Trumps Anwalt Giuliani wollte angeblich selbst in der Ukraine Geschäfte machen

In der Ukraineaffäre gerät Rudolph Giuliani unter Druck: Der Anwalt von Donald Trump soll versucht haben, für Beamte der dortigen Regierung tätig zu werden.

Rudy Giuliani (Archivaufnahme): "Ich habe nie einen Cent bekommen."
Jonathan Ernst/ REUTERS

Rudy Giuliani (Archivaufnahme): "Ich habe nie einen Cent bekommen."


Donald Trumps Anwalt Rudolph Giuliani soll in der Ukraine nicht nur Mittelsmann für den US-Präsidenten gewesen sein: Er verfolgte offenbar auch eigene Interessen. Giuliani habe versucht, mit Beamten der ukrainischen Regierung Geschäfte in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar zu machen. Das berichtet die "New York Times". Das Blatt beruft sich dabei auf ihm vorliegende Dokumente. Bislang hat Giuliani bestritten, selbst Geschäftsinteressen in der Ukraine verfolgt zu haben.

Laut "New York Times" zeigen die Dokumente, dass Giuliani und Anwälte, die ihm nahestehen, über Monate immer intensiver erwogen haben, für Beamte der ukrainischen Regierung oder deren Behörden zu arbeiten. Demnach hat Giuliani mindestens ein "retainer agreement" vorbereitet und unterzeichnet. Mit dieser Art von Vertrag kann eine Person einen US-Anwalt beauftragen. Üblicherweise wird darin die genaue Dienstleistung sowie eine Mindestbezahlung des Anwalts festgelegt. Zu einem Vertragsabschluss kam es der Zeitung zufolge aber nicht.

300.000 Dollar für Giulianis Hilfe?

So habe Giuliani unter anderem dem ukrainischen Justizministerium einen Deal vorgeschlagen: Für 300.000 Dollar, die das Ministerium an seine Firma zahlen sollte, wollte er demnach der Regierung helfen, mutmaßlich gestohlenes und ins Ausland gebrachtes Geld aufzuspüren. Das Dokument war der Zeitung zufolge von Giuliani unterschrieben, nicht aber vom damaligen ukrainischen Justizminister.

In späteren Entwürfen dieses "retainer agreements" sei von Giuliani keine Rede mehr gewesen, wohl aber von Dienstleistungen, die ihm nahestehende Anwälte erbringen sollten.

Giulianis Aktivitäten in der Ukraineaffäre sind zentraler Bestandteil der Impeachment-Ermittlungen gegen Trump. Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus wollen herausfinden, ob der US-Präsident Militärhilfe in Höhe von umgerechnet rund 361 Millionen Euro als Druckmittel einsetzte, um die Ukraine zu Ermittlungen zu bringen, die ihm im US-Wahlkampf nutzen könnten.

Giuliani will Engagement für Ukrainer abgelehnt haben

Der EU-Botschafter der USA Gordon Sondland hatte vergangene Woche enthüllt, dass Giuliani die Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj unter Druck setzen sollte, gegen Trumps Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu ermitteln. Sondland hatte bei seiner öffentlichen Anhörung im Repräsentantenhaus erklärt, er habe im Umgang mit der Ukraine auf ausdrückliche Anordnung Trumps mit Giuliani zusammengearbeitet.

Der Anwalt habe ein "Quid pro quo" - also eine Gegenleistung - für ein Treffen von Selenskyj mit Trump im Weißen Haus verlangt: nämlich eine öffentliche Ankündigung jener von Trump verlangten Ermittlungen (mehr dazu lesen Sie hier). Giuliani bestritt die Vorwürfe. Er habe niemals die US-Militärhilfe für die Ukraine mit Schlüsselfiguren der Affäre besprochen.

Auf seine geplatzten Geschäfte in der Ukraine angesprochen, habe Giuliani die Sache heruntergespielt, schreibt die "New York Times" nun. Er erklärte demnach, dass ein ukrainischer Beamter in der Regierung ihn dieses Jahr engagieren wollte, er habe aber abgelehnt. Giuliani sagte, er habe einen Monat lang über einen separaten Deal mit der ukrainischen Regierung nachgedacht, die Idee dann aber verworfen. "Ich habe nie einen Cent bekommen."

als/kko



insgesamt 35 Beiträge
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claus7447 27.11.2019
1. Giuliani....
... der rauchende Colt! Trump und in erster Linie die GOP Anhänger werden den Tag verdammen, an dem er ins Spiel kam. Trump wird mit ihm untergehen. Egal ob im Impeachment oder in den Wahlen!
draco2007 27.11.2019
2.
Ich will Guiliani vor dem Kongress sehen... Das wird wie in "Eine Frage der Ehre"... Nur eben nicht mit "you can't handle the truth", sondern "truth isn't truth"....aber ausrasten kann Rudy auch.... Ich verstehe ohnehin nicht, wie sich Rudy weigern kann vor dem Kongress auszusagen...er genießt keine Immunität und auch sonst keine Privilegien...
senapis 27.11.2019
3. Guiliani-Foto
Ein Vorschlag für eine bessere Bildunterschrift: "Drain the swamp!" (Detailansicht)
bauigel 27.11.2019
4. Einfach unglaublich
Da beauftragt der Präsident der USA seinen privaten Anwalt ohne jegliches politisches Amt in der Außenpolitik mitzumischen, und der private Anwalt nutzt diese Bevollmächtigung um zusätzliche Geschäfte zu machen. Einfach unglaublich. Und die Trumpisten beschweren sich, dass der Sohn eines möglichen Präsidentschaftskandidaten der keinerlei politische Ämter innehat für eine ukrainische Firma tätig zu sein. Verlogener geht es nicht mehr.
schocolongne 27.11.2019
5. Wie der Herr, so's Gescherr
Rudolph Giuliani ist ganz wie sein Top-Klient "ein Bild von einem Ehrenmann"... -ein Zerrbild.
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