Finnland nach der Attacke "Wir sind nicht länger eine Insel"

Der islamistische Terror hatte Finnland verschont - bis zum Freitag. Da stach ein junger Marokkaner in Turku auf zehn Menschen ein. Zwei Männer stellten sich dem Angreifer in den Weg.

Gedenken in Turku
MARKKU OJALA/ EPA/ REX/ Shutterstock

Gedenken in Turku

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"Wir sind nicht länger eine Insel", sagte der finnische Ministerpräsident Juha Sipilä am Samstag vor Journalisten. Wenn sich der Messerangriff in Turku tatsächlich als terroristischer Mord herausstelle - und danach sieht derzeit alles aus - wäre es der erste in Finnland.

Der Schock darüber ist dem Land anzumerken. "Natürlich wussten wir, dass es auch hier passieren kann", sagte eine 51-jährige Einwohnerin von Turku, die ihren Namen nicht veröffentlichen möchte, dem SPIEGEL am Telefon. "Trotzdem dachten wir, dass es nicht passieren würde. Dass wir weit genug weg seien."

Zwei Frauen starben und insgesamt acht Menschen wurden verletzt, als ein mutmaßlich 18-jähriger Marokkaner am Freitagnachmittag mit einem Messer durch die Innenstadt der hübschen Hafenstadt lief und Passanten niederstach. Am Samstag nahm die Polizei noch vier weitere Marokkaner fest, die eine Verbindung zum Tatverdächtigen haben sollen. Gegen einen fünften Verdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt.

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Messangriff in Finnland: Tatort Turku

Im Vergleich zum Anschlag in Barcelona am Tag zuvor und zu den Terrorattacken in Paris, Berlin und London, ist die Zahl der Opfer geringer. Doch es ist die Brutalität der Tat, die viele Finnen schockiert.

Flohmarktverkäuferin Larisa Kosner erzählte dem öffentlich-rechtlichen Sender YLE, wie der Täter auf dem Marktplatz eine Mutter niederstach, die dort mit ihrem Baby im Kinderwagen unterwegs war. "Die Frau schrie und versuchte, sich zu verteidigen und von dem Mann mit dem Messer wegzukommen", sagte Kosner.

Der Mann sei schließlich weitergerannt in Richtung Puutori, einem weiteren zentralen Platz. Während Rettungskräfte versucht hätten, die Frau wiederzubeleben, habe Kosner das Baby auf dem Arm gehalten und zu beruhigen versucht.

Rechtsextreme bilden sogenannte Bürgerpatrouillen

Dass der Täter offenbar ein Asylbewerber war, der erst im vergangenen Jahr nach Finnland gekommen war, wird ein zentraler Punkt bei der politischen Aufarbeitung des Verbrechens sein. Zwischen Anfang 2015 und März 2017 beantragten insgesamt etwa 39.000 Menschen in Finnland Asyl.

Die Stimmung gegen sie hat sich - wie in vielen anderen europäischen Ländern auch - in den vergangenen Monaten verändert. So hatte zum Beispiel Ministerpräsident Sipilä im September 2015 angekündigt, einige Flüchtlingsfamilien auf seinem Landsitz Kempele aufnehmen zu wollen, um auch andere Finnen dazu zu ermuntern, Verantwortung zu übernehmen.

Fünf Monate später nahm der Mitte-Rechts-Politiker den Plan zurück, nach einer "Neubewertung der Sicherheitslage". Fast zeitgleich bildeten Rechtsextremisten in mehreren Orten, die Flüchtlinge beherbergen, sogenannte Bürgerpatrouillen.

Im vergangenen September wurde ein junger Mann auf einer rechtsextremen Demo in Helsinki außerdem so heftig verprügelt, dass er später an seinen Verletzungen starb. Tausende hatten daraufhin in der Hauptstadt gegen Rassismus und Gewalt protestiert.

Video zum Messerangriff in Finnland:

Und so versucht Finnland nun, sich nicht weiter vereinnahmen zu lassen vom Hass auf Einwanderer. Finnische Medien berichteten am Wochenende vielfach darüber, dass nicht nur der Täter einen Migrationshintergrund hatte, sondern auch die beiden verletzten Männer, die ins Krankenhaus kamen.

