Nach Doppelanschlag in Tunesien Tatverdächtiger stirbt bei Festnahme

Nach den Anschlägen von vergangener Woche in Tunesiens Hauptstadt Tunis ist ein Tatverdächtiger getötet worden. Sicherheitskräfte hätten den Mann verfolgt, dann habe er einen Sprengsatz gezündet, teilten die Behörden mit.

Riadh Dridi/AP

Bei zwei Anschlägen in Tunesiens Hauptstadt Tunis ist in der vergangenen Woche ein Mensch ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden verletzt. Bei dem Versuch der Festnahme ist nun auch ein dringend Tatverdächtiger getötet worden. Sicherheitskräfte hätten den gesuchten 23-Jährigen in einem Wohnviertel zunächst verfolgt, teilte das tunesische Innenministerium mit. Dabei habe er einen Sprengsatz gezündet, sagte ein Ministeriumssprecher dem Fernsehsender Watanija. Ob der Mann in Verbindung zu den Selbstmordanschlägen vom vergangenen Donnerstag stand, blieb zunächst unklar.

Lokale Medien berichteten, der mutmaßliche Terrorist habe in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle eine Sprengstoffweste gezündet, um sich der Festnahme zu entziehen. Er sei dabei getötet worden. Weitere Opfer habe es nicht gegeben, bestätigte das Innenministerium.

Am vergangenen Donnerstag waren kurz hintereinander zwei Sprengsätze in der Innenstadt von Tunis explodiert. Ein Attentäter und ein Polizist starben, acht Menschen wurden verletzt. Nach dem mutmaßlichen zweiten Angreifer hatten die Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen gesucht. Die Anschläge galten offenbar gezielt tunesischen Sicherheitskräften.

Der erste Anschlag ereignete im Stadtzentrum nahe der französischen Botschaft und der historischen Altstadt, ein zweiter Attentäter sprengte sich nahe einer Polizeistation im Stadtteil Al-Gorjani in die Luft.

Geschätzt 3000 Tunesier haben sich radikalislamischen Gruppen angeschlossen

Tunesien ist eine der wenigen Demokratien in der Region, in der nach den Revolutionen 2011 kein Bürgerkrieg oder großflächige Unruhen entstanden. Doch mit dem Sturz des Langzeitherrschers Zine el-Abidine Ben Ali während des arabischen Frühlings gewannen auch islamistische Kräfte im Land neue Stärke. Geschätzte 3000 Tunesier sollen sich dem "Islamischen Staat" (IS) oder anderen dschihadistischen Gruppierungen im Irak, in Syrien und Libyen angeschlossen haben.

Nach schweren Anschlägen im Jahr 2015 hatte sich die Sicherheitslage in dem bei Touristen beliebten Land wieder verbessert. Im vergangenen Jahr kamen auch wieder mehr Reisende in das nordafrikanische Land. Europäische Länder lockerten ihre Reisehinweise. In diesem Jahr finden in Tunesien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt.

Im März 2015 waren mehr als 20 Menschen während einer Geiselnahme im Nationalmuseum Bardo in Tunis getötet worden. Im tunesischen Urlaubsort Sousse erschoss ein IS-Attentäter im Juni desselben Jahres 38 Menschen.

asc/dpa/AFP



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