. Assad wird schon dafür sorgen!!
FidelCastor2 23.06.2012
4. Kriegsgrund - Bündnisfall
Zitat von sysopAFPSeit Freitagmorgen wird vor der syrischen Küste ein türkischer Militärjet vermisst. Und noch immer ist unklar, was mit der Maschine geschehen ist. Wurde das Flugzeug abgeschossen? Haben die Piloten überlebt? Auch der türkische Premier Erdogan gibt keinen Aufschluss http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840504,00.html
Ob das von syrischer Seite wirklich so gut überlegt war. Zumindest stehen der Nato damit "formale" Optionen offen die man vor ein paar Stunden nicht für möglich gehalten hat. Oder gibt es da auch einen Passus der Unverhältnismäßigkeit?? Ich kenne mich da nicht so gut aus.
lmao 23.06.2012
5. Kein Wunder ...
... wenn man heutzutage noch mit einer F-4 unterwegs ist, muss man davon ausgehen, dass man mit jeder Steinschleuder abgeschossen werden kann.
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