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Zickenkrieg im Elysée: Hollandes erster Skandal

Foto: REGIS DUVIGNAU/ REUTERS

Hollandes erster Skandal Twitter-Affäre im Palast des Präsidenten

François Hollande wollte ein Staatschef sein, der klar zwischen Privatleben und Amtsgeschäften unterscheidet - nun aber intrigiert seine Lebensgefährtin gegen seine Ex-Frau. Viele Wähler sind schockiert. Und Frankreichs neuer Präsident hat nach wenigen Wochen im Amt sein erstes Problem.

137 Zeichen war die Nachricht lang, die François Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler am Dienstagmittag über Twitter in die Welt hinaussandte und dem französischen Präsidenten den ersten Skandal seiner Amtszeit verschaffte. Sie stürzte die Sozialistische Partei ins Chaos - und beherrscht die Titelseiten aller Zeitungen des Landes. Kommentatoren von links wie von rechts kamen zum Schluss, Trierweilers Tweet habe das Versprechen Hollandes desavouiert, im Gegensatz zu Nicolas Sarkozy ein "normaler" Präsident zu sein, der sein Privatleben und die Staatsgeschäfte nicht vermische.

Was hatte Valérie Trierweiler getan? Sie unterstützte in ihrem Tweet öffentlich den Mann, der bei den Parlamentswahlen als linker Dissident gegen die offizielle sozialistische Kandidatin Ségolène Royal antritt - die ehemalige Lebensgefährtin Hollandes, mit dem sie vier Kinder hat. Trierweilers Tweet las sich so: "Viel Erfolg für Olivier Falorni, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und der seit so vielen Jahren ohne Eigeninteresse für die Menschen in La Rochelle kämpft."

Was zunächst harmlos klingt, war ein gezieltes Attentat auf Royal, die gegen Falorni in Bedrängnis ist und davon träumt, im Falle ihrer Wahl Präsidentin des Abgeordnetenhauses zu werden. Dass die First Lady aus dem Elysée heraus eine Kampagne gegen ihre Vorgängerin an der Seite des Präsidenten anzettelt, hat in Frankreich einen Schock ausgelöst: Wird die Politik auch in der Ära Hollande eine Seifenoper bleiben? Genau damit hatte Nicolas Sarkozy die Franzosen schließlich gegen sich aufgebracht: dass es nicht um den Staat ging, sondern um ihn. Da waren seine öffentliche Trennung, Wiederversöhnung und Scheidung von seiner Ehefrau Cécilia. Da war seine Verkündung, Carla Bruni und er, das sei "was Ernstes". Von dieser Zurschaustellung des Privaten wandten sich die Bürger angewidert ab.

Hollande versprach das Gegenteil - und findet sich jetzt nur wenig mehr als einen Monat nach seiner Wahl als sprachloser Dritter in einem öffentlichen Schauspiel zwischen zwei Frauen wieder, die sich bekanntermaßen nicht ausstehen können. Der Präsident soll laut Aussagen seiner Getreuen "sehr erregt" gewesen sein, als er von der nicht abgesprochenen Botschaft seiner Liebsten erfuhr, wollte aber keinen Kommentar dazu abgeben. Der Premierminister Jean-Marc Ayrault und die sozialistische Parteisekretärin Martine Aubry verbreiteten: Hollande unterstütze Royal, das sei alles, was zähle. Die Rechte frohlockte. Sie sprach von "Dallas im Elysée". Die Rechtspopulistin Marine Le Pen twitterte, es sei "erbärmlich", dass Trierweiler auf diese Weise "ihre privaten Abrechnungen mit der Ex ihres Mannes" austrage. Auch aus der Linken kam harsche Kritik: "Wir haben Valérie Trierweiler nicht gewählt, wir haben François Hollande gewählt. Was mischt sie sich ein?", empörte sich der sozialistische Abgeordnete Jean-Louis Bianco.

"Was für ein Spiel treibst du?"