Sie waren verletzt worden, als sie sich dem Angreifer, der es offenbar vor allem auf Frauen abgesehen hatte, in den Weg stellten. Unter anderem der grüne Politiker Ville Niinistö bedankte sich auf Twitter bei "Hasan und Hassan", einem Unternehmer aus Turku und einem Touristen aus Schweden, für ihren Mut.

Eine weitere Nutzerin schreibt: "Wir kennen den Namen des Angreifers nicht, der soll auch in Vergessenheit geraten." Aber die Namen von Hasan, Hassan und anderen Helfern, die sollten in Erinnerung bleiben.

Mitarbeit: Janita Hämäläinen



insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Europa! 19.08.2017
1. Tut endlich was!
"Asylbewerber aus Marokko" - angesichts der gehäuften islamistischen Terrorakte durch Marokkaner seit dem Mord an Theo Van Gogh (2004) sollte eine Einreisesperre und die sofortige Festsetzung und geheimdienstliche und polizeiliche Überprüfung aller illegal eingereisten Marokkaner erwogen werden. Die Chancen, als Asylbewerber anerkannt zu werden, sind für Marokkaner ohnehin sehr gering, während bis zu 40 % aller terroristischen Anschläge von Tätern mit marokkanischen Wurzeln ausgeführt werden. Die Einbürgerung von Marokkanern in EU-Staaten sollte bis auf weiteres ausgesetzt werden.
iconoclasm 19.08.2017
2.
In Surgut, Sibirien gab es heute einen vergleichbaren Anschlag.
Ostseeland 19.08.2017
3. Es gibt kein entkommen!
"Trotzdem dachten wir, dass es nicht passieren würde. Dass wir weit genug weg seien." Wann erkennen die Bürger der EU endlich, dass sie alle Ziele sind. Die Jagdscheine sind ausgestellt und wer die Beute ist steht fest. Ja es ist traurig und erschütternd wenn religiösverblendete Irre andere Menschen abschlachten wie Vieh. Eine Mutter mit Baby anzugreifen ist die letzte Stufe der menschlichen Fehlentwicklung. Meinetwegen kann Spon meine Meinung zensieren aber für mich sind das keine zivilisierte Menschen sondern Barbaren frei einer soziologischen Erziehung, ohne Unrechtsbewußtsein, ohne Empathie, ohne Wissen über die Regeln der Zivilisation. Integration? Ich gebs auf die müssen dahin wo sie herkommen und es sollte uns jedes Mittel recht sein das auch durchzuziehen damit nicht auch bei uns bald wieder Opfer von unserer Regierung "betrauert" werden müssen.
lupenreinerdemokrat 19.08.2017
4.
"Und so versucht Finnland nun, sich nicht weiter vereinnahmen zu lassen vom Hass auf Einwanderer. " Wird sich bei Teilen der Bevölkerung nicht vermeiden lassen, solange sich Teile der Einwanderer vom Hass auf die Einheimischen vereinnahmen lassen. Ob dieser Hass durch den IS als Strippenzieher kommt, oder ob er dadurch zustande kommt, dass der Frust wegen Perspektivlosigkeit sich in Hass verwandelt ist erst einmal sekundär. Tatsache ist erst einmal, dass die Zeiten bald zuende gehen werden, in denen sich die Bevölkerung Europas tatenlos massakrieren lässt und von den Aufrufen zu Liebe und Toleranz bald die Schnauze gestrichen voll haben. Entweder die gewählten Volksvertreter lassen bald erkennen, dass sie gewillt sind, etwas gegen die sich immer stärker ausbreitende Gefahr des islamistischen Terrors zu unternehmen - wie zum Beispiel rigorose Abschiebung von "Gefährdern" und bereits Vorbestraften, oder die Bürger werden nicht umhin kommen, ihre Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen.
zzipfel 19.08.2017
5. Langsam ists Zeit gegen die irre Religion des Islam etwas
zu unternehmen. Wenn diese Religion in einigen Interpretationen anrät, Leute die nicht einer bekloppten Religion anhängen, zu ermorden, dann ists höchste Zeit diese Religionen einzudämmen und zu verbieten. Das Recht der Religionsausübung ist nicht höherzustellen als das Recht auf unversehrtes Leben. Ich habe keine Religion und werde mir nicht von irgendwelchen bärtigen Hinterwäldlern irgedwelchen islamischen Hokuspokus aufzwängen lassen.
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