Ostukraine Heftige Gefechte um Flughafen von Donezk

Keine Entspannung in der Ostukraine: Separatisten und Armee kämpfen um den Flughafen von Donezk. Die Aufständischen drohen zudem mit einer gewaltsamen Einnahme der wichtigen Hafenstadt Mariupol.
Der internationale Flughafen von Donezk: Armeestellungen beschossen

Der internationale Flughafen von Donezk: Armeestellungen beschossen

Foto: Alexander KHUDOTEPLY/ AFP

Donezk/Mariupol - Heftige Gefechte in Donezk: Trotz der vereinbarten Waffenruhe kämpfen die ukrainische Armee und prorussische Separatisten um den internationalen Flughafen der Stadt. Die Armeestellungen am Flughafen seien zunächst von Raketenwerfern und später mit Mörsergranaten beschossen worden, sagte Militärsprecher Wladislaw Selesnjow.

Donezk ist in der Hand der Rebellen, die sich ungeachtet einer Anfang September vereinbarten Waffenruhe mit der Armee Kämpfe um den Flughafen liefern. Der Armeesprecher Andrij Lyssenko sagte am Donnerstag, in den vergangenen 24 Stunden seien in der Ostukraine ein Zivilist und sieben Soldaten getötet worden. Demnach wurden außerdem elf Soldaten verletzt. Es war der höchste Verlust für die ukrainische Armee an einem Tag seit mehr als zwei Wochen.

Lyssenko zufolge nahm der Beschuss auf die Armee zuletzt zu, insbesondere im Süden von Donezk nahe Mariupol. Die strategisch wichtige Hafenstadt ist die letzte von Kiew kontrollierte größere Stadt in der Region. Die Separatisten drohten damit, Mariupol einzunehmen. Wenn die Ukraine die Stadt nicht auf friedlichem Wege abtrete, "dann setzen wir Gewalt ein", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko russischen Agenturen zufolge.

Die Aufständischen in den Regionen Donezk und Lugansk wollen an diesem Sonntag neue Anführer und Volksvertretungen wählen - gegen den Widerstand der Regierung in Kiew. Zudem kündigten sie Kommunalwahlen nach dem 7. Dezember an. Die Aufständischen hatten die ukrainische Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag in den Separatistengebieten nicht zugelassen.

Ergebnis der Parlamentswahl noch offen

Vier Tage nach der Parlamentswahl waren noch immer nicht alle Stimmzettel ausgezählt. Der Wahlkommission in Kiew zufolge liegt die proeuropäische Volksfront von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk nach Auswertung von mehr als 99,5 Prozent der Wahlzettel mit 22,2 Prozent in Führung. Zweiter wurde demnach der prowestliche Block von Präsident Petro Poroschenko mit 21,8 Prozent.

Zwar wird das amtliche Endergebnis erst in der kommenden Woche erwartet, doch die Parteien stellen bereits die Weichen für eine Koalitionsregierung. Poroschenko lotete mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko Möglichkeiten aus, ihre Vaterlandspartei an der neuen Regierung zu beteiligen.

Auch die neue proeuropäische Kraft Samopomoschtsch (Selbsthilfe) sondiert mit Jazenjuks Volksfront und dem Poroschenko-Block Optionen für eine Koalition. Ihr beliebter Anführer Andrej Sadowy, Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg), sagte, er wolle sich aus Koalitionsverhandlungen heraushalten. "Alle Gespräche sollen mit den zukünftigen Abgeordneten (von Samopomoschtsch) geführt werden." Er selbst will nicht für seine Partei in die Oberste Rada. Das wichtigste sei, dass die Volksfront und der Poroschenko-Block zusammen regieren könnten, sagte er.

Dass Ministerpräsident Jazenjuk und Staatschef Poroschenko inhaltlich an einem Strang ziehen, zeigte sich in Entwürfen ihrer Parteien für einen Koalitionsvertrag: Beide streben einen EU-Beitritt der Ukraine an und wollen ihr Land unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen. In Brüssel wollten am Abend erneut Vertreter Kiews und Moskaus unter Vermittlung der EU über ihren Gaskonflikt verhandeln.

brk/AFP/dpa
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