Propaganda gegen Ukraine Russischer TV-Sender präsentiert angeblichen deutschen Agenten

Die Maidan-Revolution? Ein vom Westen finanzierter Putsch! So versuchen es Russlands Staatssender darzustellen. Doch jetzt lief etwas schief: Mehrere TV-Stationen präsentierten einen angeblichen Deutschen, der mal als Söldner, mal als Kinderarzt auftrat.
Angeblicher deutscher Agent im russischen TV: Wer ist Andrej Petchow?

Angeblicher deutscher Agent im russischen TV: Wer ist Andrej Petchow?

Foto: NTW

Mit Grabesstimme kündigt der Moderator eine Enthüllung von Weltformat an. Eine, die zu diplomatischen Verwicklungen führen müsste zwischen Moskau und Berlin. Sofern sie denn stimmt - damit hapert es gelegentlich bei den Berichten im Abendprogramm von NTW. Der Sender gehört zum Medien-Imperium des russischen Gazprom-Konzerns und beschuldigt mit Vorliebe die russische Opposition, sie sei gekauft vom State Department, dem amerikanischen Außenministerium.

Doch diesmal geht es nicht um die USA, sondern um Deutschland. In der südukrainischen Stadt Nikolajew sei es gelungen, einen deutschen Söldner festzusetzen. Er habe eine Gruppe von 50 Nationalisten vorbereiten sollen auf "gewalttätige Aktionen". Die Mitglieder der Gruppe seien allesamt Staatsbürger aus Westeuropa.

Die Kamera schwenkt auf einen Mann: Er liegt auf dem Krankenbett, er nennt sich Andrej Petchow, der Moderator nennt ihn allerdings Petkow. Er habe Geld mitgebracht für die Aktivisten der Maidan-Revolution, aus Deutschland, versichert er. Die Rede ist von 500.000 Euro. Petkow habe auch einen deutschen Pass, heißt es in dem Bericht.

Der Mann mit den buschigen Brauen agiert dann im Interview allerdings etwas sonderbar. Er spricht davon, dass er es gern gesehen hätte, wenn die Truppe schön "zivilisiert" aussähe, "ähnlich wie im Ausland". Er habe deshalb auch 50 Uniformen bestellt. Seine eigentliche Mission bleibt jedoch unklar bei dem TV-Auftritt, deshalb sekundiert eine Stimme aus dem Off: Ziel sei es gewesen, möglichst viele prorussische Demonstranten "zu Krüppeln zu machen".

Der vermeintliche Agent spricht auch davon, Inhaber von 15 Altersheimen in Deutschland zu sein. Überdies habe er auch ein Schloss in der Schweiz, genauer gesagt "ein Château". Er habe auch nicht nur einen deutschen Pass, er sei "Bürger des Planeten".

NTW beendet den Bericht nicht ohne darauf hinzuweisen, dem Korrespondenten des Senders sei es da gelungen, "ein exklusives Interview" mit Andrej Petkow aufzuzeichnen.

Mal Agent, mal Kinderchirurg

So richtig exklusiv war das Interview jedoch nicht. Denn Petkow hatte auch mit anderen russischen Sendern gesprochen.

Der Sender Rossija-1 - ebenfalls Kreml-treu - strahlte sein Interview mit Petkow in den Abendnachrichten aus, zur besten Sendezeit. Von Uniformen und antirussischen Söldnern war da allerdings keine Rede mehr. Im Gegenteil: Petkow sei am 7. April "wie üblich auf den zentralen Platz gekommen und habe kundtun wollen, dass er mit der neuen Staatsmacht nicht einverstanden" sei.

Plötzlich seien allerdings Radikale aufgetaucht, mit Rückendeckung von Kiews Militär und Polizei, und hätten "ein echtes Massaker" unter den Demonstranten angerichtet. Daher die Verletzungen von Petkow, der die Fragen des Korrespondenten von Rossija-1 ebenfalls von seinem Krankenhausbett aus beantwortet.

"Heimatstadt gegen Neonazis verteidigen"

Auch ein drittes Interview verwundert: Petkow sei Kinderchirurg aus Deutschland, er habe 200 Kindern das Leben gerettet, so stellt ihn ein regierungstreuer Sender von der russischen Krim vor. Vor vielen Jahren sei er nach Deutschland ausgewandert "um seine Heimatstadt gegen die angreifenden Neonazis zu verteidigen".

Russische Sender versuchen seit Beginn der Maidan-Revolution, den Aufstand als vom Ausland bezahlten Putsch faschistischer Kräfte darzustellen. Petkows multiple Medienpersönlichkeit blieb allerdings auch in Russland nicht lange verborgen. Die Fernsehsender reagierten: NTW warb um Verständnis, im Chaos einer Revolution sei es eben schwierig, Aussagen zu überprüfen - vor allem, wenn "viele Gauner" auftauchten und sich "unterschiedlich vorstellten".

Rossija-1 sieht das etwas anders. Man sei schockiert, dass da entweder NTW oder man selbst falschen Informationen aufgesessen sei. Die wahren Schuldigen seien aber "die neuen ukrainischen Machthaber, die nicht genug russische TV-Teams" ins Land ließen, sagte ein Sprecher des Senders der BBC.

Die Petkow-Panne hat den russischen Sendern Spott von den Kollegen in der Ukraine eingebracht. Der Kiewer Sender RTVI kommentierte spitz, im Propagandakrieg um die Deutungshoheit in der Ukraine-Krise habe Moskau "wohl nicht genug Soldaten".