Überraschende Stippvisite Rumsfeld besucht irakische Ölmetropole

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Samstagmorgen überraschend im nordirakischen Kirkuk eingetroffen. Nach dem Besuch in der Ölstadt will der glühende Verfechter des Irak-Krieges im Laufe des Tages nach Bagdad weiterreisen.


Unerwarteter Besucher: Donald Rumsfeld
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Unerwarteter Besucher: Donald Rumsfeld

Kirkuk - Vor Rumsfelds Eintreffen in Kirkuk hatte es keine Informationen über einen anstehenden Besuch des Verteidigungsministers im Irak gegeben. Wegen der chaotischen Sicherheitslage hatte sich bereits US-Präsident George Bush zu Thanksgiving nur unter höchster Geheimhaltung und nur für zwei Stunden in den Irak getraut. Rumsfeld ließ sich am Samstag in Kirkuk über die Sicherheitslage und die politische Entwicklung des Landes informieren. Seit seinem Besuch im September ist der Widerstand gegen die US-geführten Besatzungstruppen im Land stärker geworden.

Rumsfeld traf im Morgengrauen in der nordirakischen Ölstadt Kirkuk ein und sollte im Laufe des Tages nach Bagdad zu Gesprächen mit dem Chef der US-Zivilverwaltung, Paul Bremer, weiterreisen. Der Verteidigungsminister gehörte zu den stärksten Befürwortern des Feldzuges im Irak. Seit die Zahl der US-Opfer bei Anschlägen und Angriffen immer weiter steigt, drängen die USA auf eine schnellere Übergabe der politischen Führung des Landes an Iraker und auf mehr Unterstützung von Seiten ihrer Verbündeten. In einem Gespräch mit Rumsfeld sagte der in der Region Kirkuk kommandierende General, es seien nach seiner Einschätzung keine weiteren US-Truppen nötig.

Rumsfeld reiste aus dem georgischen Tiflis an und plante im Zentrum der nordirakischen Ölindustrie auch Gespräche mit dem Bürgermeister der Stadt und dem Gouverneur der Provinz. Die Bevölkerung Kirkuks ist stärker gemischt als die anderer Regionen des Landes. Rund die Hälfte der Bürger Kirkuks sind Kurden, die zu den engsten Verbündeten der USA im Irak gehören. Das Gebiet mehr als 250 Kilometer nördlich von Bagdad ist im Vergleich mit der Region im direkten Norden der Hauptstadt relativ ruhig.

Generalmajor Ray Odierno berichtete Rumsfeld von Fortschritten in der Bekämpfung der Freischärler. "Ich denke, wir haben hier in den vergangenen drei Wochen einige wirklich gute Fortschritte gemacht", sagte Odierno, dessen 4. Infanteriedivision auch Teile des als Hochburg des Widerstands geltenden Dreiecks nördlich und nordwestlich von Bagdad kontrolliert. Die Armee habe einige Schlüsselfiguren des Widerstandes ausgeschaltet "und ich glaube, das wird einen Einfluss auf das gesamte Einsatzgebiet haben", sagte Odierno.

Das harte Durchgreifen der Armee in jüngster Zeit habe zudem dazu geführt, dass mehr Einheimische dem Militär Informationen über die Freischärler und ihre Führung zukommen ließen, sagte Odierno während des öffentlichen Gesprächs mit Rumsfeld weiter. Unter Hinweis auf die wachsende Zahl der für Sicherheitsaufgaben ausgebildeten Iraker sagte er zudem, mittelfristig werde die USA ihre Truppenzahl verringern können.

Seit die USA Anfang Mai das Ende der Hauptkampfhandlungen erklärt haben, sind bei Anschlägen und Überfällen mindestens 190 US-Soldaten getötet worden. Zudem wurden zahlreiche Attentate auf verbündete Truppen und zivile Einrichtungen verübt.



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