Ukraine-Konflikt Amnesty wirft Regierung und Separatisten Folter vor

Mit Prügel, Elektroschocks und Zigarettenglut sollen in der Ukraine Geständnisse erzwungen worden sein. Menschenrechtler werfen beiden Seiten des noch immer schwelenden Konflikts Folter und Entführung vor.


Der Konflikt in der Ukraine tobt zwar nicht mehr wie noch vor zwei Jahren, dennoch geschehen in dem Konflikt nach wie vor Menschenrechtsverletzungen. Das beklagen die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International. Sie werfen der ukrainischen Regierung und den Separatisten Folter und Entführung vor.

In einem in Kiew vorgestellten Report dokumentierten beide Organisationen massive Verstöße durch Regierungseinheiten sowie prorussische Separatisten im Jahr 2015 und in der ersten Hälfte von 2016. Demnach betreibt der ukrainische Geheimdienst SBU illegale Gefängnisse, in denen Häftlingen Geständnisse abgepresst wurden - mit Prügel, Elektroschocks und Zigarettenglut. Verdächtige würden dort bis zu 15 Monate festgehalten.

Laut dem Bericht gehen auch die Separatisten in mindestens fünf Einrichtungen gegen vermeintliche Unterstützer Kiews vor. In einem dokumentierten Beispiel wurde ein 39-jähriger Mann von beiden Seiten nacheinander gefoltert.

Die Menschenrechtler beklagten zudem den schweren Zugang zu verdächtigen Orten auf beiden Seiten. Erst im Juni war einer Uno-Mission der Zutritt zu vermeintlichen SBU-Geheimgefängnissen verweigert worden. Das Team reiste unter Protest wieder ab. Die Behörden gaben daraufhin zu, dass ein SBU-Gefängnis in Kiew existiere. Die Ex-Sowjetrepublik hatte 2003 dem Europarat mitgeteilt, alle Gefängnisse des Geheimdienstes geschlossen zu haben.

vek/dpa



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