U-Boote und Fregatten Asiens Atommächte rüsten um die Wette

Die Raketen an Bord sollen mehr als 700 Kilometer weit feuern: Indien präsentiert sein erstes Atom-U-Boot, argwöhnisch beäugt von Pakistan und China. Die beiden Rivalen Neu-Delhis rüsten ebenfalls auf - und machen dabei gemeinsame Sache.

Von , Islamabad


Ein großer Schritt sei das, sagt der Mann in der weißen Uniform in Peking, ein großer Schritt für die Zusammenarbeit der Seestreitkräfte der beiden Staaten. Admiral Noman Bashir, Befehlshaber der pakistanischen Marine, ist in die chinesische Hauptstadt gereist, um sich für eine Fregatte zu bedanken, die auf der Hudong-Werft in Shanghai gefertigt wurde. Und man sei durchaus an weiteren Waffen aus China interessiert, die Qualität der Produkte sei schließlich überzeugend.

Pakistan rüstet seine Marine auf. Zwei weitere Schiffe vom Typ F-22P wollen die Chinesen hier für das südliche Nachbarland bauen; das vierte darf Pakistan unter chinesischer Anleitung in fünf Jahren selbst herstellen. Das Kriegsschiff soll in der südpakistanischen Hafenmetropole Karatschi vom Stapel laufen.

Neben den vier Fregatten plant das Land außerdem seit langem die Vergrößerung seiner U-Boot-Flottille von sechs auf neun Einheiten. Ein deutsches Konsortium unter Führung der zu ThyssenKrupp Marine Systems gehörenden Kieler Werft HDW verhandelt über die Lieferung von drei Booten mit Brennstoffzellenantrieb. Die Genehmigung des Deals durch die Bundesregierung ist umstritten, allerdings soll der Bundessicherheitsrat erst nach der Bundestagswahl zustimmen.

Ohnehin tendieren die Pakistaner zum französischen Konkurrenzangebot des Rüstungskonzerns DCNS, heißt es aus pakistanischen Verteidigungskreisen. Die Franzosen hätten ein "attraktives Paket" geschnürt, zu dem auch gleich eine Generalüberholung der alten U-Boote vom Typ "Agosta" zähle. Die sechs Boote sind ebenfalls französischer Herkunft - man habe damit gute Erfahrungen gemacht.

"Zerstörer des Feindes" heißt Indiens Atom-U-Boot

Es drängt die Pakistaner, schnell voranzukommen mit der Aufrüstung, denn Ende Juli ist der benachbarte Erzfeind Indien mit der Indienststellung der "INS Arihant" in den exklusiven Club jener Staaten vorgestoßen, die eigene U-Boote mit Nuklearantrieb herstellen und betreiben. Bislang zählten USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China zu den Mitgliedern.

Im Beisein von Regierungschef Manmohan Singh verließ das mit 104 Metern Länge vergleichsweise kleine Atom-U-Boot - eine Weiterentwicklung eines russischen Modells - das Trockendock in der ostindischen Hafenstadt Vishakhapatnam. Zuvor hatte Singhs Frau Gursharan Kaur den neuen Stolz der Marine mit einer Kokosnuss getauft: "Arihant" ist Sanskrit und bedeutet "Zerstörer des Feindes". In den kommenden Jahren soll das Boot überwiegend in der Bucht von Bengalen Tests unterzogen werden, bevor es voraussichtlich 2012 in den regulären Dienst der indischen Marine gestellt wird.

Doch Pakistan und China sehen darin "die strategische Balance massiv gestört", wie Peking und Islamabad verlauten lassen. Die beiden strategischen Partner erhöhen ihre Rüstungsausgaben selbst drastisch. Ideologisch und kulturell haben sie wenig gemein - China als religionsferner, kommunistischer und doch turbokapitalistischer Staat, Pakistan als islamische Republik zwischen Staatsreligion und dem Wunsch nach Säkularismus, terrorisiert von Extremisten.

"Einführung neuer, tödlicher Waffensysteme"

Doch die ungleichen Partner teilen eine Befürchtung: Indien könnte mit dem Atom-U-Boot von jeder Position im Meer aus mit Atomsprengköpfen bestückte ballistische Raketen mehr als 700 Kilometer weit feuern. Insgesamt fünf Boote vom Typ der "INS Arihant" will Indien bis 2015 bauen, knapp drei Milliarden Dollar kostet das Projekt. Die Sowjetunion hatte Indien bereits von 1988 bis 1991 ein Atom-U-Boot zur Verfügung gestellt, Anfang 2010 will Indien erneut ein russisches Modell leasen, diesmal für zehn Jahre. Derzeit verfügt die indische Flotte außerdem über 16 Diesel-U-Boote aus deutscher und russischer Herstellung.

Indiens Regierung erklärt, das Land wolle niemanden bedrohen, sondern nur sich selbst beschützen. Vorwürfe, bei einem U-Boot handele es sich um ein offensives Waffensystem, begegnet das Verteidigungsministerium in Neu-Delhi mit dem Hinweis, man wolle "lediglich mit den weltweiten technischen Errungenschaften" Schritt halten. Keineswegs sei die Waffe gegen ein anderes Land gerichtet.

