Georgiens Ex-Präsident Wütende Anhänger befreien Saakaschwili aus Polizeiauto

In einem dramatischen Einsatz hatte die ukrainische Polizei Michail Saakaschwili bei seiner Wohnung in Kiew festgenommen. Doch Anhänger des georgischen Ex-Staatschefs stellten sich den Beamten in den Weg.

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Hunderte Demonstranten haben die Festnahme von Georgiens Ex-Präsident Michail Saakaschwili in Kiew vorerst verhindert. Die Polizei hatte den Politiker, der mittlerweile als Oppositioneller in der Ukraine agiert, in einer spektakulären Aktion bei seiner Wohnung aufgegriffen. Saakaschwili wurde zunächst in Handschellen abgeführt und in einen Polizeibus gesetzt. Doch offenbar konnte er sich mit Hilfe seiner Anhänger wieder befreien.

Auf Bildern ist der Politiker umringt von seinen Anhängern in Siegespose zu sehen. Nach Berichten der Nachrichtenagenturen Reuters und AP befindet sich Saakaschwili derzeit mit mehreren Hundert Menschen auf dem Weg zum Parlament, um den Rücktritt von Präsident Petro Poroschenko zu fordern.

Am Vormittag hatte der ukrainische Geheimdienst SBU mitgeteilt, Saakaschwili sei wegen des Verdachts auf Unterstützung einer kriminellen Vereinigung festgesetzt worden. Die Polizei hatte zuvor die Wohnung Saakaschwilis durchsucht. Danach kletterte dieser auf das Dach des Hauses und sprach zu seinen Anhängern.

Der Eingang zu dem Gebäude wurde von Dutzenden bewaffneten Sicherheitskräften blockiert, nachdem Saakaschwili vom Dach herunter und in ein Polizeifahrzeug gebracht wurde, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Unterstützer blockierten anschließend den Bus.

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Michail Saakaschwili: Die spektakuläre Befreiung in Bildern

Gouverneur in Odessa

Saakaschwili war nach seiner Zeit als georgischer Staatschef auf Einladung der Regierung in Kiew in die Ukraine gekommen, wo er zunächst Gouverneur der Region Odessa wurde. Später kam es aber zu einem Zerwürfnis mit dem Präsidenten Poroschenko.

Im Juli wurde Saakaschwili die ukrainische Staatsbürgerschaft aberkannt, nachdem dieser die Maßnahmen seiner Regierung im Kampf gegen die Korruption kritisiert hatte. Saakaschwili, dem zuvor bereits die georgische Staatsbürgerschaft entzogen worden war, wurde dadurch staatenlos.

In einer spektakulären Aktion waren Saakaschwili und Unterstützer von ihm im September in die Ukraine zurückgekehrt, indem sie zu Fuß die Grenze überwanden und Grenzschützer beiseite schoben. Saakaschwili hatte sich entschlossen gezeigt, die ukrainische Staatsbürgerschaft zurückzuerlangen und in die Politik zurückzukehren.

Die ukrainischen Behörden gaben Saakaschwili nun einen Tag, um sich selbst zu stellen. "In 24 Stunden wird das gesamte Rechtssystem der Ukraine alles Notwendige dafür tun, dass der staatenlose Saakaschwili vor den Ermittlern und danach vor Gericht erscheint", sagte Generalstaatsanwalt Juri Luzenko im Parlament. Zugleich rief er die Demonstranten vor der Obersten Rada auf, ein Zeltlager zu räumen.

kev/AP/Reuters



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