Ukraine Bewaffnete besetzen Flughafen auf der Krim

Das Kräftemessen im Kampf um die Krim dauert an. Bewaffnete besetzten vergangene Nacht kurzzeitig den Flughafen der autonomen Halbinsel. Laut ukrainischem Innenministerium handelte es sich um Soldaten der russischen Föderation. Kiew spricht von einer Invasion.
Ukraine: Bewaffnete besetzen Flughafen auf der Krim

Ukraine: Bewaffnete besetzen Flughafen auf der Krim

Foto: Andrew Lubimov/ AP/dpa

Kiew/Moskau - Eine Gruppe von etwa 50 Bewaffneten hat den Flughafen der Stadt Simferopol auf der Krim kurzzeitig besetzt. Das Gebäude sei gegen Mitternacht erst von einer selbsternannten Kosaken-Einheit in Zivil gestürmt worden. Die Angreifer seien aber von ukrainischen Sicherheitskräften abgedrängt worden und hätten sich zurückgezogen.

"Gegen 1.30 Uhr erreichten auf mehreren Lkw 119 Soldaten mit automatischen Gewehren und in Tarnanzügen ohne Erkennungszeichen das Gebäude des Flughafens," heißt es in einer Mitteilung des ukrainischen Innenministers Arsen Awakow. Die Männer hätten sich ins Restaurant des Flughafens gesetzt. "Aus ihrer Zugehörigkeit zu den Streitkräften der Russischen Föderation machen sie kein Geheimnis," so das Innenministerium weiter. Ukrainische Polizisten hätten sie darauf hingewiesen, dass sie "Militärs sind und kein Recht haben, sich hier aufzuhalten". Darauf sollen sie geantwortet haben: "Wir haben keine Anweisung, mit ihnen Gespräche zu führen."

Waffengewalt sei von keiner Seite angewendet worden, die Lage sei "statisch", so der Innenminister. Die ukrainische Polizei sei aber nicht fähig, "sich regulären Truppen entgegenzustellen". "Ich werte diese Vorgänge als bewaffnete Invasion und Besetzung - unter Verletzung aller internationalen Verträge und Regeln." Offenbar wolle jemand Blutvergießen provozieren.

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Ukraine droht die Spaltung: Krisenherd Krim

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Der Sender Russia Today berichtete unter Berufung auf den Pressedienst des Flughafens im Kurznachrichtendienst Twitter, die Eindringlinge hätten das Gelände wieder verlassen, nachdem sie keine ukrainischen Soldaten angetroffen hätten. Sie hätten sich sogar entschuldigt, hieß es bei Russia Today. Der Betrieb des Flughafens sei nicht beeinträchtigt worden.

Die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine schrieb, die Männer hätten Militäruniformen getragen. Augenzeugen hätten erklärt, die Bewaffneten hätten dieselbe militärische Kleidung getragen wie die Männer, die am Donnerstagmorgen die Gebäude von Parlament und Regionalregierung auf der ukrainischen Halbinsel Krim besetzt hätten. Die Männer seien in Fahrzeugen ohne Kennzeichen am Flughafen vorgefahren.

Am Morgen hieß es, der Zugang zum Flughafen sei offen und Passagiere würden abgefertigt. Etwa ein Dutzend Bewaffneter patrouilliere innerhalb und außerhalb des Gebäudes, berichten mehrere Nachrichtenagenturen.

Seit Donnerstag entwickelt sich die Halbinsel Krim immer mehr zum Krisenherd: Das von prorussischen Milizen besetzte Regionalparlament in der Hauptstadt Simferopol hat eine Volksbefragung über die Zukunft der mehrheitlich russischsprachigen Region beschlossen. Sie soll am 25. Mai stattfinden, also am gleichen Tag, an dem in der Ukraine Präsidentschaftswahlen angesetzt sind. Zudem setzten die Abgeordneten die bisherige Regionalregierung ab, teilte die Presseabteilung der Volksvertretung mit.

In Kiew forderte die neue ukrainische Übergangsregierung Russlands Militär auf, nicht auf der Krim zu intervenieren. Auf der Halbinsel, genauer in Sewastopol, hat die russische Schwarzmeerflotte ihren Stützpunkt. Die Nato warnte vor einer dramatischen Eskalation, nachdem Russland Truppen für ein Militärmanöver an der Grenze zur Ukraine mobilisiert hatte.

ler/dpa/AFP
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