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Gastarbeiterinnen in den Emiraten Geschunden, geschlagen, ausgebeutet

Mehr als 146.000 Frauen arbeiten als Hausangestellte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem der reichsten Länder der Welt. Jetzt klagt Human Rights Watch an: Viele von ihnen werden misshandelt, manche versklavt.

Berlin - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gehören zu den reichsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt dort höher als in der Schweiz oder den USA. Metropolen wie Dubai und Abu Dhabi sind weltberühmt.

Zu diesem Reichtum tragen Gastarbeiter erheblich bei. Fast 90 Prozent der Bevölkerung in den VAE sind Ausländer. Sie erhoffen sich einen höheren Lohn als in ihren Heimatländern. Für viele geht die Rechnung auf. Doch dafür müssen sie sich auf das Bürgschaftsystem der UAE einlassen, "Kafala" genannt. Es bedeutet für den Arbeitnehmer ein hohes Risiko.

Nicht nur in den VAE, auch in den anderen reichen arabischen Golfstaaten ist das Kafala-System weit verbreitet. Es sieht vor, dass der Arbeitgeber gewissermaßen die rechtliche Vormundschaft für den Gastarbeiter übernimmt. Wird beispielsweise das Arbeitsverhältnis beendet, erlischt damit auch dessen Aufenthaltserlaubnis.

Die Arbeitnehmer sind von ihren Chefs dadurch extrem abhängig. Viele ziehen sogar den Pass der Angestellten ein, damit diese nicht ohne Einwilligung reisen können. Manche behandeln ihre Arbeiter wie Sklaven. Zuletzt sorgten Berichte über die schlechten Bedingungen auf den WM-Baustellen Katars international für Aufsehen.

Über 146.000 ausländische Hausmädchen arbeiten in den VAE

Besonders gefährdet sind jene, die fern aller Blicke schuften: Hausmädchen, die oft das Heim ihres Arbeitgebers kaum verlassen dürfen - außer vielleicht zum Einkaufen.

Über 146.000 ausländische Hausangestellte und Kindermädchen arbeiten bei Familien in den Emiraten. Ein neuer Bericht  der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) gibt nun erschreckende Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Die meisten Hausmädchen stammen von den Philippinen, aus Indonesien oder aus Sri Lanka. Diese Länder schicken mehr Frauen als Gastarbeiter als Männer, heißt es immer wieder in Berichten der Uno zu dem Thema. Als Nannys wollen sie für ihre Familien zu Hause etwas dazuverdienen. Manche von ihnen haben selbst Kinder, denen sie ein besseres Leben ermöglichen wollen, auch wenn sie diese dafür jahrelang nicht sehen.

99 Hausmädchen hat HRW für das Papier interviewt. Über ein Viertel der Befragten berichtete, dass sie von ihren Arbeitgebern geschlagen, getreten, gewürgt oder angespuckt wurden. Mehrere wurden vergewaltigt.

Alle klagten über Ausbeutung - in extremen Fällen arbeiteten die Frauen im Schnitt 20 Stunden am Tag. Freie Wochenenden oder Urlaub gab es keinen, manchen wurde monatelang der Lohn nicht gezahlt. Wehren können sich die Angestellten kaum.

"Ich habe dich schon gekauft"

Der Bericht liefert zahlreiche Beispiele für die brutale Behandlung der meist jungen Frauen. Farah S. etwa, eine 23-jährige Indonesierin, bat ihre Chefin, sie zurück zur Hausmädchen-Vermittlungsagentur in Dubai zu bringen. Die Agenturen bringen die ausländischen Gastarbeiterinnen ins Land und vermitteln sie gegen eine Gebühr an Familien.

"Die Arbeit war nicht, was man mir vorher gesagt hatte", sagte Farah S. "Ich musste den ganzen Tag Kochen, Putzen, Waschen. Pausenlos, es gab nicht eine einzige Pause." Doch die Hausherrin weigerte sich, sie zur Agentur zurückbringen. "Ich habe dich schon gekauft", so ihre Ansage laut dem HRW-Bericht.

Tahira S., eine 28-jährige Indonesierin, wurde von ihrem Chef nahezu täglich verprügelt. Einmal verdrehte er ihren rechten Arm hinter dem Rücken so sehr, dass er kurz über dem Handgelenk brach. So berichtet sie es. Ein anderes Mal habe er ihren Fuß verletzt, es floss Blut. Zu einem Arzt ließ er sie nicht.

Tahira S. gelang es zu fliehen und ihren Fuß behandeln zu lassen. Für den Arm war es zu spät. Der Bruch blieb krumm zusammengewachsen.

ras