Fotostrecke

Geiselnahme in Tunesien: Neun Verdächtige festgenommen

Foto: Christophe Ena/ AP/dpa

Terror in Tunis Zwei Spanier überlebten Anschlag in Versteck

Die Attentäter von Tunis waren offenbar Einheimische. Zwei spanische Urlauber überlebten den Angriff in einem Versteck - sie wurden erst heute Morgen entdeckt. Das Auswärtige Amt teilte mit: Deutsche Opfer gab es nicht, anders als zunächst gemeldet.

Tunis - Bewaffnete Angreifer haben am Mittwoch das Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt gestürmt und 23 Menschen getötet, darunter 20 Touristen. Nun haben die Behörden vor Ort die beiden getöteten Attentäter identifiziert. Es handele sich vermutlich um Einheimische, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Tunis.

Lokalen Medienberichten zufolge haben tunesische Sicherheitskräfte neun Verdächtige festgenommen. Demnach habe das tunesische Präsidialamt gemeldet, dass vier von ihnen in direkter Verbindung zu der Tat stünden. Fünf weitere Verdächtige sollen Kontakt zu ihnen gehabt haben.

Nach Angaben von Regierungschef Habib Essid fahnden die Ermittler nach zwei bis drei Komplizen. Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Unklar ist, ob die Attentäter in Verbindung mit Terrorgruppen standen.

Unter den Opfern des Terroranschlags waren 20 Touristen. Die tunesische Regierung gab zunächst an, dass auch ein Deutscher unter den Opfern war. Das Auswärtige Amt widersprach den Angaben am Donnerstag jedoch: "Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind", sagte ein Sprecher. Nach Angaben der Regierungen in Rom, Tokio und Warschau starben vier Italiener, drei Japaner und zwei Polen. Dem polnischen Außenministerium zufolge werden zwei weitere Staatsbürger vermisst.

Zwei Spanier sind dem Anschlag entkommen: Die Touristen harrten stundenlang in einem Versteck aus und wurden erst am Donnerstagmorgen in dem Museum gefunden. Ein Mitarbeiter hatte sie dort versteckt, sagte ein Vertreter des Zivilschutzes der Nachrichtenagentur AFP. Die beiden Spanier und der Mitarbeiter seien für eine Routineuntersuchung ins Krankenhaus gebracht worden.

Einer der Überlebenden, der Bürgermeister der spanischen Kleinstadt Vallmoll Josep Lluís Cusidó,berichtete "El País"  von dem Attentat: "Es ging alles sehr schnell. Die Attentäter hörten nicht auf zu schießen."

Er war mit seiner Frau auf einer Kreuzfahrt. Der schlimmste Moment sei gewesen, als er seine Frau aus den Augen verlor: "Eine Tunesierin hat sie mit sich gerissen und in den Keller des Museums gebracht. Ich wusste nichts von ihr, bis wir uns auf dem Schiff wieder trafen." Sie seien sich in die Arme gefallen, alle auf dem Schiff hätten applaudiert. "Heute sind wir erneut geboren", sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Tunesien in ihrer Regierungserklärung weitere deutsche Unterstützung versprochen. "Wir werden alles tun, was in unserer Kraft steht, um Tunesien zu helfen", sagte Merkel. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (ebenfalls CDU) mahnte auch in Deutschland zu Vorsicht. "Der Terrorismus kann überall zuschlagen", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". "Auch wir haben rückkehrende Kämpfer. Wir sind wachsam. Ausschließen kann man so etwas nicht."

vek/kry/Reuters/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.