Terror in Tunesien Auswärtiges Amt rechnet mit deutschen Opfern

Bei dem schweren Terroranschlag in Tunesien sind vermutlich auch deutsche Touristen umgekommen, davon geht nun auch das Auswärtige Amt aus. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis es Gewissheit gebe.


Die Bundesregierung schließt nicht aus, dass Deutsche unter den Opfern des Anschlags auf ein Hotel in Tunesien sind. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Freitagabend in Berlin. "Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist", fügte sie hinzu.

Insgesamt gab es bei dem Angriff in dem Badeort Sousse nach neuesten Angaben mindestens 37 Tote und 36 Verletzte. Das tunesische Gesundheitsministerium hatte bereits kurz nach Bekanntwerden der Attentate erklärt, dass sich auch Deutsche unter den Opfern befänden. Der Reiseveranstalter TUI hat nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse, ob deutsche Urlauber betroffen sind.

Unterdessen bestätigte der britische Außenminister Philip Hammond, dass unter den Opfern mindestens fünf Briten seien. Da der Touristenort von vielen Briten besucht werde, sei es sehr wahrscheinlich, dass weitere britische Staatsbürger unter den Toten seien, fügte Hammond hinzu.

Das ganze Ausmaß der Tat stehe noch nicht fest, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Er sprach von einem "feigen Mordanschlag gegen Touristen", den Angehörigen sprach er sein "tief empfundenes Mitgefühl aus".

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Terror in Tunesien: Unbekannte Täter greifen Hotels in Sousse an

Auswärtiges Amt richtet Krisenstab ein

Laut einem Sprecher des Auswärtigen Amts wurde ein Krisenstab eingerichtet. "Die Botschaft in Tunis bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung", so der Sprecher. Die deutsche Botschaft in Tunesien riet allen Staatsbürgern in einer E-Mail, die Umgebung des Tatorts zu meiden.

Der genaue Tatverlauf ist noch unklar: Lokale Medien meldeten unter Berufung auf Augenzeugen, zwei Terroristen seien von der Strandseite aus auf das Hotelgelände vorgedrungen. Einer habe plötzlich aus einem zusammengefalteten Sonnenschirm ein Sturmgewehr hervorgeholt und auf Menschen geschossen, die am Strand lagen.

Bei der Schießerei töteten Sicherheitskräfte einen der Angreifer. Er sei Tunesier, hieß es aus Sicherheitskreisen. Ein zweiter Angreifer wurde festgenommen.

Sousse ist die drittgrößte Stadt Tunesiens und liegt 130 Kilometer südlich von Tunis. Sie ist neben Djerba und Hammamet das beliebteste Urlaubsziel europäischer Touristen in dem Land. Insgesamt verfügt die Stadt über rund 40.000 Gästebetten. Im Oktober 2013 war bereits ein Strandhotel Ziel eines fehlgeschlagenen Selbstmordanschlags.

loe/dpa/AFP/Reuters

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