Ukraine Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili in Kiew festgenommen

Wegen "Beihilfe für eine kriminelle Vereinigung" droht Georgiens Ex-Staatschef Saakaschwili nach seiner dramatischen Festnahme eine jahrelange Haftstrafe in der Ukraine - oder die Auslieferung in sein Heimatland.
Michail Saakaschwili

Michail Saakaschwili

Foto: Alexandr Gusev/ dpa

Der georgische Ex-Präsident Michail Saakaschwili ist in einer offenbar dramatischen Aktion in seiner Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew festgenommen worden. Der 49-Jährige sei zuvor vor den Ermittlern auf das Hausdach geflohen und habe damit gedroht, sich umzubringen, meldeten örtliche Medien.

Ukrainische und russische Fernsehsender zeigten Saakaschwili, wie er vom Dach des Apartmenthauses im Zentrum von Kiew zu seinen Anhängern sprach. Der Eingang zu dem Gebäude wurde von dutzenden bewaffneten Polizisten blockiert, nachdem Saakaschwili in ein Polizeifahrzeug gebracht wurde, wie ein AFP-Reporter berichtete. Dutzende Unterstützer blockierten anschließend das Polizeifahrzeug. Der Geheimdienst bestätigte die Festnahme wegen "Beihilfe für eine kriminelle Vereinigung". Saakaschwili drohen bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Mittlerweile ist Saakaschwili ukrainischer Oppositionspolitiker. Er hatte zuletzt Demonstrationen angeführt, die die Amtsenthebung von Präsident Petro Poroschenko zum Ziel hatten. Die Proteste sollen von Politikern finanziert worden sein, die 2014 nach dem Sturz der Regierung nach Moskau geflohen waren. Somit habe er aus Behördensicht Kriminelle unterstützt.

Saakaschwili, der von 2004 bis 2013 in Georgien regierte, ist zur Zeit staatenlos. Nach seiner Zeit als Präsident war er auf Einladung der damaligen Regierung in Kiew in die Ukraine gekommen. Dort wurde er zunächst Gouverneur der Region Odessa. In der Folge überwarf er sich jedoch mit dem ukrainischen Staatschef Poroschenko.

Im Juli wurde Saakaschwili während eines USA-Aufenthalts die vor zwei Jahren verliehene ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen. Kurz darauf kehrte er jedoch in einer spektakulären Aktion in die Ukraine zurück und stellte anschließend einen Antrag auf politisches Asyl.

2015 hatte Saakaschwili bereits die Staatsangehörigkeit seines Heimatlands verloren, weil er den ukrainischen Pass angenommen hatte. Ihm droht nun auch die Abschiebung nach Tiflis. Georgien hat wegen Ermittlungen zu Korruption und Amtsmissbrauch um eine Auslieferung gebeten.

aev/dpa