Ex-Ministerpräsidentin der Ukraine Timoschenko tritt in Hungerstreik

Sie ist die prominenteste Gefängnis-Insassin der Ukraine, nun verschärft sie ihren Protest gegen die Haftbedingungen. Ex-Ministerpräsidentin Julija Timoschenko nimmt laut ihrem Anwalt keine Nahrung mehr zu sich. Die Politikerin wurde gegen ihren Willen mit Gewalt in ein Krankenhaus gebracht.
Timoschenko: "Unter Anwendung physischer Gewalt in den Krankenwagen getragen"

Timoschenko: "Unter Anwendung physischer Gewalt in den Krankenwagen getragen"

Foto: Sergei Chuzavkov/ AP

Charkow - Sie war das Gesicht der Orangenen Revolution. Doch im vergangenen Jahr wurde Ukraines Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko wegen Machtmissbrauchs verurteilt, sie sitzt in einem Straflager. Um gegen die Haftbedingungen zu protestieren, sei Timoschenko jetzt in den Hungerstreik getreten, wie ihr Anwalt Sergej Wlassenko laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax in Charkow sagte.

Die 51-Jährige protestiere damit gegen ihre Behandlung durch das Personal der Haftanstalt und durch Ärzte. Nach einem erzwungenen Transport in eine Klinik weise Timoschenkos Körper schwere Blutergüsse auf, sagte Wlassenko am Dienstag. Timoschenko nehme bereits seit dem 20. April keine Nahrung mehr zu sich.

Timoschenko leidet unter Rückenproblemen, die ihre Gehfähigkeit beeinträchtigen. Ärzte der Berliner Charité hatten die 51-Jährige in Charkow rund 450 Kilometer östlich von Kiew untersucht und als sehr krank bezeichnet. Sie hatten sich zur Behandlung Timoschenkos in Deutschland bereiterklärt. Das lehnten die ukrainischen Behörden aber ab.

"Anwendung physischer Gewalt"

Die Staatsanwaltschaft von Charkow räumte ein, dass Timoschenko am vergangenen Freitag gegen ihren Willen in das Krankenhaus gebracht worden sei. Die Inhaftierte sei "unter Anwendung physischer Gewalt in den Krankenwagen getragen und in die Klinik gefahren" worden, sagte Staatsanwalt Gennadi Tjurin. Dies gestatteten ukrainische Gesetze.

Timoschenko war im vergangenen Oktober wegen Amtsmissbrauchs in ihrer Zeit als Ministerpräsidentin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Grund war ein 2009 mit Russland geschlossenes Gasgeschäft. Die EU hatte die Inhaftierung Timoschenkos als politisch motiviert kritisiert. Die Oppositionsführerin hatte die Präsidentschaftswahl 2010 gegen ihren Erzrivalen Wiktor Janukowitsch verloren.

Vergangene Woche hatte ein weiteres Verfahren gegen Timoschenko wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung in ihrer Zeit als Chefin eines staatlichen Energiekonzerns mit Voranhörungen begonnen. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands nahm die 51-Jährige nicht daran teil.

Bei einer Verurteilung drohen der Politikerin zwölf Jahre Haft. Es ist aber unklar, ob ihr eine neue Strafe auf die bisher abgesessene Zeit angerechnet oder darauf aufgeschlagen würde. Außerdem soll Timoschenko dem ukrainischen Staat umgerechnet 1,8 Millionen Euro zurückzahlen.

heb/dpa/AFP/Reuters