Krise in der Ukraine Armee warnt vor Eskalation der Proteste

Die Militärführung der Ukraine schaltet sich in den Machtkampf in Kiew ein. Es sei unzumutbar, dass Demonstranten staatliche Gebäude besetzten, Präsident Janukowitsch müsse "dringend" handeln. Ein entführter Demonstrant wirft den Sicherheitskräften derweil schwerste Misshandlungen vor.

Maskierter Demonstrant in Kiew: Uno verlangt Aufklärung von Folter-Vorwürfen
DPA

Maskierter Demonstrant in Kiew: Uno verlangt Aufklärung von Folter-Vorwürfen


Kiew - Bislang hat sich die ukrainische Armee aus dem Machtkampf in Kiew herausgehalten. Doch nun warnt die Militärführung in einer amtlichen Erklärung vor einer Spaltung des Landes. Zugleich haben die Streitkräfte Präsident Wiktor Janukowitsch aufgerufen, die Krise in der Ukraine zu entschärfen.

"Die Soldaten und Angestellten des Verteidigungsministeriums rufen den Oberkommandeur der Streitkräfte (den Präsidenten) auf, im Rahmen der aktuellen Gesetze dringende Schritte zu ergreifen, um die Situation im Land zu stabilisieren und Einverständnis in der Gesellschaft zu erreichen", hieß es in der Erklärung, die am Freitag auf der Webseite des Verteidigungsministeriums veröffentlicht wurde.

"Die Erstürmung öffentlicher Gebäude und die Versuche, die Regierung an der Erfüllung ihrer Aufgaben zu hindern" seien unzumutbar, erklärte die Armeeführung. Die Soldaten und Angestellten warnten davor, dass eine "Verschärfung der Konfrontation die territoriale Integrität" der Ukraine bedrohe.

"Sie haben mein Ohr abgeschnitten, mein Gesicht zerschnitten"

Ein vor einer Woche entführter ukrainischer Demonstrant hat derweil seinen Peinigern nach seiner Freilassung schwere Misshandlungen vorgeworfen. "Sie haben mich gekreuzigt. Sie haben meine Hände durchstoßen", sagte der 35-jährige Dmitro Bulatow im Fernsehen.

Er zeigte dabei die Wunden an seinen Handrücken. "Sie haben mein Ohr abgeschnitten, mein Gesicht zerschnitten. Es gibt keine einzige heile Stelle an meinem Körper. Aber Gott sei Dank bin ich am Leben."

Oppositionsführer Vitali Klitschko bezeichnete die Folter des Demonstranten nach einem Besuch bei Bulatow als Versuch, alle Aktivisten einzuschüchtern.

Bulatow wurde seit dem 23. Januar vermisst. Er hatte sich an mehreren Autokorsos beteiligt, die zu den Wohnsitzen der ukrainischen Spitzenpolitikern führten. Nach Auskunft eines Freundes wurde er von seinen Peinigern im Wald ausgesetzt und habe sich aus eigener Kraft in ein Dorf gerettet. Inzwischen wird er in einem Krankenhaus behandelt.

Polizei hat ihr Vorgehen gegen die Teilnehmer der Autokorsos zuletzt verschärft und Oppositionsgruppen zufolge inzwischen etwa 20 Menschen festgenommen. Die Uno forderte am Freitag eine unabhängige Untersuchung der Berichte über Entführungen und Folter in der Ukraine.

Kerry trifft sich in München mit Klitschko

Präsident Janukowitsch machte am Donnerstag die Opposition für die zunehmende Gewalt in seinem Land verantwortlich. Sie heize die Situation "nur wegen der politischen Ambitionen einiger Führer" an, sagte Janukowitsch. Er gestand aber erstmals auch Fehler ein. Zuvor hatte das Präsidialamt überraschend mitgeteilt, dass der Präsident an einer Atemwegserkrankung und starkem Fieber leide und sich deshalb mitten in der Krise eine Auszeit genommen habe.

Am Wochenende will sich US-Außenminister John Kerry am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz erstmals mit führenden Vertretern der ukrainischen Opposition treffen. Kerry werde unter anderem mit dem früheren Boxweltmeister Vitali Klitschko sowie mit Oppositionspolitiker Arsenij Jazenjuk sprechen, teilte am Donnerstag ein Vertreter des US-Außenministeriums mit. Bei den Gesprächen sollen Möglichkeiten für die Bildung einer neuen Regierung in der Ukraine ausgelotet werden.

syd/AFP/dpa



insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
-volver- 31.01.2014
1. :-)
da will wohl jemand die macht ergreifen.
kdshp 31.01.2014
2.
Zitat von sysopDPADie Militärführung der Ukraine schaltet sich in den Machtkampf in Kiew ein. Es sei unzumutbar, dass Demonstranten staatliche Gebäude besetzten, Präsident Janukowitsch müsse "dringend" handeln. Ein entführter Demonstrant wirft den Sicherheitskräften derweil schwerste Misshandlungen vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-armee-in-kiew-warnt-janukowitsch-vor-eskalation-der-proteste-a-950358.html
Kann ich gut verstehen denn der "Militärführung" geht der arsch auf grundeis. Diese Militärführung hängt ja mit der jetzigen regierung unter einer decke ABER die soldaten sind zu 90% junge menschen. Das heißt DIE haben keinen bock mehr darauf sich verarschen zu lassen. Das sieht man ja auch in anderen ländern wo die junge generation auf die bariakden geht. Wenn es in der ukraine knallt werden auch bei der Militärführung köpfe rollen das aber real. Wenn herr Janukowitsch nicht bald geht dann wird er gegangen! Kommt es zu einem bürgerkrieg kann er und auch die Militärführung nur verlieren dessen sind die sich wohl so langsam im klaren.
thinkrice 31.01.2014
3.
Holt sich Klitschko in München neue Anweisungen von seinem Herrn und Meister ab?! Ich finde es erschreckend, dass es zu keinem Aufschrei führt, wenn Oppositionspolitiker sich mit ausländischen Mächten treffen um über die Regierungsbildung zu sprechen. Vielleicht sollte die Linke mal in China anfragen, ob die nicht gewillt sind den Linken bei der Machtübernahme zu helfen. China könnte zum Beispiel die Finanzierung irgendwelcher Protestlager übernehmen und dafür sorgen, dass die Demonstranten einheitliche Flaggen schwingen und ähnliche Erkennungszeichen tragen. Als Gegenleistung könnte die Linke den Chinesen die Stationierung von atomarbestückten Kurz- und Mittelstreckenraketen erlauben...
jens.kramer 31.01.2014
4. Klitschko
Klitschko pokert zu hoch. Der vergisst, dass die Bewohner der Ost-Ukraine seinen EU-freundlichen Kurs nicht mittragen. Vielleicht haben die Ost-Ukrainer auch nur die Verhältnisse in Griechenland vor Augen... Jedenfall ist der Spatz Russland in der Hand immer noch besser als die Taube EU auf dem Dach.
Thomas-Melber-Stuttgart 31.01.2014
5.
Zitat von sysopDPADie Militärführung der Ukraine schaltet sich in den Machtkampf in Kiew ein. Es sei unzumutbar, dass Demonstranten staatliche Gebäude besetzten, Präsident Janukowitsch müsse "dringend" handeln. Ein entführter Demonstrant wirft den Sicherheitskräften derweil schwerste Misshandlungen vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-armee-in-kiew-warnt-janukowitsch-vor-eskalation-der-proteste-a-950358.html
Übel, wenn das stimmt. Hat man auch über die zwei (oder drei) ermordeten Polizisten berichtet?
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