TV-Duell zwischen Obama und McCain US-Zeitungen urteilen "unentschieden"

Das Gefecht schloss nahtlos an das erste große TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain an. Beide Wahlkampfteams bemühten sich emsig, ihren Kandidaten zum Sieger zu küren. Für die Kommentatoren war der Ausgang jedoch weit weniger eindeutig.


Washington - Kein Sieger, keine echten Höhepunkte: So könnte man die erste TV-Debatte von Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) zusammenfassen. Vor allem klare Antworten auf die schwere Finanzkrise blieben beide Kandidaten schuldig.

Medienzentrum in Oxford: Debatte ohne Höhepunkte und ohne Sieger
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Medienzentrum in Oxford: Debatte ohne Höhepunkte und ohne Sieger

Beide bekräftigten am Freitagabend zwar erwartungsgemäß ihre unterschiedlichen Positionen zum Irak und Iran. Antworten auf die Fragen nach konkreten Rezepten zur Überwindung des Bankendebakels vermissten jedoch alle Kommentatoren. "Keiner hat uns richtige Antworten gegeben", kommentierte etwa die "New York Times" am Samstag. Dennoch sei die Debatte ein Schritt in Richtung "einer ernsthafteren Erörterung der vielen Probleme des Landes" gewesen. "Davon wollen die Amerikaner mehr hören, und weniger taktische Sparringskämpfe sehen, ehe sie zu den Wahlurnen gehen."

"Wall Street hat die erste Präsidentschaftsdebatte entführt", metapherte der TV-Sender MSNBC. Vorsicht und Zurückhaltung waren für die Kontrahenten das Gebot der Stunde, niemand wollte sich aus dem Fenster lehnen. "Wir haben den genauen Wortlaut noch nicht gesehen", meinte Obama, als er zu seiner Meinung zum vorliegenden Rettungspaket für die Wall Street gefragt wurde. "Das waren nicht die Antworten, die die Amerikaner erwarten", meinte ein Kommentator beim TV-Sender CNN.

SPIEGEL 40/2008:

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Der Preis der Überheblichkeit
Eine Wirtschaftskrise verändert die Welt

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Auch McCain sei nicht viel besser gewesen, fügte der Kommentator hinzu, sein finanzpolitisches Credo war das alte Patentrezept der Neo-Konservativen: "Wir müssen die (staatlichen) Ausgaben begrenzen ... Wir müssen das System verändern." Gut ein halbes Dutzend Mal griff er zu dieser Formel. Eines ist sicher: Eine Sternstunde der politischen Debattenkultur war das eineinhalbstündige Spektakel nicht.

So herrschte unter den TV-Kommentatoren denn auch Ratlosigkeit, wer als Sieger des Duells anzusehen sei. Die Debatte habe auf alle Fälle kein Ereignis hervorgebracht, das den bisherigen Wahlkampf auf den Kopf stelle oder die Wähler dazu bringe, ihre Meinung zu ändern und auf einen anderen Kandidaten umzuschwenken. Es war eine Debatte ohne Höhepunkte, ohne Brillanz und ohne Sieger.

"Kein K.o.-Schlag", meinte auch der Kommentator der "Washington Post". Beide Kandidaten seien mit dem klaren Ziel in den Ring gestiegen, den Gegner schlecht aussehen zu lassen. McCain wollte seinen Gegner als naiv und unerfahren darstellen, Obama wollte ihm das Gegenteil beweisen und McCain zudem das Etikett der Mitwirkung während der acht Jahre der Regierung von Präsident George W. Bush anhängen.

Jeder der Kandidaten habe gepunktet, schrieb das Blatt. "Aber keiner ist [aus der Debatte] als klarer Gewinner hervorgegangen, außer in den Augen seiner Anhänger". Die Auseinandersetzung habe "nur wenige der großen Momente der Art gebracht, die ein Rennen um die Präsidentschaft entscheiden könnten".

Ersten Umfragen zufolge sehen jedoch rund 58 Prozent der Befragten eher Obama als Gewinner der Redeschlacht, berichtete der TV-Sender CNN.

Der 72-jährige McCain versuchte in dem eineinhalbstündigen Wortduell immer wieder, seine lange politische Erfahrung zu unterstreichen. "Ich glaube nicht, dass Obama über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügt", sagte er über den 47 Jahre alten Kontrahenten. Dagegen verwiesen TV-Beobachter darauf, dass Obama mehrfach "Senator McCain hat Recht" oder "Ich stimme Senator McCain zu" sagte. Dies sei eine klare Schwäche des schwarzen Senators gewesen.

Finanzkrise im Mittelpunkt des Interesses

Die Debatte an der Universität von Mississippi in Oxford - die erste von drei Redeschlachten bis zum Wahltag am 4. November - stand im Schatten der schweren Finanzkrise in den USA. US-Medien berichteten, selbst am Abend des Rededuells hätten Demokraten und Republikaner im Kongress in Washington weiter über den 700 Milliarden Dollar schweren Plan zur Rettung für die angeschlagenen Banken beraten.

Beide Kandidaten betonten zwar ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Krisenlösung. Obama machte zugleich aber die Politik der Bush-Regierung und der Republikaner für die derzeitige Misere auf den Finanzmärkten verantwortlich. Er sprach von "acht Jahren verfehlter Wirtschaftspolitik von George Bush, "die von Senator McCain unterstützt wurde". Umfragen zufolge trauen die meisten Amerikaner Obama mehr Kompetenz in der Wirtschaftspolitik zu, er konnte daher in den vergangenen Tagen im Zuge der Finanzkrise in den Umfragen deutlich zulegen.

In der Außenpolitik nannte McCain Obamas Plan für einen Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten "gefährlich". Er hob zugleich die Fortschritte im Irak hervor, die der Demokrat nicht anerkennen wolle. "Er weigert sich zuzugeben, dass wir im Irak gewinnen", sagte der Republikaner.

McCain unterläuft Werbepanne

Sofort nach der Debatte versuchten beide Parteien, für ihren Kandidaten den Sieg zu reklamieren. Die Republikaner erklärten, McCain habe Obama durchgehend in die Defensive getrieben. Elf Mal habe der 47-jährige Senator aus Illinois seinem 72-jährigen Kollegen aus Arizona zugestimmt, sagte der McCain-Berater Steve Schmidt. Das zeige, wer die Debatte kontrolliert habe. Der demokratische Gouverneur Bill Richardson wies darauf hin, dass McCain in jüngsten Umfragen zurückliege. "Er brauchte einen K.o.-Schlag. Er hat keinen gelandet. Daher hat Senator Obama, der wortgewandter und präziser war, nach einstimmiger Entscheidung gewonnen."

Dem Wahlkampfteam von McCain unterlief in diesem Duell allerdings eine peinliche Panne. Gerade erst hatte McCain seine Bereitschaft bekannt gegeben, doch zum TV-Duell gegen seinen Rivalen Barack Obama anzutreten, da schalteten die Werbestrategen bereits die ersten Anzeigen, nach der er als Sieger aus dem Duell hervorgegangen sei. Aufmerksame Internet-User hatten die vorschnellen Siegesanzeigen entdeckt.

mik/dpa/Reuters

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