Krim-Abspaltung
Janukowitsch fordert Referenden in allen Teilen der Ukraine
Der entmachtete Präsident Janukowitsch sät neuen Zwist in der Ukraine. Nach dem umstrittenen Krim-Referendum ruft er dazu auf, dass alle ukrainischen Regionen ähnliche Volksabstimmungen abhalten.
Ex-Präsident Janukowitsch: "Sie brauchen ein Referendum"
Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS
Moskau - Wiktor Janukowitsch hat sich ein weiteres Mal von Russland aus in die Belange seines Heimatlandes eingemischt. Der ukrainische Ex-Präsident war nach dem Machtwechsel in Kiew im Februar ins Nachbarland geflohen. Knapp zwei Wochen nach dem umstrittenen Referendum über die Angliederung der Krim an Russland forderte er nun Volksabstimmungen in allen ukrainischen Regionen. "Als Präsident rufe ich jeden vernünftigen ukrainischen Bürger auf: Lassen Sie sich von den Betrügern nicht benutzen! Sie brauchen ein Referendum über den Status jeder Region in der Ukraine!", zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass Janukowitsch am Freitag.
Der 63-Jährige betonte, nur eine landesweite Volksbefragung und keine vorgezogene Präsidentenwahl könne die Situation stabilisieren und die Einheit erhalten.
Russland hatte sich trotz aller internationaler Proteste die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel einverleibt. Auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen verurteilte diesen Schritt am Donnerstag. Das Gremium nahm eine nicht bindende Resolution an, in der das Referendum auf der Krim als "ungültig" bezeichnet wird. Für den Text stimmten 100 Staaten, elf votierten dagegen. Die Vertreter von 58 Ländern enthielten sich. Russland erklärte, die Resolution der Uno-Vollversammlung sei "kontraproduktiv".
Rechter Sektor protestiert vor dem Parlament
In der Ukraine selbst setzt die ultranationalistische Gruppe Rechter Sektor ihren Protest gegen Innenminister Arsen Awakow fort. Die Bewegung, die jüngst eine Partei gegründet hatte, werde friedlich vor dem Parlament in Kiew demonstrieren, kündigte Sprecher Andrej Bondarenko an. Kürzlich war einer ihrer Anführer durch Polizeikugeln zu Tode gekommen.
Awakow habe seine Untergebenen nicht im Griff. "Die Kundgebung ist nicht gegen das Land und nicht gegen das Parlament gerichtet", sagte Bondarenko dem Sender Radio Liberty am Freitag.
Ranghohe Politiker wie die ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Pjotr Poroschenko und Vitali Klitschko hatten die gewaltbereiten Demonstranten am Vorabend von einer Erstürmung des Parlaments abgehalten. Der Rechte Sektor wirft den Behörden vor, sie hätten Alexander Musytschko, einen Koordinator der Gruppe in der Westukraine, gezielt ermorden lassen.
Das Innenministerium hingegen betont, Musytschko habe bei einem Festnahmeversuch selbst das Feuer auf die Beamten eröffnet und sei bei der Schießerei tödlich verletzt worden. Awakow kündigte an, alle Dokumente und Videoaufnahmen zu dem Fall zu veröffentlichen. "Dann kann jeder selbst entscheiden, wer ein Held ist und wer ein gemeiner Bandit", schrieb Awakow auf seiner Facebook-Seite.