TV-Debatte der US-Republikaner Zwergenaufstand

Er hatte eigentlich nichts zu verlieren: Als klarer Favorit zog Großmaul Donald Trump in die zweite TV-Debatte der US-Republikaner. Doch es kam alles ganz anders - der Auftritt könnte den Anfang vom Ende Trumps politischer Karriere markieren.

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Von , New York


Besserung hatte er gelobt. Ein seriöser Kandidat wolle er fortan sein, kein TV-Clown mehr: Das Gepolter, ja, das könnte er "ein bisschen runterschrauben", hatte Donald Trump angekündigt. "Wenn dich jemand schlägt, dann kannst du etwas weniger hart zurückschlagen."

Und genauso geschah es dann auch. Bei der zweiten Fernsehdebatte der US-Republikaner hielt sich der bisherige Spitzenreiter spürbar zurück mit seinen Plumpheiten - selbst im Sperrfeuer der anderen.

Doch der Effekt war kaum der, den sich der Multimilliardär erhofft hatte: Statt vom Bulldozer zum Staatsmann zu mutieren, verschwand Trump förmlich von der Bühne. Mehr als drei Stunden zog sich dieser Schlagabtausch dahin, und mit jeder Minute war weniger zu hören von dem Mann, der zuvor alle übertönt hat mit seiner maßlosen Egomanie.

Ronald Reagan Library, Kalifornien, 16. September 2015: Dies war der Wendepunkt, an dem das Phänomen Trump zu schrumpfen begann. An dem sich offenbarte: Außer Bombast hat er wenig zu bieten.

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Trump bei TV-Debatte: Tätscheln, grinsen, Selfie machen
Die Grenzen des typischen Chauvinismus

Dabei hatten sich viele doch so sehr auf das große Duell gefreut. Besser gesagt: auf mehrere große Duelle.

Das Duell zwischen Trump und Carly Fiorina, der Ex-Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), die Trump mit typischem Chauvinismus beleidigt hatte: "Guckt euch nur dieses Gesicht an!"

Das Duell zwischen Trump und Ben Carson, dem pensionierten Neurochirurgen, der in den Umfragen plötzlich rasant aufholt als "der andere", mildere Outsider, der piesakt, ohne böswillig zu verletzen.

Das Duell zwischen Trump und Jeb Bush, dem strauchelnden Erben einer Polit-Dynastie, den Trump über Nacht vom Favoriten zum Flop abgekanzelt hatte, ohne sich dabei überhaupt anstrengen zu müssen.

Diese Duelle fanden irgendwie auch alle statt, doch als kurz-knallharte Scharmützel, bei denen Trump stets den Kürzeren zog. Doch als es um die schweren Themen ging, um Iran und den "Islamischen Staat", illegale Einwanderung und Obamacare, Homo-Ehe und Waffenwahn, fand sich Trump ausgebremst, ausmanövriert, ausargumentiert und mundtot gemacht von seinen zehn bestens präparierten Parteirivalen.

Das Ergebnis: Diese Debatte hatte mehrere Sieger - doch nur einen Verlierer.

Was nicht heißen soll, dass dabei allzu schlüssige, sensible, ernsthaft vertretbare Politik propagiert wurde. Im Gegenteil: Der gesamte Weltuntergangsradikalismus der Republikaner stand hier zur Schau.

Trump wirkte mickrig, gedrungen - und auffallend rot

Ex-Gouverneur und Baptistenprediger Mike Huckabee warnte vor der "Kriminalisierung" des Christentums durch heiratende Homosexuelle. Tea-Party-Senator Ted Cruz warf Abtreibungsärzten vor, "Körperteile ungeborener Kinder für Profit zu verkaufen". Kollege Marco Rubio negierte den Klimawandel mit den Worten: "Amerika ist kein Planet."

