Brennan in der Ukraine Was machte der CIA-Chef in Kiew?

Eine brisante Enthüllung russischer Medien: CIA-Chef John Brennan war auf geheimer Mission in Kiew. Moskau bezichtigt den Geheimdienstchef prompt, einen Einsatz gegen Separatisten in der Ostukraine organisiert zu haben. Die USA spielen den Besuch herunter.
CIA-Chef Brennan: "Er war hier unter einem anderen Namen"

CIA-Chef Brennan: "Er war hier unter einem anderen Namen"

Foto: CHIP SOMODEVILLA/ AFP

Washington/Moskau - Diese Meldung kam dem Kreml gerade recht: Auf dem Höhepunkt des Konflikts zwischen der Regierung in Kiew und prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine soll CIA-Chef John Brennan am Wochenende in der ukrainischen Hauptstadt gewesen sein. Russische Medien hatten unter Berufung auf ranghohe Beamte im Kiewer Sicherheitsapparat als erste über die brisante Visite berichtet.

Moskaus Außenminister Sergej Lawrow forderte von Washington umgehend Aufklärung über den Zweck der Reise. Aus Sicht Russlands passte alles zusammen: Am Samstag soll Brennan in der Ukraine eingetroffen sein, kurz darauf kündigte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow einen Anti-Terror-Einsatz gegen die Separatisten in Slawjansk und anderen Städten im Osten des Landes an. Für den Kreml und die russischen Medien ist dieser Zusammenhang ein weiterer Beleg dafür, dass die USA das Handeln der Regierung in Kiew maßgeblich steuern.

"Er war hier unter einem anderen Namen. Nach seinen Treffen mit Sicherheitschefs wurde die Operation in Slawjansk beschlossen", behauptete ein anonymer ukrainischer Beamter gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Der abgesetzte ukrainische Staatschef Wiktor Janukowitsch beschuldigte die CIA, ebenfalls hinter dem Einsatz in der Ostukraine zu stehen.

Angesichts der Vorhaltungen aus Russland sah sich das US-Außenministerium zu seiner Erklärung genötigt. John Kerrys Sprecherin Jennifer Psaki bestätigte am Montag, dass Brennan tatsächlich in Kiew war - angeblich zu einem Routinebesuch. "Normalerweise kommentieren wir die Reisen des CIA-Direktors nicht, aber angesichts der außergewöhnlichen Umstände und der falschen Anschuldigungen der Russen können wir bestätigen, dass der Direktor im Rahmen seiner Europareise in Kiew war", sagte Psaki.

Republikaner fordert mehr US-Hilfe für Kiew

Besuche hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter seien ein übliches Mittel, um die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden zu vertiefen, sagte die US-Sprecherin weiter . "Geheimdienstbeamte aus den Vereinigten Staaten und Russland haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder getroffen. Es ist absurd zu unterstellen, dass die Treffen zwischen US-Beamten und ihren Kollegen aus anderen Staaten einen anderen Zweck verfolgen." Brennan habe Kiew keinesfalls zu einem Vorgehen gegen die Separatisten in der Ostukraine aufgefordert. "Diese Behauptungen sind komplett falsch", sagte Psaki.

Der Besuch könnte aber den Grundstein für eine engere geheimdienstliche Zusammenarbeit zwischen den USA und der Ukraine legen. "Brennans Besuch wird hoffentlich dazu führen, dass wir unsere Informationen über die russischen Aktivitäten gegen die Ukraine besser untereinander austauschen", sagte der republikanische Abgeordnete Mike Rogers, Chef des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus.

Bislang hält Washington offenbar die wichtigsten Informationen über den russischen Aufmarsch im Grenzgebiet zur Ukraine zurück. In der vergangenen Woche enthüllte "The Daily Beast", dass US-Militärs die Anweisung erhalten hätten, ihre detaillierten Erkenntnisse über Truppenbewegungen der russischen Armee vor ihren ukrainischen Konterparts geheimzuhalten. Rogers war selbst kürzlich zu Gesprächen in Kiew: "Ukrainische Regierungsvertreter und Geheimdienstler haben mir gegenüber deutlichgemacht, dass sie mehr Hilfe brauchen", sagte der Abgeordnete.

Was genau Brennan mit seinem Blitzbesuch in Kiew bezweckte, dürfte also erst deutlich werden, wenn sich die Ukraine-Krise weiter zuspitzen sollte.

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