Ugandische Rebellen Massaker an Hunderten Menschen im Kongo aufgedeckt

Die Mörder kamen von der berüchtigten "Lord's Resistance Army" - und sie wüteten im Nordosten des Kongo: Im Dezember 2009 brachten sie offenbar mehr als 300 Menschen um. Dies geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" und weiteren Zeugenaussagen hervor.
Kämpfer der Lord's Resistance Army 2006: Für Grausamkeit berüchtigte Rebellentruppe

Kämpfer der Lord's Resistance Army 2006: Für Grausamkeit berüchtigte Rebellentruppe

Foto: ? James Akena / Reuters/ REUTERS

Washington/Kampala - Ugandische Rebellen haben nach Angaben von Human Rights Watch im Dezember ein Massaker unter Zivilisten im Kongo verübt. Die Menschenrechtsorganisation teilte am Samstagabend in Washington mit, dass dabei mindestens 321 Menschen getötet und weitere 250 entführt wurden. Unter den Entführten seien auch 80 Kinder gewesen. Andere Menschenrechtsaktivisten haben laut BBC noch weit höhere Schätzungen über die Opferzahlen abgegeben.

In einer ersten Dokumentation über die bisher nicht bekannten Vorgänge heißt es, die berüchtigte Widerstandsarmee des Herrn (Lord's Resistance Army - LRA) habe damals vier Tage in der nordöstlichen Makombo-Region des Kongo gewütet. Laut Zeugenaussagen hing der Leichengeruch für Wochen über der Gegend.

"Das Massaker von Makombo ist eines der schlimmsten in der 23-jährigen blutigen Geschichte der LRA", sagte die Afrikaexpertin von Human Rights Watch (HRW), Anneke Van Woudenberg, dazu. Es zeige, dass die LRA im Gegensatz zu Behauptungen der Regierungen in Uganda und im Kongo nach wie vor eine schwere Bedrohung für die Menschen in der Region darstelle. Die Menschenrechtsorganisation war die ihren Angaben nach "gut vorbereiteten Attacken der LRA vom 14. bis 17. Dezember in der entlegenen Region des Distrikts Haute Uele" bei Ermittlungen im Februar nachgegangen.

Demnach überfielen die LRA-Rebellen wenigstens zehn Dörfer. Sie hätten ihre Opfer zunächst gefesselt und danach mit Macheten und Äxten getötet oder mit schweren Holzknüppeln erschlagen. Teilweise hätten sie die Dorfbewohner aber auch an Bäumen aufgehängt und ihnen den Schädel eingehauen. Bei den meisten Opfern habe es sich um erwachsene Männer gehandelt. Außerdem brachten die Milizen aber auch mindestens 13 Frauen und 23 Kinder um. Das jüngste Opfer sei ein dreijähriges Mädchen gewesen, das die Täter verbrannten.

Die Menschenrechtsorganisation stützt ihren Bericht eigenen Angaben zufolge auf die Aussagen von Überlebenden. Zu den Augenzeugen gehörten auch Kinder, die gezwungen worden waren, andere Kinder zu töten, weil diese sich den Anordnungen der LRA widersetzten. Die jungen Menschen schilderten, dass sie von den LRA-Milizen angewiesen wurden, ihr Opfer zu umzingeln und so lange mit einem Stock auf den Kopf zu schlagen, bis es starb.

Die britische BBC berichtet, die Mörder hätten sich in einem Dorf als kongolesische Soldaten ausgegeben und von den Dorfbewohnern Lebensmittel und andere Waren verlangt, die sie zu einem Flussübergang bringen sollten. Als sich die Menschen weigerten, seien sie attackiert, festgesetzt und als Träger zu dem Marsch gezwungen worden. Wer sich weigerte oder zu fliehen versuchte, wurde brutal umgebracht. Nach diesem Muster seien die Mitglieder der LRA in allen betroffenen Dörfern vorgegangen.

Der Sender zitiert einen kongolesischen Armeekommandeur, der als einer der ersten an den Orten des Massakers eingetroffen war und geholfen hatte, die Toten zu begraben. "Ich sah mit meinen eigenen Augen 268 leblose Körper, weil sie sie begruben - es gab niemanden anderen, der es hätte tun können."

Die christlich-fundamentalistische LRA kämpft seit mehr als 20 Jahren im Norden Ugandas gegen die ugandische Regierung und ist auch im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo aktiv. Seit Dezember 2008 tötete die LRA nach UN-Angaben in der Provinz Orientale mehr als 1200 Zivilisten. Die Vereinten Nationen haben im Nordosten des Kongos die UN-Friedensmission (MONUC) stationiert. Die Blauhelmtruppen sollen jedoch von Juni an abgebaut und bis Juli 2011 ganz abgezogen werden.

cai/dpa/AFP
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