TV-Botschaft Gefangener Islamist bittet um Freilassung britischer Geisel

Um die Freilassung eines Briten zu erreichen, greift die Regierung in London jetzt zu ungewöhnlichen Mitteln: Sie erlaubte einem Islamisten eine TV-Botschaft an die Geiselnehmer eines Briten im Irak zu richten. Abu Katada sprach direkt aus seiner Gefängniszelle.


London - Der im Hochsicherheitsgefängnis in Full Sutton nahe York einsitzende Jordanier rief die Entführer auf, die vier im Irak verschleppten Mitglieder einer christlichen Hilfsorganisation freizulassen. Der auf Video aufgezeichnete Appell des Geistlichen Abu Katada an die Entführer-Gruppe wurde von den arabischen Sendern al-Dschasira und al-Arabija ausgestrahlt. Die Geiseln sind in der Gewalt einer Gruppe, die sich "Schwerter der Wahrheit" nennt.

Abu Katada: Botschaft an die Geiselnehmer
REUTERS

Abu Katada: Botschaft an die Geiselnehmer

Der Islamist appellierte an das Mitgefühl der Geiselnehmer und sprach davon, dass Barmherzigkeit eine der Prinzipien des Islams sei: "Ich rufe meine Brüder dazu auf, die Geiseln unserem religiösen Prinzip der Barmherzigkeit entsprechend freizulassen", sagte Katada in arabischer Sprache. Geheimdiensten zufolge gilt Katada als "geistiger Botschafter" von Terroristenführer Osama Bin Laden in Europa.

Der britische Außenminister Jack Straw forderte die Entführer auf, sich mit der Regierung in London in Verbindung zu setzen. "Wenn sie in Kontakt mit uns treten wollen, sind wir gespannt, was sie zu sagen haben", sagte Straw im Rundfunksender BBC. Den 74-jährigen Briten Norman Kember, die beiden Kanadier Harmeet Singh Sooden, 32, und James Loney, 41, sowie der Amerikaner Tom Fox, 54, bezeichnete Straw als "Kämpfer für den Frieden". Er forderte die Entführer auf, die vier Männer unverzüglich freizulassen. Straw hatte zuvor klargestellt, dass seine Regierung nicht gewillt sei, auf die Forderung der Entführer einzugehen und die unverzügliche Freilassung der Entführten gefordert.

Die Entführer hatten ihr Ultimatum zur Tötung der Geiseln zuvor verlängert. Wie al-Dschasira in der Nacht berichtete, gaben sie den Regierungen in London, Washington und Ottawa bis kommenden Samstag Zeit, ihre Forderungen zu erfüllen. Ursprünglich hatten sie damit gedroht, die vier Geiseln heute zu töten, sollten die ausländischen Soldaten nicht aus dem Irak abgezogen und alle irakischen Gefangenen freigelassen werden.

Im Entführungsfall der Deutschen Susanne Osthoff und ihres Fahrers im Irak gibt es weiterhin keine neue Entwicklung. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes arbeite rund um die Uhr, sagte eine Ministeriumssprecherin heute in Berlin. Die Bemühungen würden unvermindert und intensiv fortgesetzt. Die 43-jährige Osthoff war vor 13 Tagen, am 25. November, bei einer Überlandfahrt von Bagdad nach Arbil im Nordirak von Unbekannten verschleppt worden. Die Entführer fordern von der Bundesregierung, die Zusammenarbeit mit dem Irak einzustellen.

Gestern hatte sich auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einem von al-Dschasira ausgestrahlten Appell an die Entführer gewandt und die Freilassung der beiden Geiseln gefordert. Dabei verwies er auf das engagierte Eintreten Osthoffs für die Menschen im Irak. "Erkennen Sie dies an und erweisen Sie Ihrerseits Menschlichkeit und Respekt vor ihrem Leben."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.