Pakistanische Rüstungsexperten sprechen dagegen von einer "fortgesetzten Einführung neuer, tödlicher Waffensysteme", die in "krassem Gegensatz zu dem stehen, was Indien behauptet, nämlich friedliebend zu sein und für Stabilität in der Region zu sorgen". Das Außenministerium in Islamabad kündigt als Reaktion an, "notwendige Maßnahmen zur Sicherstellung der eigenen Sicherheit und der Aufrechterhaltung der strategischen Balance" zu ergreifen.

Chinesische Militärschiffe bald in Pakistan stationiert?

"Das neue indische Atom-U-Boot ist der Start für ein massives Wettrüsten in der Region", sagt ein hochrangiger Vertreter des Militärgeheimdienstes ISI. "Pakistan kann sich eine solche Waffe nicht leisten, wird aber auf anderem Wege versuchen, das Gleichgewicht wieder herzustellen."

Dafür sorgt China schon aus Eigeninteresse mit seinen großzügigen Waffenlieferungen. Kritisch registriert man in Peking, dass Indien mit seinem Atom-U-Boot sehr viel größere Seegebiete als bisher kontrollieren kann. U-Boote mit nuklearem Antrieb können länger als konventionell betriebene Boote unter Wasser bleiben und weitere Strecken zurücklegen. China sieht den Indischen Ozean als strategischen Raum, der nicht von Indien allein dominiert werden dürfe. Mit Milliardenaufwand hat Peking deshalb den Ausbau des Tiefseehafens Gwadar im Südwesten Pakistans vorangetrieben, nahe der Grenze zu Iran. Angeblich will China dort auch Militärschiffe stationieren.

Der pakistanische Verteidigungsetat stieg in den vergangenen drei Jahren signifikant an, allein im vergangenen Jahr um gut zehn Prozent. Und China rückte nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri 2008 auf Platz zwei der Länder mit den weltgrößten Rüstungsausgaben - nur die USA kaufen mehr Waffen - und sogar auf den ersten Rang der Waffenimporteure. Die chinesische Marine wird auf Kosten des Heeres vergrößert, nicht nur um der wachsenden US-Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum zu begegnen, sondern auch um mit Indien Schritt zu halten.

Admiral Bashir, der pakistanische Marinechef, erklärt zwar, dass er ein maritimes Wettrüsten am Indischen Ozean ablehne. Doch diese Entwicklung hat längst begonnen. Rüstungsexperten in Islamabad vergleichen penibel Listen der Flotten Indiens mit den eigenen Beständen. Innerhalb weniger Jahre soll Pakistan den Rückstand aufgeholt haben.

insgesamt 20 Beiträge
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imagine, 16.08.2009
1. Mit deutscher Wertarbeit
Zitat von sysopDie Raketen an Bord sollen mehr als 700 Kilometer weit feuern: Indien präsentiert sein erstes Atom-U-Boot, argwöhnisch beäugt von Pakistan und China. Beide Länder rüsten ebenfalls auf - und machen dabei gemeinsame Sache. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,642474,00.html
...und die deutsche Rüstungsmaschine läuft wie geschmiert.
Hovac 16.08.2009
2. Proliferation
Als ob irgendjmd lernen würde, der kalte Krieg ist schon zu weit her. Aber wir lernen ja auch konsequent nicht von anderen(Mindestlohn Niederlande), was will man sich demnach beschweren
autocrator 16.08.2009
3. was'n das'n ?
Zwei möglichkeiten: entweder es ist ein SPON-sommerloch-füllartikel ... gerüstet wird praktisch ständig überall auf der welt. (Nebenbei: dafür is interessanterweise auch immer geld da, wogegen opa Kasuppke die rente gekürzt kriegt ...) Oder: Hallo?!?! merkt da niemand was? Die letzte weltwirtschaftskrise wurde auch nur mit einem weltkrieg gelöst!
Sabi 16.08.2009
4. Detusche Rüstungsindustrie
Zitat von imagine...und die deutsche Rüstungsmaschine läuft wie geschmiert.
Nein verherter Kommentator, Sie irren Sich ! Die Franzosen besonders unter Sarko sind (und waren) den Deutschen immer einige Schritte voraus, weil sie unbürokratisch sofort verhandeln und liefern - nicht nur bei Militärtechnik sonder auch bei TGV, Kernkranftwerke, U-Bahnbau, etc. - sie sind so skrupellos, daß sie nicht mal vor afrikanischen Diktatoren haltmachen, und ihnen auch liefern, was diese begehren - hauptsache die Kasse stimmt ! Zuletzt haben trotz der Turbulenzen dicke Milliardenschwere Öl-Geschäfte mit dem Iran gemacht (Total Erdölgesellschaft )
mavoe 16.08.2009
5. Indien-Pakistan-China
Zitat von sysopDie Raketen an Bord sollen mehr als 700 Kilometer weit feuern: Indien präsentiert sein erstes Atom-U-Boot, argwöhnisch beäugt von Pakistan und China. Beide Länder rüsten ebenfalls auf - und machen dabei gemeinsame Sache. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,642474,00.html
Die müssen noch lange aufrüsten, um das "Niveau" der US-Streitkräfte zu erreichen. Und dafür haben die aber nicht genügend Geld...
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