U-Bahn-Attentat in Minsk Lukaschenko erklärt Ermittlungen für beendet

Das ging schnell: Nicht einmal zwei Tage nach dem Anschlag auf die Metro in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vermeldet Präsident Lukaschenko einen durchschlagenden Erfolg der Ermittlungen. Es seien Personen festgenommen worden, die auch gleich gestanden hätten. Die Opposition ist alarmiert.
Präsident Lukaschenko (am Anschlagsort): "Glänzende Operation" des Geheimdienstes

Präsident Lukaschenko (am Anschlagsort): "Glänzende Operation" des Geheimdienstes

Foto: Andrei Stasevich/ AP

Minsk - Der Bombenanschlag in der Minsker Metro mit zwölf Toten ist nach Angaben des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko aufgeklärt - nicht einmal 48 Stunden nach der Tat. Festgenommene hätten ein Geständnis abgelegt, sagte der autoritär regierende Staatschef am Mittwoch in der weißrussischen Hauptstadt. Die Männer hätten sich auch zu früheren Anschlägen in Weißrussland bekannt, sagte der Präsident nach Angaben der unabhängigen Agentur Belapan. Lukaschenko wies an, im Zusammenhang mit den Bluttaten auch Vertreter der prowestlichen weißrussischen Opposition zu vernehmen.

Bei dem Anschlag am Montag waren zwölf Menschen getötet und rund 190 verletzt worden. Die Bombe explodierte während des abendlichen Berufsverkehrs, als Passagiere aus den Zügen ausstiegen.

"Heute Morgen um 5 Uhr haben sie ein Geständnis abgelegt", sagte Lukaschenko. Die Lösung sei eine "glänzende Operation" des Geheimdienstes KGB und der Polizei. Nun sollten die Behörden noch verschiedene Regimegegner unter die Lupe nehmen. "Man muss sich deren Aussagen genau ansehen. Möglicherweise decken diese Angehörigen der 'fünften Kolonne' ihre Karten auf und nennen die Hintermänner dieser Tat", sagte Lukaschenko. Er warnte vor Panikmache im Land. Wer Gerüchte über Lebensmittel- oder Devisenknappheit in Umlauf bringe, müsse wegen dieser "Verleumdung" mit Strafe rechnen.

Auf Videomaterial von Überwachungskameras sei ein weißrussischer Mann zu sehen gewesen, der eine Tasche in der U-Bahn-Station zurückgelassen habe, teilte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Andrej Schwed mit. Der Mann und ein mutmaßlicher Komplize würden vom Geheimdienst KGB verhört, berichtete die unabhängige Agentur Belapan. Ob es sich bei den beiden um die angeblich Geständigen handelt, ist noch unklar. Die Behörden teilten mit, die Bombe sei offenbar funkgesteuert gewesen und unter einer Bank in der U-Bahn-Station Oktjabrskaja deponiert worden.

Medien zufolge droht dem mutmaßlichen Täter die Todesstrafe. Die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik ist das einzige Land Europas, das Verurteilte hinrichtet - per Genickschuss.

In oppositionellen Internetforen äußerten User den Verdacht, Lukaschenko selbst könne hinter dem Attentat stecken, um eine Rechtfertigung für seine rigoroses Vorgehen gegen prowestliche Regierungsgegner zu haben. Die Moskauer Zeitung "Kommersant" berichtete von Massenvorladungen der weißrussischen Behörden. Das Innenministerium in Minsk habe Blogger und Journalisten, die eine mögliche Verwicklung Lukaschenkos in die Bluttat angedeutet hätten, zur Anhörung einbestellt, hieß es.

ffr/dpa/dapd/Reuters
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