Israel für längere Feuerpause Zahl der Toten in Gaza steigt auf über 1000

Vier Stunden mehr: Israel will die kurze Feuerpause im Gazastreifen bis in die Nacht verlängern. Am Samstag wurden dort laut palästinensischen Rettungsdiensten bislang 130 Leichen geborgen, die Zahl der Toten steigt damit auf mehr als tausend.
Israel für längere Feuerpause: Zahl der Toten in Gaza steigt auf über 1000

Israel für längere Feuerpause: Zahl der Toten in Gaza steigt auf über 1000

Foto: MOHAMMED ABED/ AFP

Gaza-Stadt - Die Zahl der Toten im jüngsten Gaza-Krieg soll inzwischen auf über tausend gestiegen sein. Der Leiter der palästinensischen Rettungsdienste in Gaza, Aschraf al-Kidra, teilte am Samstag mit, es seien mindestens 1030 Palästinenser umgekommen.

Dank der zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Feuerpause konnten Rettungskräfte im Gazastreifen erstmals in Gebiete vordringen, die zuvor wegen des heftigen Beschusses durch die israelische Armee tagelang unzugänglich waren. Dabei bargen sie allein am Samstag 130 Tote, wie Al-Kidra weiter bekannt gab. Nach Angaben des Direktors des Schifa-Krankenhauses, Naser Tatter, wurden die meisten Toten in den Orten Beit Hanun, Chan Junis und Schejaia gefunden. Dort liegen ganze Häuserzeilen in Trümmern.

Israelund die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamashatten sich in der Nacht zum Samstag auf eine zunächst zwölfstündige Feuerpause geeinigt, die um 19 Uhr (MESZ) auslaufen würde. Nun verlängert Israel die Kampfunterbrechung um vier Stunden. Das bestätigte die israelische Armee.

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Israel hatte der Waffenruhe nur unter der Bedingung zugestimmt, dass sie die Suche und Zerstörung des von den Hamas-Kämpfern genutzten Tunnelnetzes im Gazastreifen fortsetzen kann. Die Hamas äußerte sich zunächst nicht zu der Verlängerung der Frist.

Viele Palästinenser nutzten die Feuerpause, um nach ihren Häusern oder Wohnungen zu sehen und sich mit Lebensmitteln zu versorgen. In der Nähe von Chan Junis im Süden, wo den Palästinensern zufolge noch kurz vor der Feuerpause 20 Menschen durch einen israelischen Luftangriff getötet wurden, fanden verzweifelte Bewohner bei der Rückkehr ihre Wohnungen in Trümmern.

Die Kämpfe waren bis kurz vor Beginn der Waffenruhe fortgesetzt worden. Hamas-Kämpfer feuerten Salven von Raketen auf Israel ab, was dort vielerorts Alarm auslöste. Verletzt wurde niemand, die meisten Raketen wurden von der Luftabwehr abgefangen. In der Nacht zum Samstag starben zwei israelische Soldaten bei Gefechten. Damit stieg die Zahl der getöteten israelischen Soldaten auf 37.

Nach Angaben israelischer Regierungsmitglieder benötigt die Armee noch bis zu zwei Wochen, um das Tunnelsystem im Grenzgebiet zu zerstören. Aus israelischer Sicht dienen die Stollen der Hamas als Waffenlager und Bunker. Zudem würden durch die unterirdischen Gänge Kämpfer auf israelisches Gebiet gelangen. Israel hatte angekündigt, auch während der Feuerpause die Zerstörung der Stollen nicht zu unterbrechen.

Die Hamas pocht weiterhin auf ein Ende der Blockade des Gazastreifens als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe. Dazu sind jedoch weder Israel noch Ägypten bereit.

ric/afp/Reuters
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