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30. Mai 2011, 16:46 Uhr

TV-Interview

Anwalt beschreibt Mubarak als schwer krank

"Er spricht sehr wenig und unterdrückt seine Schmerzen": Der Anwalt von Husni Mubarak schildert den gestürzten ägyptischen Präsidenten in einem CNN-Interview als krank, schwach und verbittert. Farid El Deeb bestreitet außerdem, dass Mubarak Geld außer Landes gebracht hat.

Kairo - Ägyptens ehemaliger Staatschef Husni Mubarak, der im Februar per Volksaufstand gestürzt wurde und in Untersuchungshaft auf seinen Prozess wartet, soll schwer krank sein. "Er leidet an einem ernsthaften Herzproblem und der Rückkehr seines Darmkrebses", sagte sein Anwalt Farid El Deeb dem US-Fernsehsender CNN. Mubarak rede nur wenig, unterdrücke seine Schmerzen und sei sehr betroffen über die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden.

Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft wird vermutlich versuchen, Mubarak wegen der getöteten Demonstranten zur Verantwortung ziehen. Rund 800 Menschen kamen in den Tagen der Revolution ums Leben, darunter etwa 50 Polizisten, die meisten aber Demonstranten. Zum Teil wurden sie erschossen. Der gestürzte Präsident, so sein Anwalt laut CNN, habe keinerlei Anweisung gegeben, scharfe Munition einzusetzen.

Keinerlei Gelder ins Ausland geschafft?

Erst am Samstag war Mubarak laut CNN zu einer Geldstrafe von 34 Millionen Dollar (rund 26 Millionen Euro) verurteilt worden. Gemeinsam mit anderen Topbeamten wurde ihm die Sperrung des Internets ab dem 28. Januar 2011 vorgeworfen. Neben der noch folgenden Untersuchung der Todesfälle wird auch wegen Korruption gegen Mubarak ermittelt.

Anwalt El Deeb behauptet, dass Mubarak keinerlei Gelder ins Ausland geschafft habe. Er besitze ein persönliches Vermögen in Höhe von umgerechnet etwa 770.000 Euro, nichts davon befinde sich im Ausland. Dieses Vermögen habe er in 62 Jahren Arbeit angespart. In Ägypten wird vermutet, dass der Ex-Staatschef sich sehr wohl ausgiebig bereichert hat. Der Justizminister, den Mubaraks Anwalt als Lügner bezeichnete, hatte im Mai gegenüber CNN von Milliarden Dollar berichtet, die der Machthaber zur Seite geschafft haben soll.

Das Interview dürfte Teil des Versuchs des Anwalts sein, für Mubarak ein möglichst geringes Urteil zu erzielen - oder dafür zu sorgen, dass er gänzlich verschont wird. Der Ex-Präsident sei derart geschwächt, dass er nicht einmal mehr alleine ins Bad gehen könne, sagte El Deeb CNN.

yas

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