Überfall auf Uno-Büro US-Hassprediger fordert Vergeltung

Er ließ in seiner Kirche den Koran verbrennen, jetzt fordert er Vergeltung an muslimischen Staaten für die getöteten Uno-Mitarbeiter in Afghanistan: Der umstrittene US-Prediger Terry Jones setzt seine Provokationen fort. Für die Proteste und die Toten fühlt er sich nicht verantwortlich.

Pastor Terry Jones (Archivbild): "Den Islam zur Verantwortung ziehen"
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Pastor Terry Jones (Archivbild): "Den Islam zur Verantwortung ziehen"


Washington - Wütende Massen zogen durch Kandahar, ein Uno-Büro in Masar-i-Sharif wurde gestürmt: Heftige Proteste von Muslimen nach einer Koran-Verbrennung in einer amerikanischen Kirche haben zahlreiche Todesopfer gefordert.

Für deren Pastor Terry Jones ist das offenbar kein Anlass, sich künftig mehr zurückzuhalten. In einer Mitteilung forderte er USA und Uno auf, mit "unverzüglichen Maßnahmen" gegen muslimische Länder zu reagieren, wie die "New York Times" berichtet. Damit solle Vergeltung geübt werden für die Anschläge im Büro der Vereinten Nationen, bei denen mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen. "Die Zeit ist gekommen, den Islam zur Verantwortung zu ziehen", schrieb Jones. "Der Islam ist keine Religion des Friedens." Am Samstag kam es zu neuerlichen Protesten gegen die Koran-Verbrennung, in Kandahar starben dabei mindestens neun Menschen, 73 wurden verletzt.

Mitglieder der Kirche Dove World Outreach Center, in der die geschmacklose Inszenierung eines Koran-Tribunals inklusive Buchverbrennung stattgefunden hatte, fürchten nun um ihr Leben. "Wir haben einen riesigen Stapel an Morddrohungen", sagte Gemeindemitglied Fran Ingram der Zeitung. "Wir sind vorsichtig. Ich habe eine Pistole. Wir sind eine kleine Kirche, und wir haben kein Geld, um einen Sicherheitsdienst einzustellen." Seine Gemeinde sei "betrübt" über den Tod der Uno-Mitarbeiter, verkündete Pastor Jones am Freitag. "Aber wir fühlen uns nicht verantwortlich." Mehr noch: Der Tod der Uno-Mitarbeiter werde nichts an dem ändern, was die Gemeinde tue. "Wir haben nicht zu Gewalt und Morden aufgerufen. Wir haben nur ein Buch verbrannt", sagte Jones.

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Attacke in Masar-i-Scharif: Wütender Mob tötet sieben Uno-Mitarbeiter
Im vergangenen Jahr hatte Kleinstadtprediger Jones weltweit Aufsehen erregt, als er ankündigte, das heilige Buch der Muslime am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September verbrennen zu wollen. Sogar US-Präsident Barack Obama hatte sich eingeschaltet, die Aktion wurde damals im letzten Moment gestoppt.

Mit seiner Standhaftigkeit sieht sich Jones in der Tradition biblischer Propheten. Den Pastor treibt nach eigenen Angaben die Furcht vor einer Abkehr der USA vom wahren christlichen Glauben. Insbesondere den Islam sieht Jones als dämonische Kraft, die es auf die Schwächung seines Landes abgesehen habe. Seine Botschaft: Der Islam selbst - und nicht nur dessen verzerrte Auslegung durch Radikale - führe zu Gewalt und erfordere deshalb Gegenwehr. "Wenn ihr uns angreift, greifen wir euch an", sagt Jones den Muslimen.

Er sieht es als sein Ziel, die Gemeinde von einer "örtlichen Kirche zu einer Kirche mit weltweiter Vision" zu machen, wie er es auf seiner Internetseite formuliert. Dort können im Übrigen auch Kaffeebecher und T-Shirts mit islamfeindlichen Sprüchen erstanden werden.

Zunächst wenig Aufmerksamkeit in den USA

Über die Koran-Verbrennung in seiner Kirche in Gainesville in Florida vom 20. März war zunächst kaum in den US-Medien berichtet worden, um Jones und seinen nur ein paar Dutzend Anhängern kein Forum zu geben. Zwei Tage später jedoch hatte Pakistans Staatspräsident Asif Ali Zardari die Aktion als "heftigen Rückschritt" für die zivilisierte Welt bezeichnet, auch Afghanistans Präsident Hamid Karzai forderte strafrechtliche Konsequenzen gegen Jones.

Die Folge war eine heftige Erregung in der muslimischen Welt. Über 2000 Menschen protestierten am Samstag in Kandahar gegen die Koran-Verbrennung und setzten dabei zahlreiche Autos in Brand, wie die Behörden mitteilten. Tote und Verletzte waren zu beklagen. Die Polizei hatte zunächst mit Schüssen in die Luft versucht, die Menge in der als Taliban-Hochburg geltenden Stadt unter Kontrolle zu bringen. Die Menge bewarf daraufhin die Polizei mit Steinen, wie Zelmai Ayoubi, Sprecher des Gouverneurs von Kandahar, erklärte.

