Ukraine Journalist bei Bombenanschlag in Kiew getötet

Der Journalist Pawel Scheremet ist bei einem Bombenanschlag in Kiew ums Leben gekommen. Präsident Petro Poroschenko spricht von einer "schrecklichen Tragödie", der Generalstaatsanwalt von Mord.

Journalist Pawel Scheremet
AFP/ Ukrainska Pravda / Dmytro Laryn

Journalist Pawel Scheremet


In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist ein bekannter Journalist bei einem Bombenanschlag getötet worden. Der Sprengsatz detonierte im Auto des Journalisten Pawel Scheremet. Der Wagen ging sofort in Flammen auf.

Die Hintergründe des Anschlags sind noch unklar. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nannte den Tod des renommierten Journalisten eine "schrecklichen Tragödie" und ein "Verbrechen". Generalstaatsanwalt Juri Luzenko sprach von Mord und sicherte eine genaue Untersuchung des Verbrechens zu.

Die Explosion soll sich am frühen Morgen ereignet haben, als das Auto an einer Kreuzung stand. Ein Taxifahrer sagte, die Flammen hätten bis zum zweiten Stock der angrenzenden Häuser gereicht. Er half demnach, den Schwerverletzten aus dem Wagen zu ziehen. Bei Ankunft des Krankenwagens sei Scheremet noch am Leben gewesen, habe aber gestöhnt vor Schmerzen und nicht sprechen können.

Laut Innenministerium hatte die Bombe eine Sprengkraft von 400 bis 600 Gramm TNT. Der Sprengsatz habe entweder einen Zeitzünder besessen oder sei ferngezündet worden.

Der Wagen gehörte Scheremets Kollegin Olena Pritula, einem Gründungsmitglied der Ukrainska Prawda. Scheremet arbeitete für die einflussreiche Nachrichten-Website und moderierte eine Morgensendung im Radio. Zuvor hatte er als Fernsehjournalist in Russland gearbeitet.

Der 44-Jährige galt als Intimfeind von Diktator Lukaschenko und war ein guter Freund des ermordeten russischen Oppositionellen Boris Nemzow. Er verurteilte die russische Annexion der Krim und demaskierte Putins Propaganda, setzte sich aber für einen Dialog zwischen Ukrainern und Russen ein. Kollegen schätzten seine ausgewogene Berichterstattung - auch deswegen reagierten viele mit Bestürzung auf die Ermordung des Redakteurs

Scheremet arbeitete für den russischen Sender ORT, wo er zeitweise die meistgesehene Nachrichtensendung, "Wremja", moderierte. 2013 wechselte er zum Sender Obschestwennoje Telewidenije, verließ diesen aber 2014 aus Protest gegen die russische Berichterstattung über die Kämpfe in der Ostukraine. Scheremet besaß die russische Staatsbürgerschaft, er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Bekannte des Journalisten sagten der "Nowaja Gaseta", Scheremet hätte erst vor Kurzem berichtet, dass er im Auto verfolgt worden sei. Der Chefredakteur der Ukrainska Prawda, Sewgil Musajewa-Borowyk, ist überzeugt, dass Scheremet wegen seiner "beruflichen Aktivitäten" getötet wurde. "Warum töten sie in diesem Land Journalisten? Weil jemand auf diese Weise die Lage destabilisieren will."

Vor 16 Jahren war der Journalist und Gründer der "Ukrajinska Prawda", Georgi Gongadse, ermordet worden. Seine enthauptete Leiche wurde in einem Wald außerhalb von Kiew entdeckt. Die Hintermänner des Verbrechens wurde nie enttarnt, die Tat war aber einer der Auslöser für die sogenannte Orange Revolution in der Ukraine.

cte/ala/AFP/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.