TV-Duell Türkei wirft Merkel und Schulz Populismus vor

Martin Schulz will EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei abbrechen, Angela Merkel setzt auf wirtschaftlichen Druck. Die türkische Regierung nennt das Populismus - und hofft auf eine bessere Atmosphäre.
Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan

Foto: Uncredited/ dpa

Die Türkei ist verärgert wegen des TV-Duells zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz. Ibrahim Kalin, ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan, warf beiden Kandidaten "Populismus und Ausgrenzung" vor. Das schüre Diskriminierung und Rassismus. "Wir hoffen, dass die problematische Atmosphäre enden wird", sagte Kalin über die deutsch-türkischen Beziehungen.

Gerade Schulz hatte sich sehr kritisch über die Türkei geäußert: Kein Deutscher könne mehr sicher in die Türkei reisen. Es sei deshalb Aufgabe des nächsten Bundeskanzlers, der Türkei zu sagen, dass "alle roten Linien überschritten" seien. "Und deswegen kann dieses Land nicht mehr Mitglied der EU werden", sagte Schulz. Er kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zur Europäischen Union abzubrechen.

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Merkel äußerte sich zurückhaltender, kritisierte die Türkei aber ebenfalls. Sie plädierte für ein Einfrieren der Beitrittshilfen für die Türkei in Milliardenhöhe. Die Kanzlerin kündigte an, den wirtschaftlichen Druck auf die Türkei zu erhöhen, um die Freilassung der aus politischen Gründen in dem Land inhaftierten Deutschen zu erreichen. Erst vor wenigen Tagen waren zwei weitere Deutsche in der Türkei festgenommen worden.

Bereits der mögliche Abbruch der Verhandlungen ist für die Türkei ein Affront. Omer Celik, Europaminister der Türkei, sprach von einem "Angriff auf Europas grundlegende Prinzipien". Celik sagte weiter: "Sie bilden eine Berliner Mauer mit Steinen aus Populismus." Die Türkei werde "mit erhobenem Kopf als europäisches Land und europäische Demokratie" weitermachen.

Erdogan-Sprecher Kalin nannte es außerdem bezeichnend, dass sich weder Merkel noch Schulz zu wachsendem Rassismus geäußert hätten. Er bezichtigte Deutschland erneut, Terroristen aus der Türkei Schutz zu bieten. Deutschland verteidige nicht die Demokratie, sondern "Terroristen und Putschisten", hieß es in einer von insgesamt neun Twitter-Nachrichten des Erdogan-Sprechers. Er teilte mit Blick auf das TV-Duell weiter mit: "Welche Partei die Wahlen in Deutschland gewinnt, hat keine sehr große Bedeutung. Weil nun klar wird, welche Geisteshaltung gewinnt."

aev/dpa/Reuters
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