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Ukraine nach dem Umsturz Die mysteriöse Flucht des Wiktor Janukowitsch

Wo steckt der Ex-Präsident der Ukraine? Seit Wiktor Janukowitsch geschasst wurde, ist er untergetaucht. Hinweisen zufolge irrt er im Zickzack durch das Land. Die Umstände der Flucht sind Gegenstand wilder Spekulationen: Die Rede ist von russischen Helfern und einem gigantischen Geldschatz.

Hamburg - Sie fordern die Todesstrafe, sie wollen ihn pfählen, zumindest aber soll er vor ein Tribunal - ginge es nach den Menschen, die monatelang auf dem Maidan demonstriert haben, müsste der geschasste Präsident Wiktor Janukowitsch mit dem Schlimmsten rechnen. Um die Demonstranten in ihre Schranken zu weisen, ließ der Noch-Präsident der Ukraine in der vergangenen Woche mit scharfer Munition auf sie schießen. Nun sinnen einige wohl auf Rache.

Offiziell wird Janukowitsch polizeilich gesucht. Das teilte der Innenminister des Landes am Montag mit. Denn: Wo sich der ehemalige Präsident derzeit aufhält, ist unklar.

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Im Zickzack durch die Ukraine: Janukowitsch auf der Flucht

Foto: KONSTANTIN CHERNICHKIN/ REUTERS

Vermutungen und Aussagen sind derzeit widersprüchlich. Nachdem er am Freitag die Erklärung mit EU-Außenministern und Oppositionsführern unterschrieben hatte, muss Janukowitsch die Hauptstadt verlassen haben. Welche Wege er anschließend nahm, ist ungeklärt:

  • Der Abgeordnete der Opposition Wladimir Kurennoj postete auf Facebook , der Präsident sei auf der Krim-Halbinsel verhaftet worden. Seine unbestätigte Information hat sich nun als falsch erwiesen, schließlich meldete das Innenministerium die polizeiliche Fahndung.
  • Das ukrainische Nachrichtenportal "Liga.net"  berichtete, Bürger von Sewastopol hätten Janukowitsch in der Begleitung russischer Marinesoldaten gesehen. Auch diese Behauptung konnte nicht von unabhängigen Quellen oder von Sprechern regionaler und nationaler Innenministerien bestätigt werden.
  • Auch der kommissarische Innenminister Arsen Awakow äußerte sich auf seiner Facebook-Seite : "Janukowitsch ist auf der Flucht. Die ganze Nacht habe ich gemeinsam mit dem Chef des Sicherheitsdienstes, Walentin Naliwajtschenko, versucht, die Situation in Sewastopol zu regeln, und war mit der Suche nach dem Ex-Präsidenten des Landes beschäftigt." Am Samstag habe Janukowitsch sich mit einem Hubschrauber zum Flughafen Donetzk begeben. "Nach zwei Stunden ist er gemeinsam mit ein paar Wachleuten in ein Flugzeug des Typ Falcon eingestiegen, wurde aber aufgehalten." Am Abend des 22. Februars sei Janukowitsch mit einem Auto in Richtung Krim aufgebrochen.
  • Die Nachrichtenagentur Reuters schildert, Janukowitsch habe von der Krim aus die Richtung gewechselt, nachdem er erfahren hatte, dass der Geheimdienst dort auf ihn wartete. In einer Privatresidenz in der Region Balaclava habe er sein Sicherheitspersonal vor die Wahl gestellt, bei ihm zu bleiben oder zu gehen. So zitiert Reuters den Innenminister Awakow. Manche seien daraufhin gegangen und hätten ihre staatlich registrierten Waffen auf der Krim abgeliefert. "Mit den verbleibenden Bodyguards fuhr Janukowitsch in drei Fahrzeugen zu einem unbekannten Ziel. Alle Kommunikationsmittel sind ausgeschaltet", erklärt Awakow.
  • Laut "Bild"-Zeitung ließ Janukowitsch in der Nacht zu Samstag "kistenweise Geld (angeblich 560 Millionen Dollar) auf Lastwagen und Jeeps laden und per Hubschrauber ausfliegen". Im Bericht wird vermutet, das Geld sei nach Charkow in der Ost-Ukraine geflogen worden. Quellen nennt das Blatt dafür nicht.

Am Samstag hatte Janukowitsch noch in einem TV-Interview erklärt, er wolle seinen Platz nicht räumen. Und obwohl er anschließend vom Parlament abgesetzt wurde, zeigte er sich am Sonntag offenbar unbeirrt: Ein Vertrauter erklärte der Nachrichtenagentur AP am Sonntag, Janukowitsch plane, im Amt zu bleiben.

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Ukraine: Das Volk stürmt Janukowitschs Residenz

Foto: Maxim Dondyuk
vek/cth/AP/Reuters
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