Überstellung an Irak Saddam hat Termin beim Untersuchungsrichter

Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist seinem Gerichtsprozess einen großen Schritt näher: Die USA werden ihn morgen der irakischen Justiz übergeben, die ihn wegen Kriegsverbrechen belangen will. Unklar ist noch, ob ihm die Todesstrafe droht.


Saddam nach der Festnahme: Der Ex-Diktator soll ein öffentliches Verfahren erhalten
DDP

Saddam nach der Festnahme: Der Ex-Diktator soll ein öffentliches Verfahren erhalten

Bagdad/Kairo - Das Sondertribunal für die Aufarbeitung der Verbrechen des alten Regimes erließ heute Haftbefehle gegen Saddam und elf seiner engsten Getreuen. Wie der Ministerpräsident der Übergangsregierung, Ijad Alawi, in Bagdad mitteilte, wird Saddam am Donnerstag erstmals einem irakischen Richter vorgeführt, der ihm die Anklageschrift verlesen wird. Mit einem Prozess sei jedoch erst in einigen Monaten zu rechnen.

Das Sondertribunal erließ heute nach eigenen Angaben unter anderem auch Haftbefehle gegen Saddams berüchtigten Cousin Ali Hassan al Madschid ("Chemie-Ali"), gegen Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, den Außenpolitiker Tarik Asis und Ex-Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed.

Saddam und seine elf Getreuen würden morgen formell den Irakern übergeben, erklärte Ministerpräsident Alawi im Anschluss an die erste Sitzung der Übergangsregierung nach der Machtübergabe. Sie blieben aber weiter im "physischen Gewahrsam" der US-geführten multinationalen Streitmacht, weil das irakische Justizsystem derzeit nicht in der Lage sei, Gefangene wie Saddam sicher zu verwahren. Er und andere frühere Regime-Größen sollten einen "fairen Prozess" erhalten, betonte Alawi. "Ich freue mich auf den Tag, an dem die Führer des ehemaligen Regimes mit der Gerechtigkeit konfrontiert werden", sagte der Regierungschef.

Er bat die Bevölkerung um Geduld, da die Vorbereitung der Prozesse noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde, und versprach ein öffentliches Verfahren. Saddam Hussein werde sich wegen Kriegsverbrechen verantworten müssen, unter anderem wegen Völkermordes. Weiter sagte Alawi, das Kabinett diskutiere noch über eine Wiedereinführung der Todesstrafe.

Saddam, 67, wird seit seiner Gefangennahme am 13. Dezember vom US-Militär an einem geheimen Ort festgehalten. Die Amerikaner hatten ihm den Status eines Kriegsgefangenen zuerkannt.



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