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25. November 2016, 04:35 Uhr

TV-Duell in Frankreich

Fillon und Juppé streiten über Reformen - und Putins Lob

Frankreichs konservative Präsidentschaftsanwärter haben sich vor der Stichwahl am Sonntag zum TV-Duell getroffen: Es ging vor allem um François Fillons radikale Sparpläne und seine Beziehung zu Russland.

Das Lob von Kreml-Chef Wladimir Putin für den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon hat heftigen Widerspruch ausgelöst. "Das ist das erste Mal, dass der russische Staatschef seinen Kandidaten ... in einer französischen politischen Wahl aussucht", sagte Fillons parteiinterner Gegner Alain Juppé am Donnerstagabend bei einem TV-Duell.

Fillon gilt als russlandfreundlich und tritt im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für eine Koalition mit Moskau ein. Fillon warb zudem in einem Namensbeitrag für die Zeitung "Le Monde" für das Ende der europäischen Sanktionen gegen Russland. Putin hatte den 62-Jährigen Kandidaten mit den Worten gelobt. "Wir haben sehr gute persönliche Beziehungen." (Mehr zu Fillons Russland-Kontakten lesen Sie hier.)

Juppé sagte, als Staatspräsident würde er Putin sagen, dass er die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim nicht akzeptiere. Auch das Minsk-Abkommen für einen Frieden in der Ukraine müsse eingehalten werden.

Während des TV-Duells ging es auch um die Wirtschafts- und Sozialpolitik: Ex-Premierminister Fillon sagte, Frankreich müsse saniert werden. Er tritt deshalb für einschneidende Sparmaßnahmen ein. So plädiert er für eine Verlängerung der Regel-Arbeitszeit. Über fünf Jahre hinweg will er 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen.

"Es ist wahr, mein Projekt ist radikaler und vielleicht auch schwieriger", sagte Fillon. Es sei damit aber möglich, dem Land innerhalb von zwei Jahren einen neuen wirtschaftlichen Elan zu geben und innerhalb von fünf Jahren die Arbeitslosenzahlen zu halbieren.

Der als gemäßigt geltende Juppé sagte, auch er wolle Reformen - aber "ohne Brutalität". Es sei völlig unrealistisch, 500.000 Beamte zu entlassen. Juppé selbst will nur halb so viele Stellen im Staatsdienst streichen und setzt die möglichen Einsparungen im Haushalt etwas niedriger an.

Fillon war von 2007 bis 2012 unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy Premierminister. Nach seinem überraschend deutlichen Sieg bei der ersten Runde der Konservativen-Vorwahl geht er nun am kommenden Sonntag als Favorit in die Stichwahl mit Juppé. Der Gewinner der für alle Bürger offenen Wahl tritt im Frühjahr als bürgerlicher Kandidat bei der Präsidentschaftswahl an.

aar/dpa/AFP

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