Streit um die Krim Stunde der Holzköpfe

Kriegsangst geht um in Europa: Im Westen wie im Osten befeuern politische Scharfmacher die Debatte um die Zukunft der Ukraine und der Krim. Dabei helfen in dieser gefährlichen Lage nur Ruhe und Diplomatie.
Soldat auf der Krim: Es dreht sich die Spirale des Irrsinns

Soldat auf der Krim: Es dreht sich die Spirale des Irrsinns

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Es ist ein Zufall, aber er passt: Auf der Krim, in Jalta, besiegelten die Westmächte und Josef Stalin einst die Aufteilung der Welt in eine östliche und eine westliche Einflusssphäre. Es wurde die Grundlage geschaffen für den dann folgenden Kalten Krieg - in dem die Hardliner auf beiden Seiten lange Zeit den Ton bestimmten. Leider umweht der Geist des Kalten Kriegs nun die Krim-Krise.

Im Westen wie im Osten versuchen jene den Ton in der Debatte zu setzen, die die Welt am liebsten am Schachbrett in Einflussgebiete aufteilen und Muskelspiele für kluge Außenpolitik halten - wie etwa US-Senator John McCain. Es schlägt - leider wieder einmal - die große Stunde der Holzköpfe. Diplomatie und militärische Zurückhaltung werden als Appeasement und Weicheiertum verspottet. Diese Töne - in Ost wie West - sollten einem wirklich Angst machen.

Wie würde Russland reagieren?

Natürlich kann man Wladimir Putin und seinen Oligarchen-Club nun ächten und boykottieren. Man kann als Nato auch Truppen und Schiffe auffahren lassen, wie es die Falken in Washington schon fordern. Aber was ist damit gewonnen? Wie würde Russland reagieren? Was kommt als nächstes?

Russland könnte westliche Firmen schließen, die Gaslieferungen auch an Deutschland drosseln. Es könnte auch die Waffenlieferungen an Syriens Diktator Baschar al-Assad wieder hochfahren, um diesen Konfliktherd anzuheizen. Oder: Es werden neue Flottenmanöver im Atlantik gestartet. Der Phantasie sind in dieser Spirale des Irrsinns keine Grenzen gesetzt.

Es wäre fatal, wenn sich US-Präsident Barack Obama und der Westen nun von Putin und einer hysterischen Rechten hierzulande oder in den USA in eine neue Ost-West-Konfrontation treiben ließen. In Russland ist ja offenbar das halbe Land schon reflexhaft in einen Kalter-Krieg-Modus verfallen. In Washington, Brüssel und Berlin muss man sich nun erst recht davor hüten, diese Stimmung weiter anzuheizen.

Der Schlüssel zur Lösung dieses Konflikts liegt in Kiew

Schon in der Schule lernen Kinder den Spruch: "Der Klügere gibt nach." Und das ist in Wahrheit das einzige, was kurzfristig in dieser verfahrenen Situation hilft. Es ist müßig, jetzt lange darüber zu streiten, wer Schuld daran trägt, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Das sollen die Historiker erledigen.

Es ist deshalb richtig, die Diplomaten ihre Arbeit machen zu lassen und - wie der deutsche Außenminister Steinmeier - weiter das Gespräch mit Russland zu suchen. Ohne Vorbedingungen. Boykotte und Sanktionen können nur das äußerste Mittel sein.

Russland nur noch weiter in die Enge zu treiben, ist keine Lösung. Mindestens genauso wichtig ist: Der Westen muss Druck auf die neue ukrainische Regierung ausüben, ebenfalls auf Russland zuzugehen. Eine neue Ukraine, in der nicht auch Russlands Positionen berücksichtigt werden, wird niemals funktionieren.

Putins Machtanspruch lässt sich eindämmen. Aber nicht mit dem Hammer, sondern mit Hirn.

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