TV-Debatte der Demokraten Clinton knöpft sich die Jungs vor

Hillary Clinton kann es noch. Als sie kürzlich in einer TV-Debatte schwächelte, witterten US-Experten eine Wende im Rennen der demokratischen Präsidentschaftsbewerber. Barack Obama schien aufzuholen. Jetzt trafen die Rivalen in Las Vegas aufeinander - und Clinton schlug zurück.

Von , Washington


Washington - Hillary Clinton weiß, dass sie ein gutes Blatt hat. Die Moderatorin setzt gerade zu einer verschachtelten Frage an: Hillary habe neulich den Eindruck erweckt, die anderen Kandidaten würden sie nur kritisieren, weil sie eine Frau sei. Lange bevor die Frage zu Ende ist, lächelt Clinton schon breit. "Ich werde hier in Las Vegas nicht die Frauen-Karte spielen", beginnt sie. Dann spielt sie lieber genüsslich ihre Trumpfkarte. "Ich weiß, dass sie mich nicht attackieren, weil ich eine Frau bin. Sondern weil ich vorne liege."

Präsidentschaftsbewerberin Clinton: "Ich werde hier in Las Vegas nicht die Frauen-Karte spielen"
AP

Präsidentschaftsbewerberin Clinton: "Ich werde hier in Las Vegas nicht die Frauen-Karte spielen"

Jackpot geknackt. Ihre Unterstützer in der Halle kreischen, vor allem die Frauen. "Das war vielleicht der beste Satz dieser Debatte", sagt der ehemalige Reagan-Berater David Gergen nach der CNN-Debatte anerkennend. Bei der stand für Clinton viel auf dem Spiel. Vor zwei Wochen wirkte Clinton bei der letzten Demokraten-Debatte in Philadelphia erstmals wenig präsidial.

Barrack Obama und John Edwards, ihre wichtigsten Konkurrenten in den Umfragen, hatten sie erbarmungslos von beiden Seiten in die Zange genommen - und Clinton schien müde, fahrig, ausweichend in ihren Antworten. "Ich war nicht so gut in Form", sagte sie selbst in Interviews danach. Und plötzlich spielte es gar keine Rolle mehr, dass diese TV-Debatten derzeit noch nur von einer verschwindenden Minderheit der Amerikaner wahrgenommen werden. Die Journalisten, die Berater, die Armada der Politik-Junkies witterten einen Wendepunkt im langweilig gewordenen Bewerberstreit. Auf einmal war es ein Thema, ob Hillary vielleicht doch zu polarisierend ist. Ob ihr Wahlkampf unsympathisch perfektionistisch ist.

Hellwach auf der Bühne

Sogar Ehemann Bill - sonst unantastbare graue Eminenz der Demokraten - musste sich Kritik gefallen lassen. Weil er über Hillarys sechs männliche Rivalen sagte, die "boys" seien ein bisschen zu hart mit seiner Frau umgesprungen. Das fanden viele herablassend, einige gar rassistisch gegenüber dem dunkelhäutigen Obama: Afro-Amerikaner hießen im rassistischen Süden der USA lange einfach "boys". Unterdessen schien Obama zu der Form zurückzufinden, die ihn vor vier Jahren zu einem Rockstar des Politikbetriebs werden ließ. Er hielt fulminante Reden in Iowa - und neue Umfragen bescheinigten ihm, weniger wie ein berechnender Politiker zu klingen als Clinton.

Also ist Hillary Clinton auf der Bühne der University of Las Vegas von der ersten Minute an hellwach. Sie weicht nicht der ersten Frage aus - die lautet, ob sie Fragen ausweiche. "Die Amerikaner wissen ja, wofür ich seit 35 Jahren stehe", antwortet sie mit fester Stimme. Und leitet gleich zu einem Seitenhieb gegen Obama direkt neben ihr über. "Die Amerikaner wollen einen Präsidenten mit Erfahrung", sagt Clinton. "Einen, der vom ersten Tag im Oval Office führen kann." Die Erfahrungs-Karte! Obama sprechen genau die viele ab. Der versucht seinen Trumpf eines echten Neuanfangs entgegenzustellen. "Die Amerikaner wollen klare Antworten auf schwierige Fragen. Es hat aber nach der letzten Debatte zwei Wochen gedauert, um eine klare Antwort von Hillary zu bekommen." Konter Clinton: Obama mache doch selber wenig ausgereifte Vorschläge, etwa zur Gesundheitsreform.

Schrille 20 Minuten

Auf einmal reden beide gleichzeitig, und versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Und dann steigt noch John Edwards ein, der in den vergangenen Wochen Clinton am heftigsten attackiert hatte. Er findet auch jetzt die schärfsten Worte: Sie unterstütze das korrupte System in Washington. Worauf Hillary Clinton wieder nach dem Wort ruft: "Ich bin persönlich attackiert worden, ich muss mich wehren." Man dürfe sie ja gerne kritisieren - aber unter Parteifreunden, lieber John Edwards, solle man doch bitte keine Schlammschlacht starten.

Nur knapp 20 Minuten dauert das alles. Es ist eine ziemlich schrille Vorstellung. Es sind aber vielleicht auch die wichtigsten 20 Minuten des bisherigen Wettstreits unter den Demokraten. Am Ende des wilden Schlagabtausches schaut Barack Obama bereits erschöpft, ja leicht irritiert. Und John Edwards knipst zwar weiter sein berühmtes Haifischlächeln an, doch es wirkt schwer angeschlagen. Als er erneut Clinton unterstellt, die kümmere sich nur um sich selbst, nicht um Amerika, erntet er sogar Buhs von den Zuhörern. Vor vier Jahren verkörperte Edwards als Vizepräsidentschaftskandidat noch den Charme des Südens - jetzt wirkt er einfach nur noch zornig. So zornig, dass ihn sein Mitbewerber Chris Dodd gar fragt, ob er noch dieselbe Person sei. Amerikaner mögen keine zornigen Kandidaten.



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