Doch zurück zu Trump. In die Mitte hatte die CNN-Regie ihn gestellt, gemäß seiner Top-Umfrageposition. Doch vor Reagans riesigem Regierungsjumbo Air Force One, klaustrophobisch eng flankiert vom schlaksigen Bush und dem Schwarzen Carson, wirkte der eigentlich hochgeschossene Trump mickrig, gedrungen - und auffallend rot.

Trump = Quoten: Das wusste CNN natürlich. Moderator Jake Tapper gab sich alle Mühe, diverse Trump-Fehden anzustacheln, die die erste TV-Debatte, bei der Trump unter alle Gürtellinien schlug, für Fox News zum Megahit gemacht hatte mit 24 Millionen Zuschauern.

Schon Tappers erste Frage war eine Steilvorlage für Fiorina: Ob Trump nicht eine zu aufbrausende Natur habe, um am Atomknopf zu sitzen?

"Ich finde, Mr. Trump ist ein wunderbarer Entertainer", gab die eiskalt zurück. Doch Präsident? "Vorteil eines Präsidentschaftswahlkampfs ist es, dass sich unser aller Charakter und Fähigkeiten, Urteilsvermögen und Temperament offenbaren, über die Zeit hinweg und unter Druck."

Trump sagt, illegale Einwanderer sind binnen eines Tages "weg"

K.o. schlug die einzige Frau im Rennen Trump, als sie seine Attacke auf ihr Aussehen ansprach: "Frauen im Land haben sehr klar gehört, was Mr. Trump gesagt hat." Da hallte erstmals Jubel durch den Saal.

Auch die anderen durften sich Trump vorknöpfen. Bush verspottet ihn für seine Insolvenzen und beschuldigte ihn indirekt der versuchten Bestechung von Politikern. "Nicht wahr!", protestierte Trump umsonst.

Als es freilich um konkrete Rezepte und Programme ging, musste Trump immer wieder passen. Streckenweise schien es sogar, als habe er sich ganz verabschiedet, einmal schwieg er eine halbe Stunde lang.

Seine Platitüden waren noch platter als sonst. Wie er denn zwölf Millionen illegale Einwanderer deportieren wolle? "Wenn ich gewählt werde, sind sie am ersten Tag weg." Warum er ein seriöser Kandidat sei? "Alles, was ich gemacht habe, war ein unglaublicher Erfolg."

So kam es, dass die Beobachter Fiorina - die ihre eigenen Mankos als gescheiterte HP-Managerin elegant überspielte - fast einstimmig zur Siegerin erklärten. Gefolgt von Carson, dem besonnenen Polit-Onkel, der seine mitunter extremen Ansichten mit Charme verkleisterte.

Trump hingegen lernte ein Wort, das in seinem Vokabular bisher nicht vorkam: Verlierer. Selbst im Schlusswort - das die anderen zu Pathos-getränkten Schwüren an Amerika nutzten - hatte er nur Lachhaftes zu bieten: "Sollte ich Präsident werden, werden wir etwas ganz Besonderes tun", versprach er. "Wir werden von allem mehr haben."



insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
erzengel1987 17.09.2015
1. In China ist ein Sack Reis umgefallen
Ihr scheint diesen unbedeutenden Menschen ja richtig zu lieben. Dazu fällt mir nur ein Wayne intressierts. Richtig Cayne sau! Da ist es noch intressanter zu erfahren wer in Frankreich der nächste Präsident wird.
danreinhardt 17.09.2015
2. Trump Bashing
Und da ist es endlich auch bei uns angekommen. lustig
Kurbelradio 17.09.2015
3.
angesichts der Weltenlage, Wirtschaft, Krisengebiete etc..., kommen mir die "Politiker" in Übersee noch clowneresker vor, als die hiesigen. Fast bis zur Unerträglichkeit.
Leto13 17.09.2015
4. hm
Was haben Worte wie "Großmaul" in diesem Text zu suchen? Sind wir bei BILD oder doch noch beim SPIEGEL (online)?
PeterPan95 17.09.2015
5.
Schön dass er demaskiert wird, aber am Ende ist es doch eh wurscht wer gewählt wird.
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