Ermittlungen in Ukraineaffäre Trump kritisiert weitere Zeugin via Twitter

Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat US-Präsident Trump eine Zeugin in den Impeachment-Ermittlungen per Kurznachricht attackiert. Dieses Mal schon vor der öffentlichen Aussage.

US-Präsident Trump über Zeugin Jennifer Williams: "Wer auch immer das ist"
Tom Brenner/REUTERS

US-Präsident Trump über Zeugin Jennifer Williams: "Wer auch immer das ist"


US-Präsident Donald Trump hat sich auf Twitter abschätzig über eine weitere Zeugin in den Impeachment-Ermittlungen geäußert.

Jennifer Williams, "wer auch immer das ist", solle beide Mitschriften seiner Ukraine-Telefonate und die Stellungnahmen aus Kiew anschauen, schrieb Trump in dem Kurznachrichtendienst. Dann solle sie sich mit "den anderen Trump-Gegnern" treffen, die er nicht kenne und von denen er zum Großteil noch nie gehört habe, um eine "bessere Attacke auf den Präsidenten" auszuarbeiten, spottete er.

Williams ist Mitarbeiterin von US-Vizepräsident Mike Pence. Sie hatte am 7. November hinter verschlossenen Türen vor dem Kongress zu der Ukraine-Affäre ausgesagt. Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses veröffentlichte die Mitschrift ihrer Befragung am Samstagabend (Ortszeit). Sie hatte bei jenem Telefonat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 25. Juli mitgehört, das im Mittelpunkt der Ukraine-Affäre steht, und Trumps Forderungen darin als "unangemessen" kritisiert.

Trump hatte Selenskyj in dem Gespräch zu Ermittlungen gegen den Sohn seines Rivalen, des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden, ermuntert. Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus treiben deswegen Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump voran. Sie werfen ihm vor, sein Amt missbraucht zu haben, um Kiew zu drängen, sich zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einzumischen. Es besteht der Verdacht, dass Trump Militärhilfe an die Ukraine als Druckmittel einsetzte.

Zeugin Jennifer Williams, Mitarbeiterin im US-Außenministerium
Mark Wilson/Getty Images/AFP

Zeugin Jennifer Williams, Mitarbeiterin im US-Außenministerium

Williams nannte Trumps Forderung nach solch spezifischen Ermittlungen in dem Telefonat mit Selenskyj "ungewöhnlich" und "unangemessen". Sie sagte: "Für mich gab das Aufschluss zu möglichen anderen Motiven hinter der Zurückhaltung der Militärhilfe." Es habe den Anschein gehabt, als gehe es mehr um die "persönliche politische Agenda" des Präsidenten als um außenpolitische Ziele der USA.

Am Freitag hatte Trump bereits eine andere Zeugin, die frühere US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, in den Ermittlungen während ihrer laufenden, öffentlichen Befragung im Kongress, auf Twitter attackiert. Die Demokraten warfen ihm daraufhin "Einschüchterung von Zeugen" vor. Williams soll am kommenden Dienstag erneut vor dem Kongress aussagen - diesmal in öffentlicher Sitzung.

jki/dpa

insgesamt 46 Beiträge
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saaman 17.11.2019
1. Trump hat den Ernst der Lage nicht begriffen
Wie sollte er auch? Alles was sein Ego infrage stellt, alles was Schatten auf seinen Heiligenschein wirft, alles was seine Scheinwelt zu zerstören droht muss er zwangsläufig weit von sich weisen. Das tun Menschen oft, wenn die Realität für sie unerträglich wird.
kuac 17.11.2019
2.
Der Twitter-in-Chief sieht seine Felle davon schwimmen und versucht deshalb Zeuginnen einzuschüchtern und somit die Justiz zu behindern. Das ist die bekannte Mafia-Methode.
Wertheo 17.11.2019
3. Trump brach das Recht, nicht Biden
Wem nichts mehr einfällt, in der Sache zu argumentieren, geht ad personam. Trump fällt schon lange nichts mehr ein, er kann nur noch gegen seine Gegner polemisieren und sie denunzieren. Aber er hat das Recht nachweislich gebrochen, Biden nachweislich nicht. Im Gegenteil. Lächerlich macht sich, wer so fakenresistent ist, noch immer die Biden-Lüge Trumps zu glauben.
Fischerman_BX 17.11.2019
4. Er schadet sich selbst...
Nicht, dass es mich stören würde, wenn DT sich selbst ins Abseits schießt. Ich bin eher der Typ, der sich alle Seiten anhört. Aber durch seine Social Media-Ausfälle bin ich geneigt, der Zeugin mehr zu glauben als ihm.
Little_Nemo 17.11.2019
5. Die nächste Eskalationsstufe
Trump setzt offenbar auf Bürgerkrieg und hetzt jetzt seine Anhänger auf. Der wird nicht freiwillig gehen. Man kann nur hoffen, dass Militär, Polizei und Geheimdienste vorbereitet sind und zur Verfassung stehen. Ich habe es von Anfang an gesagt, und es scheint sich nun zu bestätigen: Trumps kompletter Präsidentschaftszirkus, von der Kandidatur, über sein Verhalten als Präsident bis zu seinem halbstarken Geprolle jetzt gegen die Zeugen ist nichts anderes als ein Putschversuch. Der Mann ist der übelste Landesverräter seit Benedict Arnold. Und selbst den stellt er weit in den Schatten.
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