Ukraine-Konflikt Heftigste Kämpfe seit Monaten erschüttern Donezk

Der Waffenstillstand im ukrainischen Grenzkonflikt ist brüchiger denn je. In Donezk gab es die heftigsten Gefechte seit Anfang September.

Donezk - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zeigt sich besorgt über die jüngste Zuspitzung im Ukraine-Konflikt. Der Schweizer Außenminister und amtierende OSZE-Präsident Didier Burkhalter rief die Konfliktparteien auf, alles zu tun, um die vereinbarte Waffenruhe zu stabilisieren.

Zuvor hatte es in der ostukrainischen Rebellenhochburg Donezk die heftigsten Gefechte seit der Einigung auf eine Waffenruhe Anfang September gegeben. Die Kämpfe begannen in der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr (1 Uhr MEZ) und dauerten zunächst unvermindert an. Am Sonntagmorgen waren die Gefechte weniger intensiv.

Ein Anwohner sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe gesehen, dass sieben motorgetriebene Kanonen in Richtung des seit Monaten umkämpften Flughafens sowie in Donezks Nachbarstadt, den Eisenbahnknotenpunkt Jassynuwata, unterwegs gewesen seien.

OSZE-Beobachter zur Überwachung der Waffenruhe hatten zuvor nahe der von prorussischen Rebellen kontrollierten Städte Donezk und Makijiwka Konvois mit Panzern, Truppentransportern und Haubitzen gesichtet, wie die Organisation mitteilte.

Der Waffenstillstand war am 5. September ausgehandelt worden. Besonders in der vergangenen Woche gab es jedoch wiederholt Zwischenfälle. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich. Nach Angaben der Regierung in Kiew wurden seit Freitag neun ukrainische Soldaten getötet. Die Vereinten Nationen gaben die Zahl der Toten in den vergangenen sieben Monaten mit mehr als 4000 an.

Der Konflikt führt seit Monaten zu Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger sieht in der Belastung der Beziehungen zu Russland die Gefahr einer "Neuauflage des Kalten Krieges". Ignoriere man diese Gefahr, "wäre das eine Tragödie", sagte Kissinger dem SPIEGEL.

MH17: Vielleicht können nicht alle Opfer geborgen werden

Unterdessen erklärte der niederländische Außenminister Bert Koenders, dass die Opfer des im Juli über der Ostukraine mutmaßlich abgeschossenen Malaysia-Airlines-Flugzeugs möglicherweise nicht alle geborgen werden können. Derzeit sei nicht klar, "wann und sogar ob" die letzten neun Opfer geborgen und identifiziert werden könnten, sagte Koenders am Samstag bei einem Besuch der Unglücksstelle. Fünf Särge mit den sterblichen Überresten von Opfern trafen unterdessen in den Niederlanden ein. Da 193 der 298 Todesopfer Niederländer waren, leitet Den Haag die Ermittlungen.

yes/AFP/Reuters
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