Ukraine Abgeordneter bedauert Erotikstreifen über Julia Timoschenko

Die ukrainische Politikerin Timoschenko und Georgiens Präsident Saakaschwili beim Sex in einem Hubschrauber - ein russischer Ultranationalist hatte die verhassten Symbolfiguren für Demokratie in einem Erotikstreifen durch den Kakao gezogen. Nun leistet er Abbitte.


Moskau - Der russische Abgeordnete Alexej Mitrofanow hatte vergangenen August Julia Timoschenko und Michail Saakaschwili zu den Hauptfiguren eines Erotikstreifens gemacht. Die beiden Politiker, Symbolfiguren demokratischer Revolutionen, sind bei den russischen Nationalisten nicht besonders angesehen, da sie als pro-amerikanisch gelten.

Timoschenko: "Kleines Internet-Vergnügen"
AFP

Timoschenko: "Kleines Internet-Vergnügen"

Nun der Sinneswandel. "Nach der Kritik von Wladimir Schirinowski, meinen Parteifreunden und Vertretern der Gesellschaft, möchte ich mich für den Erotikfilm 'Julia' entschuldigen", sagte der ultranationalistische Mitrofanow heute im russischen Parlament.

Er sei zu weit gegangen, räumte er ein. Was ein kleines "Internet-Vergnügen" habe sein sollen, habe nun "wichtige politische Konsequenzen". Er werde in Kürze in einem ukrainischen Fernsehsender Timoschenko gegenüber auch persönlich sein Bedauern ausdrücken, versicherte er.

In dem knapp halbstündigen Streifen treffen sich ein Mann und eine Frau, die Saakaschwili und Timoschenko stark ähneln, heimlich in Moskau zu politischen Gesprächen und lieben sich anschließend in einem Hubschrauber, der die russisch-georgische Grenze überfliegt.

Regierungsbildung in der Ukraine verzögert sich

Unterdessen verzögert sich die Bildung einer pro-westlichen Regierungskoalition nach der Parlamentswahl Ende März weiter. Neuen Zündstoff für Streitigkeiten zwischen den Parteien der "Orangenen Revolution" lieferten jüngste Vorschläge des amtierenden Ministerpräsidenten Juri Jechanurow, auch das pro-russische Lager um Ex-Ministerpräsident Viktor Janukowitsch mit ins Boot zu holen.

Timoschenko zeigte sich von dem Vorschlag überrascht und schloss eine solche Möglichkeit kategorisch aus. Die charismatische Politikerin, deren "Block Julia Timoschenko" bei der Wahl am 26. März auf Platz Zwei hinter dem Janukowitsch-Lager landete, hat Anspruch auf das Amt des Regierungschefs erhoben. Dieses hatte sie kurz nach dem Umsturz von 2004 schon einmal inne.

Grundsätzlich haben sich die pro-westlichen Kräfte, also der Block Julia Timoschenko, die Partei Unsere Ukraine von Präsident Viktor Juschtschenko sowie die Sozialisten bereits auf die Bildung einer Regierungskoalition verständigt. Jechanurow, der für Unsere Ukraine angetreten war, hatte gestern jedoch eine Große Koalition mit Janukowitschs pro-russischer Partei der Regionen ins Spiel gebracht. "Der Block von Julia Timoschenko erklärt hiermit, dass er nicht mit der Partei der Regionen in eine Koalition eintreten wird", hieß es in einer Erklärung auf der Internetseite Timoschenkos.

Weitere Koalitionsgespräche zwischen den liberalen Kräften sollten noch heute stattfinden. Nach geänderten Regeln bestimmt in der Ukraine nun das Parlament den neuen Regierungschef. Erst am Montag war das offizielle Endergebnis der Parlamentswahl veröffentlicht worden. Ab diesem Datum haben die Parteien 60 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden.

asc/AFP/reuters



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