Uiguren-Konflikt Tote und Verletzte bei Unruhen im Nordwesten Chinas

Die Krisenregion Xinjiang im Nordwesten Chinas kommt nicht zur Ruhe: Am Wochenende gab es zahlreiche Gewaltausbrüche in der Stadt Kashgar, bei denen es viele Tote und Verletzte gab. Chinas Regierung macht uigurische Aufrührer verantwortlich, die jedoch sprechen von staatlicher Unterdrückung.


Peking - Erst vor zwei Wochen wurde in Xinjiang eine Polizeistation gestürmt, nun gab es neue blutige Zwischenfälle. Laut unterschiedlichen Agenturberichten könnten die Gewaltausbrüche an diesem Wochenende bis zu 15 Menschen das Leben gekostet haben, mehr als 30 Personen wurden verletzt.

Die Regierung in Peking sieht hinter den Übergriffen uigurische "Aufrührer". Diese hätten laut Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag und Sonntag in der Seidenstraßen-Stadt Kashgar bei zwei Messerattacken zehn Menschen getötet. Vier Angreifer seien von der Polizei erschossen, ein weiterer von Passanten getötet worden. Insgesamt fünf Personen seien festgenommen worden. Die Agentur meldete auch drei Explosionen, Einzelheiten oder das Ausmaß der Schäden blieben jedoch unklar.

Peking sieht "Aufrührer" am Werk, während Exiluiguren die chinesische Unterdrückung anprangern.

Allein am Samstagabend gab es Xinhua zufolge sieben Tote und 28 Verletzte, als zwei Angreifer die Besucher eines Marktes attackierten und mit Messern niederstachen. Davor habe es zwei Explosionen gegeben, berichtete Xinhua. In die erste gegen 10.30 Uhr Ortszeit sei ein Kleintransporter verwickelt gewesen. Die andere Explosion sei eine gute Stunde später nahe des Marktes gehört worden.

Die beiden Täter hätten zunächst an einer Ampel einen Lastwagen entführt und den Fahrer erstochen. Das Fahrzeug hätten sie in eine Gruppe von Fußgängern gesteuert. Dann seien sie aus dem Wagen gesprungen und mit Messern auf die Menschen losgegangen. Im Kampf mit Passanten sei ein Angreifer getötet worden. Der andere sei festgenommen worden.

"Ich kann nicht fassen, was passiert ist", wurde eine Augenzeugin zitiert, die in dem Markt arbeitete. "Unser Manager wollte einen Angreifer überwältigen, indem er ihn festhielt. Aber der Mann hatte ein Messer und stach ihm in den Bauch." Ihr Kollege sei später im Krankenhaus gestorben. "Überall waren Schreie und Blut."

Aufruhr oder Unterdrückung?

Am Sonntag gab es laut Xinhua einen weiteren "Gewaltausbruch". Während die Staatsagentur zunächst eine Explosion mit drei Toten gemeldet hatte, wurden später Augenzeugen zitiert, die drei Opfer seien vielmehr von "Aufrührern" niedergestochen worden. Die Polizei habe vier "Verdächtige" erschossen. Vier seien festgenommen worden, vier weitere auf der Flucht. Zehn Passanten und Polizisten seien bei diesem Zwischenfall verletzt worden, berichtete Xinhua.

Die neuen Vorfälle ereigneten sich nur zwei Wochen, nachdem die Polizei in Xinjiang nach offiziellen Angaben 14 vermeintliche Aufrührer erschossen hatte, die in der Stadt Hotan eine Polizeistation gestürmt und vier Menschen getötet hatten. Es war der erste größere Gewaltausbruch nach einem Jahr relativer Ruhe in Chinas Krisenregion. Exiluiguren hatten damals berichtet, dass Sicherheitskräfte zuvor gewaltsam eine Demonstration von Uiguren gegen Grundstücks-Enteignungen und das Verschwinden von Angehörigen aufgelöst hatte.

Das autonome Gebiet im Nordwesten macht etwa ein Sechstel der Landmasse Chinas aus, das die Region 1949 nach der Gründung der Volksrepublik annektiert hatte. Xinjiang birgt viele Bodenschätze, darunter Öl und Erdgas und weitet das Reich bis an die Grenzen zu Afghanistan, Indien und Pakistan aus. Entsprechend fest ist Pekings Griff um die Region, in der die muslimische Volksgruppe der Uiguren die Bevölkerungsmehrheit stellt und sich zunehmend vehementer gegen die chinesische Verwaltung wehrt, je mehr Han-Chinesen in die Städte Xinjiangs einwandern. Vor zwei Jahren waren bei schweren Ausschreitungen rund 200 Menschen ums Leben gekommen. Viele Uiguren fühlen sich von den Chinesen benachteiligt und unterdrückt. Peking wirft den uigurischen Gruppen im Gegenzug separatistische Bestrebungen und Terrorismus vor.

Ein Sprecher des in München ansässigen Weltkongresses der Uiguren berichtete laut dpa, die Sicherheitsvorkehrungen in Kashgar seien drastisch verschärft worden. Es seien rund rund Uiguren festgenommen worden, so Dilxat Rexit.



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