Krieg in Syrien Erdogan nennt Israels Luftschläge inakzeptabel

Der türkische Premier mischt sich in den Konflikt zwischen Israel und Syrien ein. Recep Tayyip Erdogan verurteilte die israelischen Luftangriffe nahe Damaskus scharf, sie nützten nur dem Assad-Regime. Für den Einsatz gebe es "keine vernünftige Erklärung, keine Ausrede".

Türkischer Premier Erdogan: "Diese Angriffe sind inakzeptabel"
AFP

Türkischer Premier Erdogan: "Diese Angriffe sind inakzeptabel"


Hamburg - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die jüngsten israelischen Luftangriffe auf Ziele in Syrien als "inakzeptabel" kritisiert. Diese Luftschläge seien "unter keinen Umständen gerechtfertigt" und stärkten nur das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, sagte Erdogan am Dienstag in einer Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP in Ankara. Assad instrumentalisiere den israelischen Angriff, um von einem Massaker der syrischen Regierungskräfte an Zivilisten in der Stadt Banias abzulenken, so Erdogan. "Es gibt keine vernünftige Erklärung, keine Ausrede, die diesen Einsatz rechtfertigen kann."

Israel hatte am Wochenende zweimal binnen 48 Stunden Ziele in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Damit sollten nach Angaben aus israelischen Regierungskreisen Waffen für die Hisbollah-Miliz im Libanon zerstört werden.

Erdogan gehört zu den schärfsten Kritikern Syriens auf der internationalen Bühne. Schon wenige Monate nach Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime vor zwei Jahren, hatte der türkische Premier den syrischen Staatschef zum Rücktritt aufgefordert. Desertierte Generäle aus den Reihen der syrischen Armee haben in der Türkei Zuflucht gefunden, die Exil-Opposition trifft sich regelmäßig in Istanbul und Ankara.

Erdogan will nach Gaza reisen

Doch auch das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel hat sich in den vergangenen Jahren abgekühlt. Erdogan kritisiert die israelische Politik gegenüber den Palästinensern scharf und hat die Kontakte zwischen Ankara und der Hamas im Gaza-Streifen intensiviert. Im Mai 2010 griff ein Kommando der israelischen Armee das Schiff "Mavi Marmara" an, das Hilfsgüter in den abgeriegelten Gaza-Streifen bringen wollte. Bei der Erstürmung wurden neun türkische Staatsbürger getötet.

Vor kurzem hatte sich die israelische Regierung offiziell für den Vorfall entschuldigt. Nach Angaben aus Ankara und Jerusalem steht eine Einigung auf eine Vereinbarung für israelische Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Opfer kurz bevor. Nach türkischen Presseberichten soll die Abmachung noch vor einem Besuch Erdogans in den USA am 16. Mai unter Dach und Fach gebracht werden. Seine erneute Kritik am Vorgehen der Regierung Netanjahu könnte die Einigung nun wieder gefährden.

Unklar ist bisher auch, wie die Vereinbarung mit der türkischen Forderung nach einer Aufhebung der Blockade des Gaza-Streifens umgehen wird. Erdogan will noch in diesem Monat den von der Hamas regierten Gaza-Streifen besuchen. Israel lehnt eine Aufhebung der Blockade ab.

syd/AFP/AP

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