Krise in Kiew Janukowitsch mit Fieber in Klinik

Die Ukraine steckt in einer tiefen Krise, der Machtkampf in Kiew hält an. Bei den Protesten der Opposition gegen die Staatsführung wurden schon mehr als 230 Demonstranten festgenommen. Jetzt ist Präsident Janukowitsch erkrankt.

Janukowitsch: Krank in der Krise
AP

Janukowitsch: Krank in der Krise


Kiew - Der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch leidet zurzeit an Atembeschwerden und hohem Fieber. Der Staatchefs könne deshalb derzeit seine Amtsgeschäfte nicht ausüben, hieß es am Donnerstag auf der Internetseite des Präsidialamtes. Janukowitsch habe eine schwere Erkältung, teilte sein stellvertretender Leibarzt Alexander Orda mit. Der Präsident werde deshalb in einem Krankenhaus behandelt.

Janukowitsch steht seit Monaten massiv in der Kritik, nachdem er auf Druck Russlands ein historisches Partnerschaftsabkommen mit der EU in letzter Sekunde verweigert hatte. In der Hauptstadt Kiew fordern täglich Tausende seinen Rücktritt.

Landesweit seien bisher 234 Demonstranten festgenommen worden, 140 von ihnen säßen in Untersuchungshaft, teilte die Generalstaatsanwaltschaft iam Donnerstag mit. Bei den Straßenschlachten zwischen Regierungsgegnern und Polizei seien vier Menschen getötet worden, darunter auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte. Mehr als 500 Menschen seien verletzt worden, darunter etwa 250 Beamte, hieß es. Die Regierungsgegner sprechen dagegen von sechs getöteten Demonstranten sowie von 30 Verschleppten und 2000 Verletzten.

Steinmeier warnt Janukowitsch

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte Janukowitsch am Donnerstag davor, im Machtkampf mit der Opposition weiter auf Zeit zu spielen. "Macht jetzt endlich ernst und tut, was Ihr der Opposition versprochen habt", appellierte er an die Führung in Kiew. Bislang gebe es eine "Lücke zwischen dem, was zwischen den Verhandlungsparteien der Opposition und dem Präsidenten besprochen wird, und dem, was dann anschließend umgesetzt wird".

Steinmeier bezog sich dabei insbesondere auf das Amnestiegesetz für inhaftierte Oppositionsanhänger. Das Parlament in Kiew hatte es am Mittwoch dank der Regierungsmehrheit nur unter der Bedingung angenommen, dass alle besetzten Verwaltungsgebäude geräumt werden.

Nach einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach er von "Fortschritten", die in Kiew in den vergangenen Tagen erreicht worden seien. "Wir sind inzwischen in der Ukraine ein Stück weiter. Es gibt die Chance, das aus all dem etwas entsteht, was nach einer politischen Lösung aussieht." Problem sei jetzt allerdings, dass die Vereinbarungen vom Regierungslager nun "von sehr vielen Konditionen" abhängig gemacht würden.

als/Reuters/dpa

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