Die private Affäre ist peinlich für den Präsidenten und auch für seine Partei - Trierweiler müsse "die Zurückhaltung lernen, die sie als Lebensgefährtin des Präsidenten braucht", sagte François Rebsamen, Hollandes innenpolitischer Wahlkampfberater am Mittwoch. Die Affäre dürfte für Trierweiler selbst am schädlichsten sein. Seit ihrem Tweet ist ihr schwieriges Verhältnis zu Ségolène Royal zum Thema geworden. Als Royal vor fünf Jahren sozialistische Präsidentschaftskandidatin war, trat sie mit Hollande in der Öffentlichkeit noch als Paar auf, dabei war er da bereits seit mindestens 2004 mit Trierweiler zusammen. Sie sei eifersüchtig auf ihre Vorgängerin, das berichten französische Medien schon seit Wochen: "L'Express" berichtet, Trierweiler habe vor einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Hollande und Royal versucht, ein gemeinsames Foto zu verhindern - und sei dann, entgegen aller Absprachen, mit einer Fotografenmeute auf Royal zugestürmt, um ihr demonstrativ die Hand zu schütteln. Royal sei darüber sehr wütend gewesen. Als eine Journalistin von "Paris Match" in einem Text über den "Sohn des Paares Royal-Hollande" schrieb, erhielt sie eine wütende SMS von Trierweiler: "Er ist der Sohn des Ex-Paares Royal-Hollande! Was für ein Spiel treibst du?"

Schon in den vergangenen Monaten hatte Trierweiler immer wieder für Aufsehen mit ihren Tweets gesorgt. "François vertraut mir vollkommen, bis auf meine Tweets", sagte sie neulich der Frauenzeitschrift "Femme Actuelle". So beschimpfte sie etwa die Zeitschrift "Paris Match", für die sie arbeitet, als sexistisch, weil sie auf dem Titelbild erschienen war, ohne dass sie vorgewarnt war. Und nach der Wahl forderte sie die Fotografen vor ihrer Tür auf, sie doch bitte in Ruhe zu lassen. Den jüngsten Tweet habe Trierweiler verfasst, so berichtet es "Le Parisien", als sie am Dienstagvormittag ein Statement Hollandes in der Zeitung las, der Präsident unterstütze die Kandidatur von Ségolène Royal. Von dem Statement hatte sie nichts gewusst, und in ihrer Wut habe sie dann entschieden, den Gegenkandidaten Royals zu unterstützen.

Trierweiler hadert mit ihrer Rolle als "Première Dame"

Kann seine Lebensgefährtin zum Problem werden für den Präsidenten, der seit seinem Amtsantritt praktisch keinen Fehler gemacht hat? Sie hatte schon in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt, weil sie öffentlich mit ihrer neuen Rolle als "Première Dame" haderte. Der Titel behage ihr nicht, ließ sie die Franzosen in einem Radiointerview wissen, und sie nehme gerne Vorschläge entgegen - vorstellen könne sie sich etwa "Herz-Trumpf Frankreichs" oder "Erste Journalistin". Vergangene Woche gab ihr Arbeitgeber "Paris Match" bekannt, Trierweiler werde weiterhin als Journalistin für das Blatt arbeiten - sie werde Rezensionen im Kulturteil schreiben. Sie wolle unabhängig sein von ihrem Mann, sagte Trierweiler, und sie müsse Geld verdienen für ihre Kinder. Auch dafür gab es massive Kritik. Sie beschädige damit den Beruf, schrieb die stellvertretende Chefredakteurin der linken Zeitung "Libération". Wie könne sie als unabhängige Journalistin arbeiten, wenn sie gleichzeitig ein Büro im Elysée habe mit einem eigenen Mitarbeiterstab?

Die zu große Nähe von Politikern und Journalisten in Frankreich ist ein Dauerthema, und dafür steht auch die große Zahl von Politiker-Journalisten-Paaren. Mit ihrem ersten Artikel in der neuen Rolle stellte Trierweiler gleich unter Beweis, dass die Doppelrolle fast unmöglich auszuhalten ist. Sie besprach eine Biografie der amerikanischen First Lady Eleanor Roosevelt, schrieb aber eigentlich über sich selbst. Sie leitete ihn ein mit den Worten: "Na, sieh mal einer an! Eine First Lady, die zugleich Journalistin ist, ist also keine Neuigkeit." Nach der Twitter-Affäre, schreibt "Le Monde" auf der Titelseite an diesem Mittwoch, müsse Trierweiler sich entscheiden: Première Dame oder Journalistin. Und da sie offensichtlich eine Rolle an der Seite des Präsidenten einnehmen wolle, müsse sie nun ihre journalistischen Aktivitäten einstellen und es vermeiden, Nachrichten zu versenden, die der Linie des Elysée widersprächen. "Und vielleicht ein letzter Rat: Vergessen Sie Twitter."