Ukraine-Krise Künftiger Pentagon-Chef ist für Waffenlieferungen

Wollen die USA Waffen an die Ukraine liefern? Präsident Obama hat das vorerst ausgeschlossen - doch nun sagt sein designierter Verteidigungsminister: "Wir müssen den Ukrainern helfen, sich zu verteidigen."

Ukrainische Soldaten in der Ostukraine: Unterstützung aus Übersee?
REUTERS

Ukrainische Soldaten in der Ostukraine: Unterstützung aus Übersee?


Washington - Er ist Barack Obamas Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers, aber offenbar nicht in allen Punkten der Meinung des US-Präsidenten: Ashton Carter hat sich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Vor dem Senat in Washington erklärte Carter am Mittwoch, er würde im Falle seiner Bestätigung durch den Kongress einen solchen Schritt empfehlen. Die Regierung Obama indes hatte zuletzt erklärt, "in der nahen Zukunft" keine Waffen an die Ukraine zu liefern.

Carter sieht das anders: "Wir müssen den Ukrainern dabei helfen, sich selbst zu verteidigen", sagte er. Auf die Frage, ob er Waffenlieferungen an die Regierung in Kiew befürworte, sagte er: "Ich tendiere sehr stark in diese Richtung." Zur Art der Waffen könne er aber noch nichts sagen, erklärte Carter, den Obama als Nachfolger von Pentagon-Chef Chuck Hagel vorgeschlagen hat.

In den USA wird nach der jüngsten Offensive der prorussischen Separatisten erwogen, die Regierung in Kiew mit Waffen zu beliefern - die Bundesregierung hat sich entschieden dagegen ausgesprochen. Auch Obama lehnte Waffenlieferungen an die Ukraine bislang ab. Die USA halfen Kiew bislang nur mit Ausrüstung wie Medikamenten, Helmen, Schutzwesten oder Nachtsichtgeräten. Angesicht des jüngsten Gewaltausbruchs in der Ostukraine sei jedoch die Idee gereift, defensive Waffen an Kiew zu liefern, hieß es zuletzt aus US-Regierungskreisen.

Obama hatte den 60-jährigen Carter Anfang Dezember als neuen Verteidigungsminister nominiert. Der frühere Vizechef des Pentagon ist auch bei den oppositionellen Republikanern angesehen, seine Bestätigung durch den Senat gilt daher als sehr wahrscheinlich.

Hagel hatte Ende November seinen Rücktritt angekündigt. Medienberichten zufolge hatte der Präsident ihn wegen Differenzen über die Strategie gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu diesem Schritt gedrängt. Carter wäre nach Hagel, Leon Panetta und Robert Gates bereits der vierte Verteidigungsminister seit Obamas Amtsantritt im Januar 2009.

mxw/AFP/Reuters

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
taglöhner 04.02.2015
1. Lieber Cop, böser Cop
Nur USA hat die Power, den Problembären im Kreml auch militärisch die gelbe Karte zu zeigen. EU-Europa braucht noch mehr diplomatischen Spielraum, um die Reihen geschlossen halten zu können. Es ist wichtig, dass die russische Führung möglichst wenig Nägel mit Köpfen macht, bevor die Sanktionen unerträglich werden... Für ein friedliches, buntes Europa mit selbstbewussten, kreativen, und nicht nationalistisch-chauvinistischen, völkisch und religiös vernebelten russischen Kritikern, Freunden und Partnern!
herzblutdemokrat 04.02.2015
2. Besser so...
Die Amis sollten die Ukraine unbedingt mit Waffen beliefern, während wir weiter diplomatisch Druck ausüben. Nur die USA kann Russland den Dämpfer verpassen damit es endlich Ruhe gibt. Putin weiß um die Stärke der Amerikaner und wird deshalb keinen Konflikt mit Ihnen suchen. Europa sollte sich auf seine gigantische wirtschaftliche Stärke besinnen und die Sanktionen weiter aufrecht erhalten. Wenn Putin sich aus der Ukraine zurückzieht, können wir wieder mit ihm verhandeln. Solidarität für die Ukraine!
hdwinkel 04.02.2015
3. Erwartungen
Zitat von taglöhnerNur USA hat die Power, den Problembären im Kreml auch militärisch die gelbe Karte zu zeigen. EU-Europa braucht noch mehr diplomatischen Spielraum, um die Reihen geschlossen halten zu können. Es ist wichtig, dass die russische Führung möglichst wenig Nägel mit Köpfen macht, bevor die Sanktionen unerträglich werden... Für ein friedliches, buntes Europa mit selbstbewussten, kreativen, und nicht nationalistisch-chauvinistischen, völkisch und religiös vernebelten russischen Kritikern, Freunden und Partnern!
Was den Gelbe-Karten-Vergleich betrifft: Die USA sind keineswegs Schiedsrichter, sondern Mitspieler. Für ein friedliches Europa bin ich auch, nur tragen Waffenlieferungen in die Konfliktregion -von welcher Seite auch immer- natürlich nichts dazu bei, sondern das Gegenteil dürfte der Fall sein. Und nur auf Russland zu schimpfen unterschlägt, daß sich dort zwei nationalistische Lager bekämpfen, die auf die dort lebende Bevölkerung keinerlei Rücksicht nehmen. Kiew ist kein Opfer, sondern längst Täter.
andy2000münchen 04.02.2015
4. Waffenlieferung sofort
Die USA sollte sofort mit Waffenlieferung an die Ukraine beginnen, die Europäer können nebenher versuchen mit Russland zu verhandeln. Die Sanktionen müssen bestehen bleiben. Europa muss geschlossen gegenüber Putin auftreten. Er muss erkennen, dass er unsere demokratische Länder nicht spalten kann. Anders können wir nicht gegen Putin bestehen.
laimelgoog.0815 04.02.2015
5. Es wird höchste Zeit für Waffenlieferungen
Wie sollte sich den sonst die Ukraine gegen die russischen "Separatisten" verteidigen. Wie kann es sein, dass diese ihr Gebiet standig vergrößern? Keiner möchte diese Terroristen die feige auf Zivilisten Raketen schiessen (Mariupol) haben. Das ukrainische Volk möchte Frieden und Selbstbestimmung welchen Kurs das Land auch immer einschlägt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.