Verbotener Kongress Dschihadisten attackieren Tunesiens Polizei

Die tunesische Regierung hat das Jahrestreffen der Ansar al-Scharia verboten. Jetzt wollen es die Dschihadisten mit Gewalt durchsetzen. In mehreren Städten lieferten sie sich brutale Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Tunis/Berlin - Die in Tunesien regierende Ennahda-Partei ist selbst islamistisch. Bislang ließ sie die Radikalen im Land mehr oder weniger unbehelligt gewähren. Doch inzwischen haben die Anhänger der Salafisten-Bewegung Ansar al-Scharia eine solche Stärke erreicht, dass sie für die Regierung zur Gefahr werden. Am Sonntag kam es nun zum Zusammenprall zwischen der Staatsgewalt und den Extremisten. Zusammenstöße gab es sowohl in der Hauptstadt Tunis als auch in der Stadt Kairouan, 150 Kilometer südlich.

Anlass für den Ausbruch an Gewalt ist ein geplantes Jahrestreffen der Salafisten in Kairouan, das die Regierung jedoch untersagte. Das tunesische Innenministerium begründete den Schritt damit, dass Ansar al-Scharia zur Gewalt gegen den Staat aufgerufen habe und eine "Gefahr für die öffentliche Sicherheit" darstelle. Nachdem das Verbot bekannt geworden war, rief Ansar al-Scharia zu einem Treffen im Stadtteil Ettadhamen im Westen von Tunis auf.

"Wir fragen die Regierung nicht um Erlaubnis, wenn wir das Wort Gottes predigen wollen, und wir warnen vor jedem Polizeieinsatz, der unsere Konferenz verhindern soll", sagte Saifeddine Rais, ein Sprecher der Gruppe am Donnerstag. Wenn es zu Gewalt käme, sei allein der Staat daran schuld.

Hunderte Salafisten errichteten in Ettadhamen Straßensperren und warfen am Sonntag Steine auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas ein und feuerten Warnschüsse ab. Außer der Polizei waren auch Einheiten der Armee und der Nationalgarde im Einsatz.

Im Mai 2012 hatten sich bei dem Salafisten-Kongress über 5000 Teilnehmer unter dem schwarzen Banner von al-Qaida versammelt und riefen: "Obama, Obama, wir sind alle Osama", in Anspielung auf den von den USA getöteten Bin Laden.

Die erzkonservativen Salafisten haben seit der Revolution einen rasanten Aufstieg hinter sich. Besorgniserregend ist vor allem, dass ihr gewaltbereiter Teil, die Dschihadisten, an Bedeutung gewinnen. Ihnen wird der Mord an dem Oppositionspolitiker Chokri Belaïd zugeschrieben, der Tunesien schockierte. Mancherorts haben sich salafistische Milizen formiert. Zunehmend brutal werden die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Radikalen ausgetragen.

In den vergangenen Wochen hat die Regierung eine große Militäroffensive gegen Dschihadisten in den Bergen an der Grenze zu Algerien gestartet.

ler/AFP



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oromotofahrer 19.05.2013
1. Das sind doch
Heute da und morgen hier bei uns!
h3ld 19.05.2013
2.
Der Islam ist "friedlich" :D
neu_ab 19.05.2013
3.
Dschihadisten? Nö, ganz normaler Islam, wie überall dort, wo er die Mehrheit erreicht.
toskana2 19.05.2013
4. für was gut
Zitat von sysopREUTERSDie tunesische Regierung hat das Jahrestreffen der Ansar al-Scharia verboten. Jetzt wollen es die Dschihadisten mit Gewalt durchsetzen. In mehreren Städten lieferten sie sich brutale Auseinandersetzungen mit der Polizei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tunesische-dschihadisten-pruegeln-sich-mit-der-polizei-a-900739.html
Der Westen hat aus dem Irak-Krieg wenig gelernt. Man hat Saddam gestürzt und dafür das Chaos bekommen. In Syrien wird es noch dicker kommen. Denn es wird ganz anders schlimm kommen als in Tunesien heute der Fall ist, wenn Assad gestürzt wird. Wer hätte es gedacht: auch Diktatoren können mal für was gut sein -mangels Alternative!
slappy_hollow 19.05.2013
5.
Zitat von neu_abDschihadisten? Nö, ganz normaler Islam, wie überall dort, wo er die Mehrheit erreicht.
Genau, der Islam ist Schuld. Ignorieren wir die Länder, in denen der Islam friedlich praktiziert wird, ignorieren wir die Milliarden friedliebenden Moslems und suhlen uns in unserer selbstherrlichen, indifferenten Art, für die wir in der ganzen Welt berühmt sind...Dummheit und Ignoranz sind die Gründe für diese Gewalt, bezeichnenderweise findet man diese Eigenschaften unter Nicht-Moslems offenbar auch recht häufig.
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