Aus der Gesundheitsbehörde verlautete, dass bei den Toten Schussverletzungen entdeckt worden seien. Ein Reuters-Journalist beobachtete, wie die Angreifer seinen Kollegen schlugen, dessen Kamera zerschmetterten und darüber diskutierten, ihn umzubringen. Die Polizei hielt andere Journalisten zu der wütenden Menge auf Distanz.

Am Vortag hatte sich der Zorn über die Aktion fundamentalistischer US-Christen gegen die Uno-Vertretung in Masar-i-Scharif entladen: Mindestens sieben Mitarbeiter der Weltorganisation und fünf Afghanen wurden getötet. In Kabul endete der Angriff auf einen Nato-Posten mit dem Tod der Attentäter, die sich mit Burkas verkleidet hatten.

Ein Sprecher des Provinzgouverneurs warf den Taliban am Samstag vor, die Koran-Verbrennung zum Vorwand für Gewalt zu nehmen. Am Nachmittag waren in der Stadt Schüsse zu hören, die aber möglicherweise von nervösen Sicherheitskräften abgefeuert wurden. Die Islamisten bestritten, hinter dem Angriff auf die Uno-Vertretung in Masar-i-Scharif zu stehen.

sto/dpa/dapd/AFP/Reuters

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Seite 1
drspieler 02.04.2011
1. Verantwortung
Zitat von sysopEr ließ in seiner Kirche den Koran verbrennen, jetzt fordert er Vergeltung an* muslimischen Staaten für die getöteten Uno-Mitarbeiter in Afghanistan: Der umstrittene US-Prediger Terry Jones setzt seine Provokationen fort. Für die Proteste und die Toten fühlt er sich nicht verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754682,00.html
Warum sollte er sich auch für die Toten verantwortlich fühlen? Nicht er hat zur Waffe gegriffen, sondern es waren Islamisten. Der ARD hat schließlich im Jahr 2007 ebenfalls ein heiliges Buch verbrannt und zwar die Bibel. Hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=DWMsQAEfATo Kann man nun von einer Hasspredigt des Fernsehens sprechen? Wäre das ARD dafür verantwortlich wenn radikale Christen dies als Anlass nehmen würden Menschen zu töten? Ich finde es schon recht unerträglich, wie man die wahren Täter zu entschuldigen versucht. Die wahren Täter leben nicht in den USA, sondern im Falle der Unruhen und Morde in Afghanistan! Woher kommt nur dieser Selbsthass?
jerzick 02.04.2011
2. !
Den Mann muss man unbedingt ignorieren. Am besten wäre es, überhaupt nicht über ihn zu berichten. Insgesamt zeigt das aber einmal wieder, wie schön Religionen sind, wie sie das Edle im Menschen wecken! *bärch* Jerzick
terrencehill 02.04.2011
3. Der Pastor hat recht
HAHA wieso sollte der Pastor denn auch verantwortlich sein? Dieses verwirrte Denken legen Journalisten auch an den Tag wenn sie zB sagen dass Dominik Brunner nun doch kein Held gewesen sein kann, nachdem rausgekommen ist dass er eventuell zuerst zugeschlagen hat. Journalisten machen die eigentlichen Täter eben gerne zu den "Opfern der Gesellschaft". Der Mob in Afghanistan der sich hier wieder absoult unterirdisch verhalten hat ist Schuld. SIE HABEN DAS MASSAKER AM UNO BÜRO VERÜBT. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, nur für Journalisten nicht. Der Pastor hat wohl nicht ganz unrecht gehabt mit dem was er sagte.
butter_milch 02.04.2011
4. ...
Das passiert, wenn Idioten aufeinandertreffen. Der eine provoziert Übergriffe und verlangt dann Strafen, wenn sie geschehen. Sojemand gehört sich sofort eingesperrt.
TangoGolf 02.04.2011
5. Hurra wir kapitulieren
Zitat von sysopEr ließ in seiner Kirche den Koran verbrennen, jetzt fordert er Vergeltung an* muslimischen Staaten für die getöteten Uno-Mitarbeiter in Afghanistan: Der umstrittene US-Prediger Terry Jones setzt seine Provokationen fort. Für die Proteste und die Toten fühlt er sich nicht verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754682,00.html
Hier weiter zu provozieren ist sicherlich töricht und dumm. Dennoch: die Kausalität der Gewalt hier umzudrehen und dem Pastor die "Schuld" an der Raserei des Mobs in Afghanistan geben zu wollen, ist ebenso dumm! Wenn der ein Buch verbrennen will, dann darf der das nun mal. Da ist es egal, ob es ein Mickymausheft, ein Telefonbuch oder der Koran ist. Und nein, das ist kenesfalls vergleichbar mit Bücherverbrennungen im 3.Reich - was einer als Privatperson macht und was ein Staat im Rahmen von Zensur unternimmt, sind zwei verschiedene Paar Schuhe! Natürlich ist das provokativ und völlig überflüssig was der Typ macht - aber die Reaktionen sind doch mehr als eindeutig: Islam = Frieden? Genau das wurde doch wider eindrucksvoll widerlegt. Und die Reaktion hier, die dem Pastor die Schuld geben will? Ebenso typisch. Der Pastor ist sicher ein spinner - Schuld an den Toten ist er aber nichT!
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