Nabil Karoui Tunesischer Präsidentschaftskandidat festgenommen

In Tunesien ist der Präsidentschaftskandidat Nabil Karoui inhaftiert worden. Der einflussreiche Medienunternehmer soll Geld gewaschen und Steuern hinterzogen haben.

Medienunternehmer und Präsidentschaftskandidat Nabil Karoui in Tunis
REUTERS

Medienunternehmer und Präsidentschaftskandidat Nabil Karoui in Tunis


Einen Monat vor der Präsidentschaftswahl in Tunesien ist einer der Favoriten auf das Amt in Haft genommen worden: Nabil Karoui sei auf Grundlage eines gerichtlichen Haftbefehls in ein Gefängnis nahe Tunis gebracht worden, teilte das tunesische Innenministerium mit.

Gegen den Medienunternehmer und dessen Bruder wird wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung ermittelt.

Ein Sprecher von Karouis Qalb-Tounes-Partei erklärte, die Festnahme am Freitagabend habe eher einer Entführung geglichen und an "faschistische Praktiken" erinnert. Mehr als ein Dutzend Polizeiautos hätten Karouis Wagen den Weg versperrt, Beamte in Zivil hätten ihn dann abgeführt.

Medienaufsicht zensiert Wahlberichterstattung

Die Medienaufsicht und die Wahlbehörde erteilten derweil drei Fernsehsendern ein Verbot, weiter über den Präsidentschaftswahlkampf zu berichten. Betroffen ist auch Karouis Fernsehsender Nessma TV. Zur Begründung hieß es, die Sender sendeten illegal und ohne Lizenz.

Umfragen sehen Karoui als einen der Favoriten für die vorgezogene Präsidentschaftswahl Mitte September. Der 56-jährige Medienunternehmer - auch "der tunesische Berlusconi" genannt - hatte sich aus einer Außenseiterrolle ins politische Rampenlicht gedrängt.

In den vergangenen Jahren baute er sich einen Ruf als Wohltäter auf, indem er vor den Kameras seines Senders Nessma TV Elektrogeräte und andere Güter an Arme verteilte. Der Sender strahlte bislang täglich eine Sendung aus, die Karoui im Einsatz für die Ärmsten der Armen zeigt.

Das Parlament hatte im Juni eine Änderung des Wahlgesetzes beschlossen, die Kandidaten von der Wahl ausschließen sollte, die im Jahr vor der Wahl "Gefälligkeiten in Form von Geld oder jeglicher Art" an die Bürger verteilen. Die Änderung trat jedoch nicht in Kraft, da Präsident Béji Caïd Essebsi sie vor seinem Tod am 25. Juli nicht unterzeichnete.

Die ursprünglich für November angesetzte Präsidentschaftswahl war nach dem Tod von Präsident Essebsi Ende Juli auf den 15. September vorgezogen worden. Fast hundert Kandidaten wollen antreten, die Wahlkommission des nordafrikanischen Landes hat bisher allerdings nur 26 Namen bestätigt. Am 31. August will sie bekannt geben, welche Kandidaten für die Präsidentschaftswahl zugelassen werden.

ala/AFP



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