TV-Duell Cheney/Edwards Schlagabtausch über den Irak-Krieg

US-Vizepräsident Dick Cheney und sein demokratischer Herausforderer John Edwards haben in ihrem TV-Duell vor allem über die Irak-Politik gestritten. Cheney rechtfertigte die Invasion als Teil des Kampfes gegen den Terrorismus, Edwards verdammte die Strategie der Bush-Regierung als "Gipfel der Scheinheiligkeit".


Cheney (l.) und Edwards: Streit über den Irak-Feldzug
AP

Cheney (l.) und Edwards: Streit über den Irak-Feldzug

Cleveland - Cheney verteidigte bei dem TV-Duell in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) vor einem Millionenpublikum die Irak-Politik der Regierung von Präsident George W. Bush. Er verwies auf die Erfolge, die seit Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak erzielt worden seien: Die Machtübergabe an eine Übergangsregierung und die für Januar geplante Wahl. "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Job erledigen werden."

Edwards, der bei einem Sieg von John Kerry Vizepräsident werden würde, kritisierte die Irak-Politik der Bush-Regierung scharf. Die Vereinigten Staaten hätten 90 Prozent der Kriegskosten und 90 Prozent der Opfer erbracht. Als "Gipfel der Scheinheiligkeit" habe Bush die Truppen ohne ausreichende Ausrüstung in den Irak geschickt und für Gehaltskürzungen bei der Armee geworben.

Cheney rechtfertigte den Irak-Krieg als Teil des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Saddam Hussein habe eine "etablierte Beziehung" zum Terrornetzwerk al-Qaida von Osama Bin Laden unterhalten. Edwards, der junge Senator aus North Carolina, warf Cheney daraufhin vor, die amerikanische Bevölkerung in die Irre zu führen. "Sie gehen im Land umher und behaupten, es gebe eine Verbindung zwischen dem 11. September 2001 und Saddam Hussein. Aber es gibt sie nicht." Die Bush-Regierung sei noch immer nicht aufrichtig gegenüber dem amerikanischen Volk.

Cheney war bemüht, die Führungsstärke Kerrys in Zweifel zu ziehen. So habe dieser gegen den ersten Krieg gegen den Irak im Jahr 1991 gestimmt. Er unterstellte Kerry, "immer auf der falschen Seite des Zaunes" zu stehen. So habe Kerry erst für den Krieg und dann gegen ein Aufbauprogramm von 87 Milliarden Dollar für den Irak und Afghanistan gestimmt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Demokraten noch ihren Präsidentschaftskandidaten gesucht, und Howard Dean habe dank seiner kriegskritischen Haltung Stimmen bekommen. "Wenn Kerry nicht mal dem Druck von Howard Dean standhalten konnte, wie können wir erwarten, dass er al-Qaida standhält?"

Edwards warf Cheney vor, als Chef des US-Konzerns Halliburton für eine Aufhebung der Sanktionen gegen Iran gekämpft zu haben. Er habe Geschäfte mit Staaten gemacht, die zu den Erzfeinden der USA gehört hätten, bevor er diese als Vizepräsident zu bekämpfen versuche. Cheney war früher Verteidigungsminister unter Bushs Vater George und jahrelang Chef des auf den Ölsektor spezialisierten Unternehmens.

In der innenpolitischen Debatte attestierte Edwards Präsident Bush, der erste Präsident seit Herbert Hoover zu sein, in dessen Amtszeit mehr Arbeitsplätze verschwunden als entstanden seien. Mehr Amerikaner seien in die Armut gerutscht und müssten ohne Krankenversicherung leben. Cheney, der eine lesbische Tochter hat, sprach sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Die Menschen sollten die Freiheit haben, jede Art von Beziehung zu führen. Zu Bushs Drängen auf eine Verfassungsänderung zum Verbot der so genannten Homo-Ehen sagte Cheney: "Er macht die Politik in der Regierung, und ich unterstütze ihn."

Edwards sagte zwar, die Cheneys liebten ihre Tochter ganz offenkundig, und er empfinde dafür nichts als Respekt. "Aber ich glaube, die Ehe ist etwas für Mann und Frau, und das glaubt auch John Kerry. Wir sollten jedoch nicht die Verfassung benutzen, um unsere Land zu teilen."

Das TV-Duell in Cleveland war das einzige der Vizepräsidentschaftskandidaten vor der Wahl am 2. November. Bush und sein Herausforderer Kerry werden am Freitag zum zweiten Mal im Fernsehen aufeinander treffen. Aus der ersten Debatte vergangene Woche ging Kerry als Sieger hervor. Jüngsten Prognosen zufolge liegen Bush und Kerry in der Gunst der Wähler fast gleich auf.



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