Nach Rettungsaktion Tunesien verwehrt Boot mit Flüchtlingen Zugang zu Hafen

Die "Maridive 601" möchte in Tunesien anlegen, doch das Land lehnt ab. Das ägyptische Schiff hatte Ende Mai 75 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet, einige von ihnen sind krank.

Flüchtlinge an Bord der "Maridive 601"
Privat

Flüchtlinge an Bord der "Maridive 601"


Tunesien verweigert einem ägyptischen Schiff, das vor rund zehn Tagen im Mittelmeer 75 Flüchtlinge aufgenommen hat, noch immer das Anlegen. Das erklärte die Hilfsorganisation Roter Halbmond. Ein Vertreter des tunesischen Innenministeriums sagte, die Flüchtlinge wollten "von einem europäischen Land" aufgenommen werden.

Das ägyptische Schiff "Maridive 601" hatte die Flüchtlinge Ende Mai vor der tunesischen Küste in internationalen Gewässern gerettet. Sie waren in Libyen gestartet und hatten versucht, nach Europa zu gelangen. Ein Team des Roten Halbmonds hat Hilfsgüter auf das Schiff geliefert, einige der Flüchtlinge sind krank.

Flüchtlinge an Bord der "Maridive 601"
Privat

Flüchtlinge an Bord der "Maridive 601"

Der Kapitän bat die tunesischen Behörden bereits vor mehreren Tagen, im Hafen von Zarzis anlegen zu dürfen. Bislang wird ihm das verwehrt.

Jeder 15. stirbt auf der Route zwischen Libyen und Europa

Zahlreiche Flüchtlinge versuchen von Libyen aus, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Bei der gefährlichen Überfahrt kommt es immer wieder zu Todesfällen. Der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen zufolge ertranken 2018 im zentralen Mittelmeer im Schnitt sechs Menschen pro Tag beim Versuch, das Meer zu überqueren. Auf der Route zwischen Libyen und Europa kostete der Fluchtversuch laut einem Report jeden 15. das Leben.

Ein Grund dafür ist dem Bericht zufolge die zurückgefahrene Seenotrettung. Italien etwa hat sie weitestgehend eingestellt und wehrt sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Im Mai hatte das Land ein Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch vorübergehend beschlagnahmt.

Angesichts der Lage im Mittelmeer forderten im April mehr als 200 Bundestagsabgeordnete, ein europäisch organisiertes und finanziertes ziviles Seenotrettungssystem aufzubauen.

"Die Bundesregierung muss sich, notfalls mit einer Koalition williger EU-Mitgliedstaaten, für einen an humanitären und rechtsstaatlichen Grundsätzen ausgerichteten Verteilmechanismus von allen aus Seenot geretteten Menschen einsetzen", heißt es in dem Aufruf. Den Geretteten dürfe "der Zugang zu einem fairen Asylverfahren nicht verwehrt werden".

irb/AFP

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